Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

97

mutter  ausgeführt.  Mit  diesem  Genre  ist  wohl  wie  gesagt  der  Styl  seiner
Blütheperiode  noch  engverbunden,  doch  kann  man  an  der  Decoration  des
Flügels  bereits  ein  Raumgeben  für  die  modern  reinere  Richtung  gewahr
werden.
Steinmosaik  repräsentiren  Tischplatten  in  buntem  Marmor  von  O  h  rfandl
  in  Klagenfurt  und  von  Löwen  Stern  in  Oberalm  bei  Salzburg.
Die  Muster  sind  in  der  allein  richtigen  Art  in  der  Ebene  gedacht,  geometrische ­
  Figuren  in  ganz  guter  Auswahl  der  Farben.
Die  Ledermosaiken  aus  dem  Etablissement  August  Klein,  ebenfalls
unbekannten  Urhebers,  Sacktuch-  und  Handschuhsoufflets,  verdienen  noch
einige  ^Vorte.  In  lichtem  Braun  auf  dem  schwärzen  Leder  angebracht,
ferner  als  blosse  Umrisszeichnungen  behandelt,  zeigen  die  Darstellungen
deutlich,  dass  die  Decoration  griechischer  Thongefässe  als  Muster  vorschwebte. ­
  Aber  hier  ist  nicht  etwa  das  coloristische  Princip  allein  den
antiken  Vasendecorationen  entnommen,  wie  an  den  Holzintarsien  des
Storck’schen  Schmuckschreines,  woselbst  die  Zeichnung  diese  Farben  nur
benützt,  im  übrigen  aber  selbstständig  einen  anderen  Weg  geht,  —  es  ist
hier  nicht  das  coloristische  Princip  allein  entlehnt,  sondern  es  schliesst
sich  die  Wahl  der  Gegenstände  und  der  Styl  ihrer  Contourzeichnung
gleichfalls  an  die  Vorbilder  der  antiken  Töpferei  an,  —  und  dazu  will
das  Material  denn  doch  nicht  stimmen.  Dass  man  zu  solcher  Nachahmung
antiker  Vasenbilder  ferner  noch  Pompejanische  Figuren  nicht  blos  benützte, ­
  sondern  copirte,  also  ursprünglich  in  Farbe,  in  Fresco  ausgeführte
Gegenstände,  wollen  wir  auch  nur  ohne  weitere  Discussion  anführen.  Die
technische  Vollendung  verdient,  wie  die  Zeichnung  manches  Lob.  —  Unser
gerechtes  Verwundern  über  die  Leistungen  des  Buchbinders  J.  Wolf  in
Gmunden  wird  Jeder  theilen,  der  nur  die  niedlichen  Täschchen,  Fächer
und  Futterale  in  gepresstem,  buntem  Leder  betrachtet.  In  Gmunden,  —
darin  liegt  das  Besondere,  denn  diese  Arbeiten  dürfen  mit  Wiener  Fabricaten,
  namentlich  was  Geschmack  und  Zeichnung  anlangt,  in  die  Schranken
treten.  Möchten  wir  auch  noch  ein  und  das  andere  modehafte  Blümchen
u.  dgl.  in  natürlicher  Wiedergabe  hinweg  haben,  so  gilt  doch  von
dem  Ganzen,  dass  es  zu  den  erfreulicheren  Erscheinungen  auf  der  Ausstellung ­
  zu  zählen  ist  und  das  in  einem  Fache,  welches  beinahe  ausnahmslos ­
  bisher  der  Tummelplatz  der  wildesten  Geschmacksverirrung  gewesen ­
  ist.
/.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.