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Full text: Katalog der Special-Ausstellung von Gobelins und verwandten Gegenständen

— 7 — Zwecke entspricht, so geht der Begriff des Textilen aus dem Worte verloren. Am besten behelfen wir uns immer noch mit dem Worte Gobelins, dessen Gebrauch ja ziemlich allge¬ mein geworden ist, nur sei nicht vergessen, dass wir darunter nicht blos die Arbeiten jener französischen An¬ stalt dieses Namens verstehen, nicht blos alle französischen, flandrischen, belgischen Gewebe dieser Art, sondern auch das, was in früheren Zeiten, im ganzen Mittelalter in gleicher Technik gearbeitet worden und zur Bekleidung der Wände, zum Schmucke der Wohnung gedient hat. Technisch betrachtet, ist das Wesentliche und charak¬ teristisch Entscheidende für die Gobelins, dass sie mit der Hand gearbeitet werden, indem die Hand es ist, nicht die Maschine, welche alle farbigen, Zeichnung und Figuren bildenden Fäden durch die senkrecht gespannte Kette (haute lisse) hindurchflicht, sie ganz damit bedeckend. Die Gobe¬ linsarbeit ist darum, streng genommen, nicht Weberei, sondern Wirkerei und fällt unter jene Bezeichnung der Weberei nur in dem allgemeinen Sinne, als überhaupt der textilen Kunst angehörig. Nur mit diesem richtigen Ver¬ ständnisse kann man die Gobelins der Weberei zuzählen. In anderer Weise wiederum unterscheiden sie sich von der Stickerei. Beide haben das Gleiche, dass sie freie Compo- sitionen, malerischer wie ornamentaler Art, ohne Wieder¬ holung darstellen können, während die Weberei — wenn man nicht eine künstliche Ausnahme macht — ihr Muster in Regelmäßigkeit wiederholt. Die Stickerei bedarf dazu eines Untergrundes, in der Regel eines gewebten Stoffes, auf welchem sie mit der Nadel den Gegenstand ihrer Ver¬ zierung ausführt; bei den Gobelins entstehen Bild und Grund zugleich, oder vielmehr sie sind eines und dasselbe. In Bezug auf das Material sind beide gleich oder können es wenigstens sein, denn die Stickerei hat mehr Stoffe zu ihrer Verfügung: die gemeinsamen sind Fäden von Wolle, Seide, Silber und Gold. Aus der Art der Technik, bei welcher die Hand frei arbeitet, geht bereits hervor, dass die Gobelins künstlerisch
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