Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

49
werden  könnten,  hat  nicht  diese  selber,  sondern  die  gezeichneten  Originalmuster ­
  nebst  Blumenstudien  ausgestellt,  wohl  um  davon  eine  Idee  zu
geben,  dass  sie  es  mit  der  technisch-künstlerischen  Seite  sehr  ernst  nimmt.
Und  von  diesem  Standpunkte  aus  bleibt  ihre  Ausstellung  interessant  und
anerkennenswerth,  obwohl  sonst  der  französisch-bunte  und  naturalistische
Charakter  auf  eigentlichen  Geschmack  keinen  Anspruch  erheben  lässt.
Der  gleichen  Richtung,  nur  auf  anderem  Gebiete,  folgen  die  Zitze  und
Cretone  der  Neunkirchner  Fabrik.  Wir  sehen  unter  ihnen  zahlreich  die
bunten  Blumen  auf  grauem  Grund,  die  gestreiften  Stoffe  mit  Blumen  in
den  Streifen,  auch  watteauartige  Ornamente  mit  Figürchen  dazwischen,
kurz  alles,  was  die  heutige  französische  Kunst  dieser  Art  charakterisirt.
Sehr  wenig  Beispiele  aber  gehören  der  neuen  orientalischen  Richtung  in
indischem  und  persischem  Style  an,  wie  sie  auf  den  Cretonen  seit  etwa
zwei  bis  drei  Jahren  Boden  gewinnt.
Eine  vierte  Gruppe  von  Geweben,  die  wir  zu  besprechen  haben,
sind  die  Tischdecken.  Auch  hier  sind  die  Aussteller  Ph.  Haas  &  Söhne
und  Giani.  hür  die  Tischdecken  gilt  im  Allgemeinen  dasjenige,  was  von
den  Vorhang-  und  Möbelstoffen  im  Gegensatz  zu  den  Fussteppichen  gesagt ­
  worden.  Ihre  Ornamentation  ist  mehr  im  Allgemeinen  eine  stylisirte,
  als  eine  bestimmt  orientalisirende  wie  bei  den  Teppichen.  Doch
wird  auch  diese  letzte  Richtung  bereits  eingeschlagen  und  einige  Tischdecken ­
  orientalisirender  Art  vorzugsweise  nach  indischen  Mustern,  deren
Arrangement  unserer  modernen  Weise  sehr  entspricht,  gehören  zu  den
schönsten  Arbeiten  in  der  Exposition  von  Haas.  Zu  ihnen  haben  alte
Stickereien,  die  in  der  Sammlung  des  Oesterr.  Museums  vorhanden  sind,
die  Motive  gegeben.  Dasselbe  ist  der  Fall  mit  einigen  ausgezeichnet  gelungenen ­
  Decken  nach  Renaissancemustern  sowohl  bei  Haas  (besonders
die  Decke  im  Herrenzimmer)  wie  bei  Giani.  Die  übrigen  Decken,  bei
denen  der  Blumennaturalismus  ganz  verdrängt  ist,  suchen  auf  Grundlage  der
Gestalt  der  Decke  ein  künstlerisches  Arrangement  zu  bilden  und  dahinein
die  Ornamente  zu  legen  und  zu  vertheilen.  Hierbei  hat  sich  der  Künstler,
wie  manche  Beispiele  lehren,  vor  dem  Geometrisch-Schematischen  und
vor  architektonischer  Steife  zu  hüten.  Dieser  Art  stylisirter  Deckenornamentation
  gehören  die  Zeichnungen  von  W.  Sodoma  an,  ohne  dass  wir
den  erwähnten  Fehler  darauf  beziehen  wollen.
Zum  Fünften  haben  wir  die  leinenen  Damastgewebe  zu  besprechen,
welche  die  Fabrik  von  Küfferle  vertritt.  Das  Hauptstück  seiner  Ausstellung ­
  ist  das  grosse  Tafeltuch  für  die  Hoftafel  mit  rother  Bordüre.
Dieses  Stück  (sowie  einige  andere  kleinere  in  der  Exposition)  ist  aus  dem
Gesichtspunkt  geschaffen,  den  wir  hier  betonen  wollen.  Die  gewöhnliche
Damast-Ornamentation  auf  Leinwand,  weiss  in  weiss,  ist  zu  wirkungslos;
die  Tafel  verlangt  ebenfalls  Farbe  oder  farbiges  Ornament  und  insbesondere ­
  einen  Uebergang  von  der  weissen  Oberfläche  der  Tafel  zu  ihrer
dunklen  Umgebung,  die  jetzt  unvermittelt  aneinander  stossen.  Das  Be*
4
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.