MAK

Full text: Katalog der Special-Ausstellung von Gobelins und verwandten Gegenständen

— 23 — und ihren Arbeitern freie Wohnung auf fünfundzwanzig Jahre, erließ ihnen für die gleiche Zeit alle Abgaben, stellte ihnen Lehrlinge in großer Zahl, welche er auf eigene Kosten unterhielt, gab ihnen das Geld zum Beginne und zahlte ihnen noch eine Jahrespension. Heinrich IV. gründete ferner eine Fabrik von Teppichen nach persischer und türkischer Art, welche den Ausgang zur berühmten Fabrik der Savonnerie bildete. Obwohl der Tod dieses Königs und die nachfolgenden Unruhen diesen Unternehmungen großen Schaden brachten, behaupteten sie sich dennoch und selbst über jene Zeit hinaus, da durch Colbert die Staatsfabrik der Gobelins gegründet wurde (1662) und diese alsbald alle anderen Fabriken, und nicht blos in Paris und Frank¬ reich, sondern auch außerhalb desselben, in Schatten stellte. 4. Damals, um die .Mitte des XVII. Jahrhunderts, als die Fabrik der Gobelins in Paris gegründet wurde, stand die Liebhaberei der figürlich verzierten Wandteppiche noch in voller Blüthe. Kein vornehmes Haus, kein Palast, keine irgend bedeutende Kirche glaubte ihrer entbehren zu können. Für das Zeitalter Ludwig's XIV. und für diesen Pomp und Pracht liebenden König selber waren sie die entsprechendste Bekleidung der Wände; sie wurden daher vieler Orten und in fast allen Ländern Europa's verfertigt. Zwar hatten sich die Verhältnisse in Bezug auf die Stätten der Fabrication mannigfach verändert, aber in der Quantität war kein Nachlass. Brüssel stand nicht mehr an der Spitze der Production, obwohl Rubens und seine Schüler, insbesondere Jordaens, vielfach Cartons und Gemälde für die Brüsseler Ateliers entworfen und dadurch für eine Weile ihnen erneuten Schwung gegeben hatten. Die Teppiche mit der Geschichte Heinrich's IV. und der Maria Medicis, zu denen die Bilder in der Galerie des Louvre der Stolz dieser Sammlung sind, die Teppiche nach dem Decius-Cvklus, der sich gegenwärtig in der Liechtenstein-Galerie befindet, ge-
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