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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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dürfniss  nach  Farbe  ist  hier  schon  länger  gefühlt  und  verschiedentlich
versucht  ihm  abzuhelfen;  allein  die  Versuche  sind  auf  Widerstand  gestossen
  theils  im  herrschenden  Geschmack,  theils  aber  auch  in  der  Technik, ­
  was  wir  hier  nicht  näher  erörtern  können.  In  diesem  grossen  Tafeltuch ­
  ist  mit  Entschiedenheit  ein  neuer  Weg  eingeschlagen  und  wir  hoffen,
dass  dieser  Versuch  nicht  vergebens  gemacht  worden.  Beide  Langseiten
haben  eine  breite  rothe  Bordüre  in  prachtvoller  Zeichnung  (entworfen
von  Storck)  erhalten,  die  beim  Gebrauch  von  der  Tafel  herabfällt.  Die
Schmalseiten  sind  unverziert  geblieben,  aus  technischen  Gründen,  weil
sonst  durch  das  Zusammentreffen  der  farbigen  Fäden  die  Ecken  einen
tieferen,  abweichenden  Ton  erhalten.
Diese  Umgehung  der  Schwierigkeit  durch  Weglassen  der  Ornamentation
  auf  den  Schmalseiten  mag  man  sich  bei  einem  sehr  langen  Tafeltuch ­
  gefallen  lassen,  —  wie  aber  bei  kleinerer,  quadratischer  oder  gar
runder  Tafel?  In  diesem  Fall  ist  das  Verfahren  unzulässig  und  es  muss
statt  seiner  die  Ornamentation  mit  farbigen  Querstreifen  eingeführt  werden,
welcher  der  Technik  entspricht  und  auf  alten  Tischtüchern  des  i5.  und
16.  Jahrhunderts  geübt  worden  ist.  Auch  die  Tabarzer  Gewebe  folgen
demselben  Princip.  Ein  richtiger  Versuch  wird  die  Ueberzeugung  geben,
dass  auch  die  ästhetische  Wirkung  vollkommen  gut  ist.  Was  vom  Tischtuch, ­
  dem  dominirenden,  gilt,  das  hat  natürlich  auch  von  den  Nebenstücken, ­
  den  Servietten,  zu  gelten.  Wir  lenken  ausdrücklich  die  Aufmerksamkeit ­
  der  Fabrikanten  auf  diesen  Punkt.  Wir  meinen  aber,  das
fügen  wir  hinzu,  mit  Farbe  hier  nicht  eine  Weberei  grau  in  grau,  wie
man  sie  zu  Kunstdamasten,  selbst  mit  historischen  Bildern,  verwendet
findet,  sondern  vor  allem  Roth  und  Blau,  zugleich  als  Farben,  die  vorzugsweise ­
  waschbeständig  sind.
An  dieser  Stelle  gedenken  wir  auch  der  weissen  Piquedecken  von
Wassertrilling.  Sie  zeigen  wenigstens  den  Versuch,  auch  im  undankbaren ­
  Material  stylisirte  Zeichnung  zu  verwenden.  Sollte  auch  hier  nicht
die  Farbe  zulässig  sein?^
Schliesslich  geschehe  der  Shawls  von  Hlawatsch  &  Isbary  sowie
der  von  Thieben  Erwähnung,  die  ein  in  seiner  künstlerischen  Weise
vollkommen  abgeschlossenes  und  allgemein  bekanntes  Genre  in  einer
höchst  ausgezeichneten  Weise  vertreten.  Es  ist  eine  Specialität,  dessen
Kunstweise,  wie  viele  Versuche  beweisen,  man  nicht  verlassen  darf,  ohne
auf  Abwege  zu  gerathen.

F.
            
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