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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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17•  Jahrhunderts,  namentlich  in  Verbindung  mit  Email  und  Halbedelsteinen ­
  j  die  zu  Gefässen  benützt  wurden,  ganz  vortreffliche  Gold-  und
Silberarbeiten  entstehen,  die  noch  heute  Zierden  unserer  Cabinete  und
Schatzkammern  sind.  Endlich  aber  musste  auch  diese  edle  Kunst  in  den
allgemeinen  Verfall  eintreten.
Mit  diesem  Verfall  änderte  die  Goldschmiedekunst  sehr  wesentlich
ihr  Aeusseres.  Sie  änderte  vor  Allem  die  Formen  der  Gefässe,  Geräthe
oder  Schmuckarbeiten,  und  setzte  an  die  Stelle  der  reich  und  zierlich
gegliederten,  elegant  geformten  Profile  die  willkürlich  geschweiften,  aus
der  Symmetrie  heraustretenden  Formen  des  Rococo;  sie  verlor  an  Technik, ­
  indem  sie  weder  die  Figuren  noch  das  Ornament  mit  der  gleichen
Vollendung  wie  die  Goldschmiede  des  16.  Jahrhunderts  zu  treiben  verstand; ­
  sie  verlor  zugleich  an  Ansehen  und  farbiger  Wirkung,  indem  sie
das  Email  abwies  und  allmälig  auch  die  Vergoldung,  deren  fast  gänzliches ­
  Erlöschen  allerdings  erst  dem  19.  Jahrhundert  angehört.  Das  Email
hielt  sich  nur  noch  als  Miniaturmalerei  in  der  Uhren-  und  Dosenfabrication,
  bei  welcher  wieder  alle  künstlerische  Form  hinwegfiel.  Die  Goldschmiedekunst ­
  verlor  dadurch  ausserordentlich  an  Reiz  und  Interesse.
Auch  das  Bischen,  was  ihr  davon  die  Zeit  noch  übrig  gelassen  hatte,
nahm  ihr  die  Episode  des  Empire  mit  ihren  steifen  und  nüchternen
Formen  hinweg,  und  als  diese  wieder  aus  der  Mode  verschwunden  waren,
blieben  der  Goldschmiedekunst  nur  die  abgelebten  Gestalten,  Bildungen
und  Ornamente  des  Rococo  übrig.  Gegen  diese  trat  nun  im  Verlauf  dei
ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts,  namentlich  um  die  vierziger  Jahre,  eine
Reaction  ein,  mit  ihr  aber  keinesw'egs  eine  Besserung.  Die  Kunstformen
dieser  Reaction  zeigten  sich  ganz  verschieden  bei  den  grösseren  Silbergegenständen ­
  und  bei  den  eigentlichen  Schmuck-  oder  Juwelierarbeiten.
Bei  jenen  Gegenständen,  den  grösseren  Silberarbeiten,  Tafelaufsätzen,
Gefässen,  Frucht-  und  Brotkörben,  Schalen  u.  s.  w.,  trat  der  moderne
Naturalismus,  d.  h.,  eine  Kunstweise,  welche  Formen  und  Bildungen  der
Natur,  von  Pflanzen  wie  von  Thieren,  möglichst  in  all  der  Zufälligkeit
ihrer  äusseren  Erscheinung  getreu  copirt  und  sie  entweder  als  Ornament
oder  an  Stelle  der  Grundformen  der  Gefässe  und  Geräthe  verwendet.
Es  ist  hier  nicht  des  Ortes,  die  Fehler  dieser  Kunstweise,  die  schliesslich
zur  Aufhebung  aller  eigentlichen  Kunst  führen  muss,  zu  schildern;  wir
begnügen  uns  mit  der  Angabe  des  Thatsächlichen.  Was  nun  die  Juwelierarbeiten ­
  betrifft,  so  regte  sich  auch  hier  wohl  der  Naturalismus  und
wusste  seine  Blatt-  und  Thierbildungen  an  der  Stelle  kunstgemässer
Formen  einzuschwärzen;  aber  es  gelang  nur  zum  Theil;  in  der  Hauptmasse ­
  wurde  der  Schmuck  von  Armbändern,  Brochen,  Ringen  u.  s.  w.
noch  viel  trostloser  gebildet,  indem  er  sich  an  die  leersten  Galanterieartikel ­
  anlehnte.  Das  unverzierte  und  ungeformte  blanke  Metall  in  Scheiben, ­
  Bändern  und  Reifen  bildete  die  Grundlage  und  erhielt  plumpen  Besatz ­
  von  Steinen,  der  alle  künstlerische  Fassung  aufgegeben  hatte,  oder
            
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