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Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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III.  Die  altchristliche  und  byzantinische  Decoration.
Verfall  und  Wiederbelebung,  Befruchtung  der  Kunst  mit  neuen
Ideen,  das  ist  die  Signatur  der  altchristlichen  und  byzantinischen  Kunstepoche. ­
  Die  Formen  verfallen,  der  Geist  wird  neu,  bis  dieser  sich  auch
neue  Formen  schafft.  Aber  die  neue  Zeit  tritt  auch  alsbald  mit  neuer
Technik  auf,  mit  der  überaus  glänzenden  Decoration  der  Glasmosaik,
welche  die  Ideen  der  neuen  christlichen  Kunst  zu  großartigster  Entfaltung ­
  bringt.
Man  vergleiche  in  unserer  Ausstellung  die  Malereien  aus  den  Katakomben ­
  (entnommen  dem  Werk  von  Perret,  Catacombes  de  Rome)  mit
den  griechisch-römischen  Wandmalereien  der  vorausgegangenen  Epoche:
es  ist  antike  Kunst  nach  der  technischen  und  formellen  Seite,  nur  die
Gegenstände  sind  neu.  Alsdann  bei  den  Frescogemälden  aus  San  Clemente
  in  Rom  sind  nicht  bloß  die  Gegenstände  neu;  die  Kunst  ringt
schon  nach  neuer,  formeller  Ausdrucksweise.  Die  Beispiele  sind  entnommen ­
  dem  Werke:  Salazaro,  Studi  sui  monumenti  della  Italia  meridionale
  dal  IV.  al  XIII.  secolo.
Mit  der  Glasmosaik  kommt  von  Byzanz  her  die  neue  Decorationstechnik.
  Das  Bild  sammt  dem  Grunde  setzt  sich  aus  kleinen,  farbigen
Glaspasten  zusammen;  der  Grund  ist  meistens  golden;  die  goldenen
Pasten  sind  ebenfalls  Glas,  deren  Goldglanz  durch  ein  Goldplättchen  unter
einer  dünnen  Glasschichte  hergestellt  ist.  Mit  solcher  Mosaik  wurden  in
den  Kirchen  die  ganzen  Wände,  Kuppeln  und  Triumphbogen  überzogen.
Mit  der  glänzenden  Wirkung,  die  im  Dämmer  der  Kuppeln  bei  dem
geringen  Licht  der  kleinen  Fenster  in  alter  Zeit  zauberische  Reize  bietet,
harmoniren  die  großen,  wenn  auch  noch  schwerfällig,  doch  streng
und  machtvoll  gezeichneten  gewaltigen  Figuren.  An  unseren  Beispielen
können  wir  dieser  außerordentlichen  Decorationskunst  vom  5.  Jahrhundert
an  bis  gegen  den  Schluss  des  Mittelalters  hin  folgen.  Die  meisten  Beispiele ­
  sind  aus  den  Kirchen  Rom’s  genommen:  aus  Santa  Maria  nuova,
Santa  Maria  maggiore,  Santa  Maria  in  Trastevere,  San  Clemente,  Santa
Prassede,  Santa  Cecilia  und  San  Giovanni  in  Laterano  (Rossi,  Musaici
cristiani  delle  chiese  di  Roma);  sodann  sehen  wir  das  prächtige  Baptisterium ­
  in  Ravenna,  die  überaus  reizende  Cappella  Palatina  in  Palermo
(Köhler,  Polychrome  Meisterwerke  der  monumentalen  Kunst  in  Italien)
und  reichlichen  Mosaikenschmuck  aus  San  Marco  in  Venedig.  Wir  können
an  diesen  Beispielen  zugleich  die  Umbildung  im  Styl  der  Figuren,  sowie
in  der  Zeichnung  der  ursprünglich  antiken  Ornamente  erkennen.
Der  vierten  Abtheilung:  Orientalische  Decoration,  haben  wir,  um
den  Gang  der  Entwicklung  in  Europa  nicht  zu  unterbrechen,  einetl  Platz
            
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