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MAK

Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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Helle,  kräftige  Farben  bilden  zunächst  meist  geometrische  Muster,
welche  Teppiche  und  Matten,  den  ursprünglichsten  Schmuck  der  Wände,
nachbilden  sollen.  Der  Ursprung  der  einfachsten  Motive  aus  der  Textilindustrie ­
  ist  leicht  zu  erkennen  und  wird  sich  auch  bei  complicirteren
noch  durchfühlen  lassen;  daneben  kommen  aber  auch  Muster  vor,  in
welchen  helle  weiße  oder  gelbe  Windungen  vorherrschen,  die  augenscheinlich ­
  aus  gebogenen  Drähten  gebildete  Metallverzierungen  nachahmen ­
  sollen.  Ueberall  aber  sind  dazwischen  Blumenmotive  in  strenger
Stylisirung  verstreut  und  noch  mehr  als  bei  der  Wand-Decöration  bilden
Lotus-  und  Papyrusblüthe  den  Schmuck  der  Capitäle  und  den  Abschlussfries ­
  der  Wand,  gleichsam  Blumenkränze  symbolisirend,  welche  bei  festlichen ­
  Gelegenheiten  um  diese  Bauglieder  gelegt  wurden.  Wie  alt  und
frühe  schon  durchgebildet  eine  symbolische  Decoration  war,  dafür  haben
wir  ein  anderes  Beispiel  in  jenen  Deckenfeldern,  die  uns  auf  blauem
Grunde  den  fliegenden  Sperber,  das  mythische  Bild  der  Sonne,  zeigen,
oder  zerstreute  Vögel,  die  sich  in  blauer  Luft  tummeln.  Solche  Decken
bekennen  eingestandenermaßen,  dass  sie  das  ausgespannte  Himmelszelt
imitiren  wollen.  Wie  nun  der  Schmuck  der  Wände  durch  Teppichmuster,
die  Verwendung  des  vegetabilischen  Ornamentes,  die  symbolische  Verzierung ­
  ausgezeichneter  Räume  durch  alle  Kunststyle  bis  in  unsere  Zeit
fortdauerte,  so  finden  wir  auch  schon  auf  ägyptischen  Wänden  eine  vierte
Art  der  Verzierung,  nämlich  durch  historische  Gemälde  sowohl  religiöser
als  profaner  Art.  Ja  dieselben  bilden  sogar  den  gewöhnlichsten  Schmuck,
überziehen  die  Wände  ganzer  Tempel  und  aller  Gemächer  der  Grabkammern, ­
  indem  sich  die  ornamentale  Verzierung  auf  ein  um  diese
Wände  und  die  einzelnen  Bildfelder  laufendes  Band,  auf  Friese,  Verzierung ­
  der  Decken  und  der  freistehenden  Bauglieder,  wie  Säulen,
Anten  etc.  erstreckt.  Nicht  immer  sind  diese  Malereien  flach,  sondern
oft  werden  sie  durch  ein  sehr  flaches  Relief  des  Stucco  -  Ueberzuges
gehoben,  und  nur  wenn  diese  Reliefs  selbst  schon  in  schönfarbigem
Steine,  wie  in  Rosengranit,  ausgeführt  sind,  entbehren  sie  des  farbigen
Ueberzuges.
Der  Zeit  am  nächsten  stehen  nun  die  Ueberreste  assyrischer  Decoralion,
  die  wir  in  einem  Pultkasten  der  Wandnische  vorlegen.  Sie  sind
aus  Layard’s  Werk:  »The  monuments  of  Niniveh«  genommen.  Die  versuchte ­
  Restauration  eines  Saales  zeigt  uns  ein  ähnliches  Decorationssystem
  wie  das  ägyptische,  nur  ist  der  Eindruck  schwerer,  die  Ornamentation
  weniger  durchgebildet  und  beweglich,  der  Einfluss  der  Metalldecoration
  auf  die  Malerei  noch  mehr  in  die  Augen  springend.  Sowohl
die  als  häufigstes  Motiv  verwendete  Rosette  ist  den  Köpfen  von  Bronzenägeln ­
  nachgebildet,  auch  der  als  gewöhnliches  Decorationsmotiv  verwendete ­
  Lebensbaum  weist  mit  seinen  drahtartig  verflochtenen  Zweigen
auf  metallische  Vorbilder  hin.
            
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