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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Wir  hoffen,  dass  dieses  Beispiel  nicht  ohne  Nachfolge  bleiben  werde,  von
dem  wir  uns  eine  durchaus  günstige  Einwirkung  auf  die  Beziehungen  zwischen ­
  Arbeitgeber  und  Arbeiter  versprechen.  Die  materielle  Lage  der
letzteren  verbessert  sich  unter  dem  Einflüsse  der  ausserordentlichen  Regsamkeit ­
  im  Geschäftsleben  einerseits  und  mit  Hilfe  der  Waffen,  welche
das  Coalitionsrecht  ihnen  liefert,  fort  und  fort,  für  ihre  Vor-  und  Fortbildung ­
  wird  in  umfassender  Weise  Sorge  getragen,  und  wenn  nun  ein
jeder  Arbeiter  das  Bewusstsein  haben  kann,  dass  es  nur  von  seiner  Leistung ­
  abhängt,  ob  er  in  Zukunft  ein  namenloser  Bestandtheil  einer  Maschine ­
  bleiben,  oder  ob  für  seinen  Fleiss  und  seine  Geschicklichkeit  auch
ihm,  so  gut  wie  seinem  Brotherrn,  äussere  Ehre  zu  Theil  werden  soll,
ohne  dass  er  nöthig  hätte,  die  Lasten  und  Sorgen  eines  eigenen  Geschäftes
zu  übernehmen,  so  glauben  wir  darin  nicht  allein  einen  Sporn  für  den
Einzelnen,  sondern  auch  ein  Befriedigungsmittel  für  den  ganzen  Stand  zu
erkennen.
*
Und  nun,  da  wir  mit  diesen  Bemerkungen  dem  Schlüsse  des  Ausstellungsberichtes ­
  zueilen,  ist  es  passend,  einige  Worte  auch  direct  an
das  Publicum  zu  richten.
Die  Kunstindustrie  in  Oesterreich  ist  eine  junge  Pflanze.  Ihre  Geschichte ­
  reicht  in  wenige  Jahrzehnte  zurück.  Sie  hat  keine  historischen
Traditionen  hinter  sich,  wie  die  Kunstindustrie  in  Frankreich,  Italien,
in  Belgien  und  am  Rheine,  wo  Florenz,  Venedig,  Brügge,  Antwerpen,  Paris
Lyon,  Limoges,  Köln  und  andere  Städte  mehr  schon  in  früh  historischen
Zeiten  Pffänzstätten  grosser  kunstindustrieller  '[Tätigkeit  gewesen  sind.
Aus  eben  diesem  Grunde  bedarf  aber  diese  junge  Pflanze  aufmerksamer
Pflege  und  jenes  Schutzes  von  Seite  des  Publicums,  welcher  auf  einer
wohlwollenden  Stimmung  und  einem  intelligenten  Patriotismus  beruht.
Es  ist  eine  bare  Thorheit,  in  Allem  und  Jedem  von  der  Österreichischen ­
  Kunstindustrie  heute  schon  das  verlangen  zu  wollen,  was  man  in
Frankreich,  in  Italien  und  in  Belgien  als  die  Frucht  eines  jahrhundertlangen ­
  kunstgewerblichen  Ringens  und  Strebens  betrachten  kann.  Und
vor  Allem  möchten  wir  davor  unser  Publicum  warnen,  dass  es  sich  zu
sehr  der  falschen  Bewunderung  des  Auslandes  hingebe,  und  jener  Negation ­
  und  Oppositionssucht,  die,  bei  uns  mehr  im  Schwünge  als  irgendwo,
viele  Keime  zerstört,  Muthlosigkeit  in  die  Reihen  der  Industriellen  gebracht, ­
  und  nirgendwo  etwas  Positives  geschaffen  hat.
Einen  Factor  im  kunstindustriellcn  Leben  gibt  es,  zu  dessen  Pflege
und  Förderung  das  Oesterr.  Museum  weder  berufen  noch  berechtigt  ist,
und  dieses  ist  das,  was  man  die  »grosse  Kunst«  nennt.
Zur  Pflege  der  grossen  Kunst  ist  die  Akademie  der  bildenden  Künste
berufen,  deren  Reform  wohl  in  dem  Augenblicke  schon  eine  vollendete
Thatsache  sein  wird,  wenn  sie  in  die  neuen  Räume  einzieht,  die  zu
schaffen  der  Architekt  Hansen  berufen  ist.  Dort  ist  der  Platz,  wo  das
            
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