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Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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modificirtes  Princip  ein.  Wo  die  Holzmöbel  ein  starkes  Gerüst  verlangen,
genügt  hier  dünnes  Stabwerk,  das  sich  nach  Belieben  jeder  gewundenen
Form  fügt.  Diese  Verschiedenartigkeit  ist  bei  einer  in  ihrer  Art  vortreffw
  liehen  Garnitur  mit  einem  Himmelbett  sehr  wohl  berücksichtigt  und
darauf  Structur  und  Ornamentation  gegründet.  Diese  mit  grünem  Stoff
überzogene,  mit  applicirter  Stickerei  noch  weiter  geschmückte  Garnitur
ist  ebenfalls  von  Storck  entworfen,  dessen  schöpferische,  bahnbrechende
Ideen  auf  dieser  Ausstellung  in  allen  Zweigen  zur  Wirklichkeit  gelangt  sind.
F.
IX.
Zimmer  decoration.
(Schmidt  &  Sugg.  Phil.  Haas  und  Storck.  —  Tapeten:  Sieburger.  Knepper  &  Schmidt.
Melcher.  Spörlin  &  Zimmermann.)
Die  Zimmerdecoration,  wie  sie  sich  auf  der  Ausstellung  des  Museums
darstellt,  ist  nicht  blos  durch  ihren  Gehalt,  sondern  auch  durch  die  Art
der  Aufstellung,  des  Arrangements  interessant  und  lehrreich.  Bisher  war
man  auf  den  grossen  Ausstellungen  gewohnt,  alle  Gegenstände,  welche
die  Wohnung  zu  verzieren  hatten,  jedes  für  sich,  eines  vom  andern  gesondert, ­
  ausgestellt  zu  sehen:  Tapeten  für  sich,  Vorhänge  für  sich,  Plafonds, ­
  Fussboden  oder  Teppiche  wieder  an  anderer  Stelle.  Und  doch  gehören ­
  diese  Gegenstände  zusammen  und  wenn  sie  vereinigt  das  Zimmer
bilden,  dann  erst  ist  das  rechte  Kunstwerk  geschaffen,  das  der  letzten  und
eigentlich  künstierisshen  Beurtheilung  unterliegt.
Es  ist  zudem  ja  auch  bereits  in  der  höheren  Luxuskunst  dieser  Art,
wenn  auch  noch  lange  nicht  genug,  Sitte  geworden,  die  Decoration  eines
Zimmers  als  ein  geschlossenes  Ganzes  zu  betrachten,  das  in  eine  Hand
gelegt  werden,  aus  einem  Kopfe  entspringen  muss,  um  der  Einheit  und
der  Harmonie  sicher  zu  sein.  Es  lag  daher  der  Gedanke  nahe,  auch  die
Gegenstände  so  auszustellen,  wie  sie  einmal  Zusammenkommen  sollen,
also  nicht  blos  Vorhänge,  nicht  blos  Tapeten  oder  Teppiche,  sondern
gradezu  Zimmer,  fertige,  künstlerisch  decorirte  und  ausgestattete  Zimmer.
Dieser  Gedanke  ist  eigentlich  nicht  neu,  da  ja  das  Gefühl  dafür  ein
altes  ist,  aber  die  Art,  wie  er  auf  unserer  Ausstellung  ins  Leben  gesetzt
worden,  ist  allerdings  neu.  Auf  der  Dubliner  Ausstellung  schon  hatte
man  versucht,  ihn  zu  verwirklichen,  aber  es  waren,  bei  der  Beschränktheit ­
  des  Raumes,  nur  Miniaturcabinette,  die  geschaffen  worden.  Auch
fehlte  ihnen  die  höhere  künstlerische  Absicht;  es  waren  Modelle  für
Wohnzimmer  von  gewöhnlicher  moderner  Art.  Auch  auf  der  letzten
Londoner  Ausstellung  des  Jahres  1871  hatte  man  dem  gleichen  Gefühl
und  Bedürfniss  Rechnung  zu  tragen  gesucht.  Man  hatte  jedem  Kasten,
Schrank  oder  Büffet  ein  Stück  Teppich  untergelegt,  ein  Stück  Tapete
zum  Hintergrund  gegeben  und  darauf  ein  paar  Oelgemälde  gehängt:  so
            
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