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MAK

Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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Motive,  zuweilen  noch  in  gothischer  Architektur  oder  in  gothisirender
Anordnung,  dann  aber  auch  mit  Anschluss  an  die  Architektur  der  italienischen ­
  Frührenaissance.  Beides  neben  einander  findet  man  in  dem
Wunderbau  der  Certosa  von  Pavia,  von  dem  unsere  Ausstellung  eine
Reihe  Aufnahmen  zeigt,  Gesammtansichten  wie  Details  der  Wände  und
der  Decken,  zum  Theil  in  den  colorirten  Stichen  von  Grüner  (Fresco
decorations  and  stuccoes  of  Churches  and  Palaces  in  Italy),  zum  Theil
in  Originalaufnahmen  von  Herdtle  und  Stella.  Aus  der  großen  Anzahl
der  sonstigen  Blätter  heben  wir  hervor  die  Darstellungen  aus  dem  Kloster
der  Penitenziarii  in  Rom,  Originalaufnahmen  von  Leopold  Theyer,  diejenigen ­
  aus  dem  Appartimento  Borgia  im  Vatican,  aus  den  Capellen
Eroli  in  Spoleto  und  Becaro  bei  Siena,  die  ebenso  originelle  wie  überaus
liebenswürdige  Decke  aus  dem  Palazzo  Scrofa  in  Ferrara  (Zeichnung
von  Herdtle)  und  endlich  die  Deckenmalereien  aus  der  Kirche  Santa
Maria  del  Popolo  in  Rom.

VII.  Italienische  Hochrenaissance.
Mit  diesen  Malereien  in  Santa  Maria  del  Popolo  haben  wir  uns
schon  der  römischen  Zeit  Rafaels  und  somit  der  Hochrenaissance  genähert.
Die  figürliche  Malerei  hat  ihre  Höhe  erreicht  und  mit  ihr  ist  zugleich
die  Decoration  zu  ihrer  Vollendung  gekommen  und  feiert  ihre  höchsten
Triumphe  an  der  Decke  der  Cappella  Sistina  und  in  den  Stanzen  Rafaels.
Die  Anordnung  ist  völlig  frei  geworden,  die  gothische  oder  mittelalterliche ­
  Tradition  ist  verschwunden,  doch  scheint  es  fast,  als  ob  die  historische ­
  Malerei  auf  den  Wänden  und  Decken  dieser  Gemächer  ein  überwiegend ­
  bedeutsames  Wort  spräche  und  das  decorative  Princip  in  den
Hintergrund  träte.  Doch  scheint  es  nur  so.  Wie  wenig  das  der  Fall  ist,
zeigt  wohl  am  deutlichsten  die  Halle  der  Farnesina  mit  dem  Bildercyclus
aus  dem  Leben  der  Psyche.  Und  wenn  Rafael  in  den  Stanzen  das  decorative ­
  Element  vor  den  großen  Fresken  zurücktreten  lässt,  so  lässt  er  es
um  so  freier,  schöner  und  reicher  in  den  Loggien  spielen.
Hier  war  nun  zur  bisherigen  ornamentalen  Decoration  ein  neues
Element  hinzugetreten,  die  spielenden,  überaus  anrnuthigen  und  phantasiereichen ­
  Wandverzierungen  der  damals  in  Rom  ausgegrabenen  antiken  Bauwerke, ­
  unter  denen  die  Titusthermen  obenan  standen.  Diese  Grotesken,
wie  sie  von  den  Grotten  benannt  wurden,  oder  Arabesken,  wie  wir  sie
heute  fälschlich  zumeist  benennen,  die  gleiche  Art,  die  uns  heute  das
ausgegrabene  Pompei  in  so  unerschöpflicher  Mannigfaltigkeit  kennen
gelehrt  hat,  fesselten  vor  Allem  den  großen  Rafael,  und  er  und  seine
Schüler  insbesondere  Giovanni  da  Udine  und  Giulio  Romano,  ließen  sie
zu  einem  neuen  Leben  erstehen,  erst  in  'den  Loggien,  dann  in  einer
Reihe  anderer  Paläste  und  Villen,  so  in  der  Villa  Madama,  in  der  Villa
            
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