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Volltext: Das österreichische Bauwesen

Abb. 3. Triestingregulierung Oberwaltersdorf. Bau der Beton 
eisenspundwand in der Ortsstrecke. 
(Abb. 2). Stauanlagen werden in der Regel als auto 
matische Wehre ausgestaltet. 
Von den bedeutendsten Bauten, die nach dem 
Kriege ausgeführt wurden, sind anzuführen: Die 
Regulierung des Perschling-Oberlaufes 
in Auern-Pyhra und Reichenhag, die Persch- 
ling-Mittelstrecke-Regulierung, die 
Regulierung des Stössing- und Michclbaches in den 
Gemeinden Kasten und Böheimkirchen, die Regu 
lierung des Gölsenflusses in Rainfeld und 
Wiesenfeld, des Flieder sbaches und Hall 
baches in Hainfeld, beziehungsweise Rainfeld, 
die Regulierung des T r a i s e n f 1 u s s e s in der 
Strecke Wilhelmsburg—Spratzern—Ratzersdorf, in 
der Strecke Radiberg—Herzogenburg und Trais 
mauer. Die Regulierung des Schwarzaflusses 
von Ternitz aufwärts mit Payerbach als Ziel, die 
Regulierung der T r i e s t i n g in den Strecken 
Pottenstein—Berndorf, Tattendorf—Oberwalters 
dorf, Himberg—Achau, die Herstellung der A u- 
bachkünette von Laxenburg bis Achau, einer 
Hochwasserverbindung zwischen Schwechat und 
Triesting. Die Regulierung des Weidenbaches 
von Reyersdorf bis zur March, die Regulierung des 
großen Tullnbaches von Neulengbach bis 
Judenau und andere. 
Von ganz besonderer Wichtigkeit für die Aus 
gestaltung des Wasserbaues in Niederösterreich war 
die Regulierung der Perschling-Mittelstrecke. Dieser 
Bau, der 10 km 2 wertvollsten Kulturbodens schützt, 
hat eine Länge von 12 km, wovon 8 km auf die 
Errichtung eines eigenen Hochwassergerinnes ent 
fallen, während 4 km lang die Perschling selbst 
reguliert wurde und in der übrigen Strecke der 
Perschling nun nur die Funktion eines Werks 
gerinnes zukommt. Die Wasserteilung erfolgt beim 
l'eilungswerk in Lang-Mannersdorf und ist dieses 
T eilungswerk derart ausgestaltet, daß es ohne 
weiteres zum automatischen Wehr ausge 
baut und zur Kraftgewinnung verwendet 
werden kann. Auch die Turbinenkammern und Leer 
laufgerinne sind erstellt. Der Bau wurde 1913 be 
gonnen und 1914 hat die Unternehmung, welcher 
die Arbeiten übertragen waren, den Bau eingestellt. 
1915—1917 wurde in Eigenregie mit russischen 
Kriegsgefangenen weitergearbeitet, 1920 wurde der 
Bau wieder durch eine Unternehmung aufgenommen, 
mußte aber 1922 im Eigenbetriebe durch das nieder 
österreichische Landesbauamt fortgesetzt werden. 
Hiebei kamen zum ersten Male in Niederösterreich 
in ausgedehntem Maße beim Regiebau Maschinen 
zur Verwendung und leitete dieser Bau die Um 
stellung der Arbeitsmethoden für alle übrigen 
Wasserbauten des Landes, insbesondere für die 
großen Bauten ein. 
Besonders interessant sind die Arbeiten bei der 
Triestingregulierung im Ortsraume von Ober 
waltersdorf. Hier hätten auf mehr als 1 km Länge 
im Rückstau eines Wehres Ufermauern ausgeführt 
werden sollen. Zur Ersparung von Kosten wurden 
statt dieser mit bestem Erfolge Betoneisen 
spundwände ausgeführt. Die Spundbohlen (4000 
Stück zu 5 m Länge) wurden fabriksmäßig erzeugt, 
mit Benzinrammen gerammt und durch Torkretie 
rung zu einem einheitlichen Ganzen verbunden 
(Abb. 3 und 4). 
Die größte derzeit in Durchführung stehende 
Arbeit in Niederösterreich ist die 14 km lange Regu 
lierung der großen Tulln von Neulengbach bis 
Judenau. In den Baujahren 1925 bis 1928 wurden 
nahezu drei Viertel der Gesamtarbeit bewältigt. 
Bei dieser Regulierung, die ebenfalls in Eigenregie 
ausgeführt w,ird, sind die weitestgehenden maschi 
nellen Vorkehrungen getroffen und die verbleibende 
Handarbeit ist nahezu gänzlich akkordiert. Zu be 
wältigen sind zirka 800.000 m 2 Erdbewegung und 
es werden 8 Betoneisenüberbrückungen (4 fertig), 
4 automatische Wehre, 5 Sohlstufen und viele andere 
ausgeführt. 
In Niederösterreich ist in den meisten Fällen 
die S t e i n b e s c h a f f u n g für Wasserbauten 
schwierig. Das Land hat daher eigene Steinbrüche 
in günstiger Lage erworben, so daß nun die Wasser 
bauten in vorteilhafter Weise im Eigenbetriebe mit 
d'em nötigen Bruchstein versorgt werden können. 
Hand in Hand mit der Ausgestaltung und 
Modernisierung des Regiebaues (nahezu durchaus 
Abb. 4. Fertige Betoneisenspundwand bei der Triestingregu 
lierung im Ortsraume von Oberwaltersdorf. 
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