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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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erhebt sich räthselhaft in Hinsicht auf den Ursprung und den Erbauer der aus Lavablöcken 
vom nahen Kammerbühl nach unverkennbar römischem Vorbild erbaute schwarze Thurm, 
eines der ältesten, merkwürdigsten Bauwerke Böhmens. 
Um ein Bild vom Egerlande zu gewinnen, wandern wir unter der malerischen Ruine 
der alten Burg dahin im freundlichen, lauschigen Egerthal stromaufwärts, bis uns eine 
romantische alte Mühle den Weg versperrt. Von da wenden wir uns rechts hinauf auf die 
„Kammer" genannte Höhe und stehen nun bald vor dem unscheinbaren, überrasten Hügel, 
der gleichwohl der Zielpunkt der Wanderung aller Geologen ist und an den sich der 
Name Goethe unvergänglich knüpft, vor dem kleinen Vulkankegel des Kammerbühl, 
dessen merkwürdige Schlackenhülle leider von Jahr zu Jahr mehr zerstört wird. Von 
seinem Gipfel genießen wir eine entzückende Rundsicht über das Land. Rundum die 
Berge, die einander ihre Ausläufer zuschicken, als wollten sie sich fassen und Ringel 
reihe um den kleinen Kobold, auf dem wir stehen, tanzen. Im Süden schiebt die breite 
Pyramide des Dillenberg, des nördlichsten Vorpostens des Böhmerwaldes, ihre merkwürdig 
symmetrischen Arme, den Maiersgrüner Rücken hinüber zum Kaiserwald, den Birkenberg 
zum Fichtelgebirge. Von der hochragenden Glatze (978 Meter) bei Königswart läuft ein 
Rücken gegen die Eger bei Königsberg herab, an das mit dem Mariahilfberg (567 Meter) 
bei Maria Kulm der Leibitschrang, der Ausläufer des Erzgebirges, heranreicht. Im 
Norden erhebt sich, wie ein Gegenstück zum Dillenberg, der Kapellenberg (757 Meter) 
bei Sächsisch-Schönberg und umfängt mit den übrigen Bergen des Fichtelgebirges, die 
sich bis an das Erzgebirge hinziehen, das Becken im Westen und Norden. Zwischen uns 
und den mit dunklem Fichtenwald bedeckten Bergen breitet sich das Land aus. Üppig 
grüne Wiesenflächen, bräunliche Moorstrecken, dazwischen weite Flächen Culturland, 
glitzernde Teiche, Ortschaften und einzelne Gehöfte darüber hingestreut liegen zu unseren 
Füßen. Leider verwehrt der Rücken der Kammerhöhe den Blick auf Eger. Desto prächtiger 
leuchten die vornehmen weißen Häuser von Franzensbad, mitten in schattigen Park gebettet, 
herauf. Wenn man an einem stillen, sonnigen Tage hier oben steht und den Blick 
dahin und dorthin gleiten läßt, ohne satt zu werden dieses weiten, prächtigen Landschaft 
bildes, dann begreift man, wie der Egerländer an seiner Heimat hängt und Heimweh 
bekommt, wenn ihm in der Fremde ein Landsmann fehlt, mit dem er vom Daheim 
reden kann. 
Und nun wenden wir unsere Schritte nach Norden, um noch einen Blick in das 
Ländchen zu werfen, welches, das Aschergebiet genannt, als ein schmaler Streifen 
zwischen Baiern und Sachsen in das Fichtelgebirge eingreift. Viel höher gelegen als das 
Egerland, wird es von diesem durch den vom Kapellenberg gegen Westen verlaufenden Berg 
rücken, „Himmelreich" genannt, geschieden und bildet einen Theil einer vom Oberlauf der
	        
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