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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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dem  unvergleichlich  schönen  Untergrund  des  Antlitzes,  des  Nackens,
Armes  einer  Frau  eben  von  bezaubernder  Wirkung  sind.
Für  eine  solche  Spitzenrobe  zahlt  man  in  Frankreich  20  bis  3o
Tausend  Franken,  aber  nur  wenn  die  Zeichnung  originell  und  schön  und
ihre  Ausführung  durch  Frauenhand  reizend  zart  ist.
Die  Phantasie  des  Zeichners  muss  sich  mit  der  Kunstfertigkeit  der
Arbeiterin  in  meisterhafter  Weise  zu  einem  Kunstwerke  verbinden.  —
Man  wird  uns  nun  verstehen  ,  wenn  wir  sagen:  die  Kunstfertigkeit  der
Arbeiterinnen  ist  in  der  Ausstellung  der  Erzgebirg-Spitzen  im  Museum
nachgewiesen,  die  feingebildeten  Zeichner  fehlen  noch.
Wir  verzichten  darauf  im  Einzelnen  nachzuweisen,  wie  eben  in  der
Zeichnung  derselben  Spitze  hier  unharmonisch  der  Naturalismus  der
Blume  und  des  Blattes  mit  den  Ornament  des  Barockstyles  verbunden,
dort  durch  die  vielfache  Wiederholung  desselben  kleinen  Ornamentes  auf
grosser  Fläche  die  kleinliche  Zusammensetzung  des  Ganzen  aus  vielen
Theilen  zeigt  und  anderes;  wir  vermissen  den  künstlerisch  ausgebildeten
Zeichner,  und  damit  fehlt  das  Beste,  das  Edelste.
Die  Weltausstellung  im  Jahre  1878,  welche  die  französische  Spitzenrobe ­
  neben  den  Erzgebirgsspitzen  stellen  und  vergleichen  lassen  wird,
kann  Gelegenheit  geben,  den  grossen  Fortschritt  der  Erzgebirgsspitze  in
der  Technik  zu  erkennen  und  wird  gewiss  auch  die  Nothwendigkeit
zeigen,  dass  die  Erzgebirgsspitze  nur  dann  auf  dem  Weltmarkt  concurrenzfähig
  werden  wird,  wenn  die  Fabrikanten  kunstgebildete  Fachzeichner
heranziehen.
Mit  Recht  deutet  der  oben  citirte  Bericht  an  das  Erzgebirgscomite
die  Nothwendigkeit  der  Zeichenschulen  in  den  Standorten  der  Spitzenindustrie ­
  an,  und  die  Kunstgewerbeschule  des  österreichischen  Museums
wird  auch  diesem  Industriezweige  von  grossem  Nutzen  sein.
Dr.  Stamm.
XIII.
Goldschmiedsarbeiten.
(Verfall  der  Goldschmiedekunst.  —  Moderne  Kunstweisen.  —  Richtungen  der  Reform.  —
Jauner.  —  Klinkosch.  -  Ratzersdorfer.  —  Keller.  —  Wachsmann.  —  E.  Biedermann.  —
Berndorfer  Fabrik.  —  C.  Haas.)
Vielleicht  hat  sich  kein  Zweig  der  Kunstindustrie  so  lange  und  so
heftig  gegen  den  Verfall  der  modernen  Kunst  seit  der  Renaissance  gewehrt ­
  wie  gerade  die  Goldschmiedekunst  und  in  Verein  mit  ihr  die  Arbeiten ­
  des  Juweliers.  Es  ist,  als  ob  das  feinere  Material,  seine  unschätzbaren ­
  Eigenschaften,  auch  den  Künstler  und  Arbeiter  zu  feinerer  und
gediegenerer  Behandlung  gezwungen  und  zugleich  vor  der  Verwilderung
bewahrt  hätten,  in  welche  andere  Kunstzweige  so  bald  verfielen.  Wir
sehen  daher  um  das  Jahr  1600,  ja  noch  in  der  ganzen  ersten  Hälfte  des
            
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