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MAK

Full text : Katalog der archaeologischen Ausstellung

-  134

drei  Theilen  zusammengenäht,  die  aber  nicht  aus  Stückleinwand
zurechtgeschnitten,  sondern  jeder  für  sich  eigens  am  Webstuhle
gewebt  sind.  1.  der  Obertheil,  der  Brust,  Rücken  und  Aermel
umfasst  und  bis  zur  Bauch-  und  Hüftengegend  herabreicht.  Dieser
Obertheil  zeigt,  für  sich  ausgebreitet,  annähernd  die  Form  eines
Kreuzes,  dessen  zwei  längere  Arme  die  beiden  Aermel,  die  kürzeren,
aber  breiteren  Arme  Brust  und  Rücken  bilden.  Der  Halsschlitz,
durch  den  der  Kopf  gesteckt  werden  soll,  wurde  im  Gewebe  ausgespart. ­
  Denkt  man  sich  diesen  Schlitz  beiderseits  bis  zu  den
Aermelenden  verlängert,  so  gewinnt  man  die  Mittelachse  des
Obertheiles,  entlang  welcher  sich  dieser  letztere  in  zwei  congruente
Hälften  —  den  Brust-  und  den  Rückentheil  —  zusammenfalten
lässt.  Beide  Hälften  erscheinen  dann  durch  eine  von  den  Aermelenden ­
  bis  zu  den  Hüften  laufende  Naht  (an  der  rechten  Seite  aufgetrennt) ­
  verbunden.  —  2.  und  3.  die  beiden  für  sich  gewebten
Hälften  des  Untertheiles,  das  ist  je  ein  viereckiges  Stück  Leinwand, ­
  das  eine  vorne,  das  andere  rückwärts  an  den  Obertheil
angenäht,  und  zwar  in  der  Weise,  dass  entlang  der  ganzen  umlaufenden ­
  Berührungslinie  zwischen  Ober-  und  Untertheil  eine
die  Naht  selbst  maskirende  Hohlfalte  angebracht  ist;  diese  Hohlfalte ­
  diente  zur  Aufnahme  einer  Gürtelschnur,  mittelst  welcher
sich  die  Tunica  an  den  Hüften  zusammenziehen  liess.  Beide  Hälften
der  Untertheile  sind  auch  unter  einander  durch  zwei  Verticalnähte
verbunden;  an  der  rechten  Seite  hat  sich  die  Naht  (auch  am
Obertheile  vom  Aermelende  an)  aufgetrennt,  weshalb  diese  ganze
Seite  bei  der  Restaurirung  und  Aufstellung  der  Tunica  im  k.  k.
österr.  Museum  mittelst  angenähter  Bandschleifen  geschlossen
werden  musste.
b)  Zahl  und  Vertheilung  der  Verzierungen.  Die  fast  an  jeder
Männer-Tunica  wiederkehrenden  typischen  Verzierungen  sind:
1.  die  zwei  Spangen,  die  rechts  und  links  vom  Halsschlitze  in
ununterbrochenem  Flusse  über  Brust  und  Rücken  laufen;  gegen
die  Enden  hin  erscheinen  sie  gewöhnlich  halbrund  abgeschlossen,
worauf  sich  noch  mittelst  eines  mehr  oder  minder  langen  Stieles
eine  blattartige  freie  Endigung  anschliesst;  2.  die  zwei  quadratischen ­
  (oder  kreisförmigen)  Schulterverzierungen;  3.  die  Aermelborten,
  an  Nr.  1  verdoppelt,  häufig  auch  einfach;  4.  die  viereckigen ­
  (oder  kreisförmigen)  Einsätze  am  unteren  Saum,  und  zwar
je  zwei  auf  der  vorderen  und  der  rückwärtigen  Hälfte  des  Untertheiles.

c)  Technische  Herstellung  der  Verzierungen.  Diese  sämmtlichen
Verzierungen  sind  nicht  auf  das  fertige  Gewand  aufgenäht,  sondern
schon  bei  der  Herstellung  des  Leinengewebes  in  dieses  letztere
hinein  gearbeitet.  Es  geschah  dies  in  "der  Weise,  dass  z.  B.  an
der  Stelle,  wo  ein  quadratischer  Schultereinsatz  angebracht  werden
sollte,  der  entsprechende  quadratische  Raüm  im  Gewebe  ausgespart, ­
  d.  h.  die  Kette  an  der  betreffenden  Stelle  nicht  durch
den  Einschlag  gekreuzt,  sondern  offen  belassen  wurde.  Nach
Fertigstellung  des  Leinengewebes  erfolgte  die  Einarbeitung  des
Verzierungseinsatzes,  wahrscheinlich  mit  einer  feinen  Filetnadel,
die  es  ermöglichte,  die  Purpurwolle-  und  Leinenfäden,  mit  denen
die  Verzierung  bestritten  ist,  dicht  und  die  Kettfäden  vollständig
            
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