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MAK

Full text : Special-Ausstellung weiblicher Handarbeiten im k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie

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Hausindustriearbciten  aus  beiden  RcichshüJften  einheitlich  und  harmonisch, ­
  obgleich  kein  Stück  des  aus  verschiedenen  Kronländern  Eingesandten ­
  entfernt  worden  ist.  Ein  grosser  Theil  der  nationalen  Frauenlandai
  beiten  stammt  aus  den  Ländern  der  ungarischen  Krone  und  sind
derartige  alte  Stickereien  mit  modernen  Industrieerzeugnissen  der  Hauptstadt ­
  Budapest  im  Vorlesesaale  des  Oesterreich.  Museums  zu  einem
anmuthigen  Gcsammtbildc  vereint,  dessen  Arrangement  die  kunstsinnige
und  schon  in  der  ungarischen  Landesausstellung  thätig  gewesene  Frau
Sectionsrathin  He  rieh  übernommen  und  durchgeführt  hat.
In  dieser  Ausstellung  spielt  die  Leinwandstickerei  mit  buntfarbigem
arn  eine  grosse  Rolle  und  die  mit  türkischrother  oder  indigoblauer
Baumwolle  gestickten  Betttücher  und  Kopfkissen  -  deren  Farbenton
urch  Alter  und  vielfaches  Waschen  oft  bis  in’s  zarte  Rosa  oder  Blassblau ­
  angenehm  gemildert  ist  -  dominiren  darin.  Mit  einfachen  Kreuzstichen ­
  nach  abgezähltem  Faden  oder  mit  dem  ähnlichen  etwas  comp
  icirteren  Zopfstich,  sind  diese  durchwegs  guten,  ja  mustergültigen
Stickereien  in  passenden,  stylrichtigen  Dessins  ausgeführt,  welche,  auf’s
Mannigfaltigste  variirt,  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  Stickmustern  der
deutschen  Renaissance  haben,  die  Meister  Hans  Sibirischer,  der
•treffliche  Formschneider  in  Nürnberg,  im  16.  Jahrhundert  publicirt  hat.
er  schone,  grobkörnige  Leinengrundstoff,  der  nach  dem  Waschen
•crepeartig  wirkt  und  aus  dem  Hausgespinnst  der  Bauersfreuen,  reinem
und  nur  wenig  gebleichtem  Flachsgarn,  hergestellt  ist,  erhöht  mit  seinem
satten,  zwischen  »creme«  und  »havanna«  stehenden  Firbenton  die
angenehme  Wirkung  dieser  Stickereien.
Neben  farbiger  Kreuzstichstickerei  sind  weisse  oder  farbige  Hohlnähte, ­
  ferner  zwischen  einfacher,  nach  abgczähltem  Faden  ausgeführtcr
Plattstickerei  eingefügte  Durchbrucharbeiten  bemerkenswert.  Wir  haben
es  in  diesem  Falle  mit  den  schon  im  16.  Jahrhundert  pcliebten  Vorläufern ­
  der  Spitzennäharbeit,  den  »jpunto  tirato«  unc  »Cutwork«-Ai
  beiten  zu  tliun,  die  vom  Orient  ausgehend,  zuerst  ir  Italien,  dann
im  übrigen  Europa  allenthalben  heimisch  wurden  und  in  der  Hausindustrie ­
  aller  Nationen  sich  bis  aul  unsere  Zeit  erhaltet  haben.  Ueberall
  zeigen  diese  Arbeiten  die  gleichen,  aus  der  Tcchnikhervorgehcnden
linearen  Muster  und  geometrischen  Ornamente,  die  nidit  auf  den  Stoff
vorgezeichnet,  sondern  nach  gezähltem  Faden  eingesticlt  sind.  An  diese
Arbeitsarten,  welche,  dem  Webefaden  sich  anschmiegmd,  zu  den  einfachsten, ­
  auch  von  minder  geübter  Hand  leicht  ausfüirbarcn  gehören,
reihen  sich  andere  kunstvollere,  welche  viel  Fertigkei  und  ausgebildeten ­
  Formensinn  seitens  der  Stickerin  voraussetzen  unc  eine  farbige  Vorzeichnung ­
  auf  den  Grundstoff  fordern,  welche  von  den  Bauersfrauen
mit  erstaunlicher  Geschicklichkeit  ausgeführt  wird,  lerartige  Stickereien
sind  zum  Theile  Plattsticharbeiten,  zum  Theil  mit  der  Nähnadel  aus-.geführte
  derbe  Kettenstichstickereien  nach  Art  grobe  Tambourirarbeiten.

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