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Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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sie  nordwärts  ihre  ganze  Liebenswürdigkeit  und  Schönheit  entfaltet,  so
wie  bei  Rafael  und  seinen  Schülern.  Auch  verband  sie  sich  im  Norden
häufiger  und  inniger  mit  Holzvertäfelung,  Holzmarqueterie  und  Holzplafonds ­
  und  veränderte  damit  wesentlich  ihren  Charakter.  Am  meisten
in  Deutschland  nähern  sich  italienischer  Art  die  Decorationen  des  Schlosses
Trausnitz  bei  Landshut,  die  leider  nur  in  ungenügenden  Zeichnungen
vorhanden  sind.  Sehr  nahe  auch  stehen  der  italienischen,  doch  nicht  der
früheren  Art,  die  Malereien  in  dem  Castell  in  Trient,  die  wesentlich
unter  venetianisehem  Einfluss  entstanden  sind.  Unsere  Beispiele  daraus
sind  Aufnahmen  der  Staatsgewerbeschule  in  Innsbruck.  Ebenfalls  italienischen ­
  Geistes  sind  die  reizenden  Stuccaturornamente  des  Sternschlosses
bei  Prag,  während  die  Decoration  des  sogenannten  spanischen  Saales  in
Schloss  Ambras  (ebenfalls  Aufnahmen  der  Innsbrucker  Staatsgewerbeschule) ­
  mehr  deutsch  in  Art  und  Empfindung  sind.  Die  Anwendung  der
Marqueterie,  auch  einer  ursprünglich  italienischen  Kunst,  auf  die  Decoration ­
  der  Wände  zeigen  die  Beispiele  aus  der  Franzensburg  im  Laxenburger
  Park,  die  Copien  aus  dem  Fürstenchor  in  Innsbruck  und  vor
Allem  die  große  Reihenfolge  der  Aufnahmen  aus  dem  Schloss  Velthurns
bei  Brixen  in  Tirol,  welche  unter  Storck’s  Leitung  von  den  Schülern
unserer  Kunstgewerbeschule  gemacht  worden  sind.  Es  ist  außerordentlich
lehrreich  zu  sehen,  wie  an  den  Wänden  und  den  Plafonds  dieses  Schlosses,
das  um  das  Jahr  158o  vom  Bischof  von  Brixen,  Joh.  Thom.  Freiherr
v.  Spaur,  so  reich  wie  kostbar  ausgestattet  wurde,  in  der  Verbindung
von  Malerei  mit  Marqueterie  und  zierlicher  Holzarchitektur  sich  deutsche
und  italienische  Art  vereinen.  Die  ganze  Serie  dieser  mit  äußerster  Genauigkeit ­
  und  Vollendung  ausgeführten  Zeichnungen  wurde,  um  sie  nicht
zu  trennen,  bereits  im  nächstfolgenden  Saale,  dem  Vorlesesaal,  aufgehängt.
Wir  wenden  uns  noch  einmal  rückwärts,  um  uns  von  deutscher  Spätrenaissance ­
  noch  die  Reihe  der  reich  verzierten  Gemächer  aus  dem
Rathhause  in  Augsburg  in  Kupferstichen  nach  Salomon  Kleiner’s  Aufnahmen ­
  zu  betrachten,  sowie  dasjenige,  was  unter  den  Fenstern  von  französischer ­
  Renaissancedecoration  ausgestellt  ist.  Es  sind  vorzugsweise  die
älteren  Gemächer  des  Schlosses  Fontainebleau,  aus  der  Zeit  Franz  I.  und
Heinrich  II.,  welche  die  französische  Renaissance  vertreten  und  sie  bereits
in  dem  vorgeschrittenen  Stadium  der  nachrafaelischen  Zeit  befindlich
erkennen  lassen,  insbesondere  die  große  Galerie,  welche  von  Heinrich  II.
den  Namen  trägt,  mit  ihrer  reichen  figürlich-malerischen  Ausstattung
(Pfnor,  Palais  de  Fontainebleau).  Andere  Beispiele  unserer  Ausstellung
geben  das  Louvre,  das  Schloss  in  Blois,  der  Assisenhof  in  Dijon.  Auch
die  Holzmarqueterie  als  Wandverkleidung  ist  vertreten  in  den  Boiserien
verschiedener  Pariser  Kapellen.
            
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