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Full text: Katalog der Special-Ausstellung von Gobelins und verwandten Gegenständen

— 9 — Jecorirten Räume abspielt. Sie erfüllen ihren Zweck besser, wenn sie den Charakter der Illuminirung ein¬ halten, wie ihn auch die Wandgemälde und Glasmale¬ reien des Mittelalters besaßen, welche mit wenig Farben und geringer Modellirung, ohne tiefe Gründe und daher ohne viele Nebendinge, einfach ihre Sache darstellten. Solche friesartig erzählende Weise, bei welcher die Figuren sich nebeneinander über den Raum vertheilen, ist die rechte Art der Gobelins. Bei ihr geschieht kein Schade, wenn auch der Stoff sich faltet, zusammengenommen wird und wieder auseinanderfällt. Es ist daher auch das Streben, mit dem Gobelin dem Oelgemälde gleichzukommen oder eine mög¬ lichst vollkommene Copie berühmter Bilder erster Meister zu schaffen, wie es in unserer Zeit und zum Theile früher schon bei der französischen Gobelinsfabrication die Mode war, als ein verkehrtes zu erachten. Das Werk verfehlt damit seine Bestimmung, erfüllt nicht die Absicht und ver¬ ursacht umsonst Mühen und Kosten, die ebenso enorm wie unnöthig sind. Als Decoration, sei es für Wohngemächer, sei es für Festräume, sind auch die Gobelins in der Wahl der Gegen¬ stände beschränkt. Die Wirkung mag auf Reichthum, Glanz. Großartigkeit angelegt sein, aber sie muss dabei einen fest¬ lich heiteren Charakter tragen. Daher verbieten sich allzu ernste, traurige Gegenstände, Scenen aus dem Leiden Christi, Marterscenen der Heiligen (es sei denn für die Kirche); selbst der tiefe seelische Ausdruck in den Figuren ist wenigstens unnöthig; der Schein desselben genügt, wenn die darstellende Scene ihn verlangen sollte. Die Aufgabe des Tapissiers, der doch immer nur ein copirender Künstler ist und in seiner Technik für die Darstellung des Ausdruckes der Seelenvorgänge Schwierigkeiten findet, ver¬ einfacht sich dadurch. Er hat nur darzustellen, was mit seiner Kunst leicht und natürlich darzustellen ist. Alle¬ gorien in Arabesken und Ornamenten, genrehafte Scenen mit landschaftlichem Hintergrunde, mythologische Darstel¬ lungen, geschichtliche Bilder, in epischer Breite erzählt, das
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