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Full text : Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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X.  Der  Styl  Louis  XVI.  und  Empire.
Mit  der  zweiten  Hälfte  der  Regierungszeit  Ludwigs  XV.,  etwa  um
die  Mitte  des  achtzehnten  Jahrhunderts,  begann  langsam  eine  neue  Bewegung ­
  auch  in  der  Decoration  und  sprach  sich  hier  vielleicht  am  deutlichsten ­
  aus.  Sie  erfolgte  in  doppelter  Richtung,  einmal  negativ,  insofern
als  die  Auswüchse  des  Rococo,  das  Muschelornament,  die  Willkür,  die
Unregelmäßigkeit,  die  Unsymmetrie  erst  gemäßigt,  dann  beseitigt  wurden,
und  sodann  positiv,  indem  nach  und  nach  antike  Ornamentmotive  eindrangen. ­
  Die  erstere  negative  Richtung  führte  zu  einer  großen  Zierlichkeit ­
  und  Feinheit,  aber  auch  zur  Steifheit;  die  antikisirende  dagegen,
wie  sie  mehr  und  mehr  vordrang,  schuf  erst  den  Styl  Louis  XVI.,  dann
den  des  Empire,  der  nun  völlig  auf  der  Antike,  wie  man  sie  damals
verstand,  beruhte.  Eine  Reihe  französischer  Ornamentstiche  sind  es,
welche  in  unserer  Ausstellung  den  Styl  Louis  XVI.  vertreten.  Dieser
Styl  hat  bekanntlich  eine  große  Bedeutung  in  der  modernen  Wohnungsausstattung ­
  zu  Paris.  Den  Styl  des  Empire  oder  des  Neo-Grec,  wie  er
auch  'genannt  wird,  repräsentiren  eine  Reihe  Blätter  aus  den}  Werke
von  August  Schoy  und  eine  zweite  Reihe  des  italienischen  Künstlers
Giovanni  Albertolli,  Decorationen  aus  Mailänder  Palästen  und  Schlössern.
Es  lässt  sich  diesen  höchst  stylvoll  und  rein  componirten  Arbeiten
weder  eine  gewisse  Anmuth  noch  künstlerische  Empfindung  absprechen;
es  sind  schön  geschwungene  Volutenornamente  mit  geschickter  Verbindung ­
  von  Figuren  mehr  in  römischer  als  in  pompeianisch  -  griechischer ­
  Art.  Aber  es  ist  mehr  die  Kunst  eines  verständigen  und  gebildeten ­
  Wissens  als  die  der  freien  schöpferischen  Phantasie.  Und  noch
Eines  haben  sie  eigenthümlich,  was  sie  mit  den  gleichartigen  Arabesken
der  Rafaelischen  Zeit,  mit  denen  sie  ja  die  gemeinsame  Quelle  haben,  in
Gegensatz  stellt,  das  ist  die  Verblasstheit  und  Verblasenheit  sämmtlicher
Farben.  Welch’  ein  Unterschied  zwischen  der  Farbenflüssigkeit  und
Farbensattheit  der  italienischen  Decorationen  des  fünfzehnten  und  sechzehnten ­
  Jahrhunderts  mit  diesem  sanften  Rosa,  blassem  Blau  oder  zartem
Grün,  wie  es  die  Compositionen  Albertolli’s  in  vollkommen  richtigem  Zeitgeschmack ­
  kennzeichnet!
Aber  dies  ist  wenigstens  noch  ein  Styl,  der  sein  Eigen  ist.  Was
aber  in  der  ersten  Hälfte  des  neunzehnten  Jahrhunderts  ihm  folgt,  darf
einen  solchen  Anspruch  nicht  mehr  erheben.  Unsere  Ausstellung  hat
daher  keine  Rücksicht  darauf  genommen,  und  die  Gegenwart  wollte  sie
ausschließen.
Dagegen  sehen  wir  noch  am  Ende  dieses  Saales  an  der  letzten  Wand
und  in  der  örtlichen  Folge  als  Schluss  der  ganzen  Ausstellung,  gewissermaßen ­
  als  einen  Anhang
            
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