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MAK

Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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ihnen  prunken  einzelne  Zimmer  mit  ganzer  Vergoldung  der  Wände,
Spiegelgemächer,  Porzellangemächer,  Auswüchse  dieses  nach  Außerordentlichem ­
  und  Auffallendem  trachtenden  Styles.  Es  sind  Absonderlichkeiten ­
  der  Wanddecoration.  Als  ein  Beispiel  aus  Wien  mag  man
den  Magistratssaal  des  alten  Wiener  Rathhauses  in  dem  großen  Aquarell
von  Rudolf  Alt  betrachten.  Auch  die  zahlreichen  Blätter  des  erfindungsreichen ­
  Architekten  Kleiner  aus  dem  Anfang  des  achtzehnten  Jahrhunderts ­
  bewegen  sich  noch  im  Geschmack  Louis  XIV.,  wenn  auch
schon  mit  Hinneigung  zum  Rococo.  Die  ausgestellten  Blätter  von  Fanti
und  Bibiena  lassen  dagegen  erkennen,  dass  Italien  sich  nicht  vom  französischen ­
  Geschmack  hatte  hinreißen  lassen  J  sie  stehen  vielmehr  näher
ihrem  Ursprung,  der  eigentlichen  Renaissance.
Dagegen  ging  damals  von  Italien  eine  andere  Wunderlichkeit  aus,
die  gemalten  Plafonds,  welche  den  offenen,  wolkenreichen  Himmel  darstellen, ­
  belebt  entweder  mit  den  Gestalten  des  Olymp  oder  mit  den
himmlischen  Heerschaaren  des  Christenthums,  alles  so  dargestellt,  als  ob
die  Scenerie  da  oben  in  Wirklichkeit  vor  sich  ginge,  unterstützt  in  der
Täuschung  durch  runde  plastische  Figuren,  die  auf  dem  Gesims  lagern
oder  darüber  herausragen.  Die  Stiche  von  C,  M.  Pozzi  geben  für  diese
Decoration  freilich  nur  den  Rahmen,  aber  ein  schönes  und  charakteristisches ­
  Beispiel  bieten  die  Photographien  aus  dem  Schlosse  Brühl  bei
Köln  am  Rhein.
In  eben  diesen  Photographien  aus  dem  Schlosse  Brühl  ist  das  Rococo
reichhaltig  und  bedeutsam  vertreten.  Wenn  wir  diese  Serie  zusammenstellen ­
  mit  jener  aus  der  Amalienburg  in  München  und  dazu  noch  die
von  Meissonier,  dem  großen  französischen  Ornamentisten  des  achtzehnten
Jahrhunderts,  componirten  Stiche  vergleichen,  so  gewinnen  wir  eine
durchaus  charakteristische  Vorstellung  von  der  Eigentümlichkeit  und  Bedeutung ­
  des  Rococo,  soweit  dasselbe  auf  Wänden  und  Decken  sein  Spiel
trieb.  »Sein  Spiel  trieb«,  sagen  wir  absichtlich,  denn  kein  Kunststyl  hat
mehr  von  spielender,  d.  h.  willkürlich  und  launenhaft  sich  ergehender
Natur.  Das  Rococo  ist  der  letzte  Ausläufer  der  Renaissance,  aber  wenn
man  schon  die  Kunstart  Louis  XIV.  als  einen  besonderen  Styl  bezeichnen
musste,  so  ist  das  beim  Rococo  noch  mehr  der  Fall.  Es  sind  dieselben
Elemente,  welche  der  Styl  der  Renaissance  besitzt,  nur  dass  als  ein
höchst  auffallendes,  überall  verwendetes  Motiv  das  verwilderte  Muschelwerk ­
  hinzugekommen.  Aber  was  im  Renaissancestyl  fest,  ist  im  Rococo
lose,  was  dort  regelmäßig,  hier  unregelmäßig,  was  dort  symmetrisch,  hier
unsymmetrisch.  Es  muss  alles  unregelmäßig,  unsymmetrisch  sein/alles  ein
Spiel  der  Laune,  der  Phantasie,  des  geistreichen  Einfalls.  Diesen  Standpunkt ­
  zugegeben,  wird  man  den  Schöpfungen  des  Rococo,  wie  sie  sich
in  den  erwähnten  Beispielen  unserer  Ausstellung  darstellen,  eine  gewisse
Bewunderung  nicht  versagen.
            
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