Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände in Wien

216

Schnütgen:

erhalten.  Eine  grosse  Ausnahme  scheint  es  auch  gewesen  zu  sein,  wenn
ein  rorträtgemälde  beigelegt  wurde,  denn  von  einem  solchen  haben  sich
verhältnissmässig  nur  wenige  Exemplare  gefunden.  Für  die  Sammlung  des
Herrn  Graf  sind  sie  nachgerade  auf  dreissig  angewachsen.  Die  meistens
ganz  dünnen  Sykomoren-,  zuweilen  stärkere  Tannenbrettchen  von  circa
25  cm  Breite  und  circa  35  cm.  Höhe  haben  einen  ganz  dünnen  Malgrund
erhalten.  Auf  diesen  sind  die  Brustbilder  entweder  mit  Wasserfarbe  oder
mit  Wachsfarbe  aufgetragen.  Sie  stellen  Kinder  und  Greise,  Männer  und
Frauen  dar,  letztere  in  der  Regel  mit  rosarother,  also  purpurner  Tunika
und  mit  Halsschmuck  wie  Ohrgeschmeide.  Obwohl  nur  wenige  die  eigentl

liehe  Künstlerhand  verrathen,  manche  dilettantenhaft  behandelt  sind,  zeichnet
alle  eine  flotte  Manier,  die  meisten  eine  gute  Modellirung  aus.  Die  Carnation
ist  durchweg  klar  und  frisch,  der  Ausdruck  sehr  lebendig  und  anmuthig,  die
Technik  eine  so  vorzügliche,  dass  die  Farbe,  trotzdem  die  Brettchen  vielfach ­
  zerbrochen  und  beschädigt  sind,  die  ursprüngliche  Frische  fast  ganz
bewahrt  haben.  Dass  es  sich  hier  um  die  Abbildungen  der  Verstorbenen
handle,  die  sie  begleiten,  ist  nicht  anzunehmen.  Die  heitere  Lebenslust,
die  aus  ihnen  spricht,  schliesst  diesen  Gedanken  aus.  Da  sich  an  ihnen
kein  religiöses  bezw.  christliches  Abzeichen  findet,  so  waren  sie  von  der
„Ausstellung  kirchlicher  Kunstgegenstände“  ausgeschlossen,  der  Herr  )
Graf  von  seinen  mit  christlichen  Emblemen  verzierten  ägyptischen ­
  Stoffen  27  Nummern  anvertraut  hat.  Spezifisch  christliche
Darstellungen  bilden  ja  überhaupt  hei  diesen  Funden  eher  die  Ausnahme,
als  die  Regel.  Die  meisten  Verzierungen  sind  dem  vegetabilischen  und
animalischen  Gebiete  entnommen  und  ganz  allgemeiner  Art.  Die  persönlichen ­
  Darstellungen,  die  in  reichster  Abwechselung  als  einzelne  Erscheinungen, ­
  aber  auch  als  Gruppen  wiederkehren,  sind  zum  Theil  der
heidnischen,  namentlich  der  römischen  Mythologie  entlehnt.  Auf  und  absteigende ­
  Reihen  von  Standfiguren,  die  von  kleinen  Medaillons  in  abweichender ­
  Richtung  unterbrochen  werden,  bilden  eine  besonders  häufig  vorkoinmende
Dekoration.  Bei  ihnen  begegnet  öfters  der  Nimbus,  der  in  dieser  Gestalt
doch  wohl  nur  als  ein  christliches  Sinnbild  zu  betrachten  ist.  Auf  den
ausgestellten  Stoffresten  findet  er  sich  mehrfach,  sowohl  bei  den  schon  wohl
der  inohamedanischen  Epoche  angehörigen  beiden  grösseren  Köpfen,  neben
denen  die  betreffende  griechische  Inschrift:  (Hl.  Dionysos  etc.)  die  Gewissheit ­
  der  christlichen  Bedeutung  noch  erhöht,  als  auch  bei  den  wohl  weiter
zurückreichenden  kleineren  Darstellungen.  Zahlreich  sind  diese  namentlich
auf  den  clavi  einer  Tunika  vertreten.  Auch  einen  von  T  liieren  umgebenen
Heiligen  sowie  eine  Reiterfigur  schmückt  der  Nimbus.  Sogar  der  Kreuznimbus, ­
  der  stets  den  drei  göttlichen  Personen  Vorbehalten  geblieben  ist,
kommt  vereinzelt  vor.  Noch  häufiger  als  der  Nimbus,  begegnet  das  Kreuz
und  zwar  stets  in  der  griechischen  Form,  bald  mit  deu  rechtwinkelig,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.