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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 2)

 
Abb. 37. Urnenförmiges Gefäß mit eingeschnittenen Wulst- 
bändem, stammt aus Friesach (Burg Kreuzenstein) 
ist römisch. Im Mittelalter 
waren dieGesichtsurnen der 
Mehrzahl nach Opferurnen 
- Gefäße zur Aufnahme der 
Getreidefrucht, die der Kir- 
che geopfert werden sollte. 
Dieser Opferkultus hat sich 
an einzelnen Orten, wie in 
Haselbach bei Braunau am 
Inn, weiters in der Kirche zu 
Taubenbach in Oberöster- 
reich, bis auf den heutigen 
Tag erhalten und wurde irr- 
tümlich dem heiligen Alban 
zugeschrieben. Von diesem 
Heiligen erzählt die Legende, 
daß er enthauptet den Kopf 
noch eine halbe Stunde weit 
in den Händen trug. Für die 
römische Zeit läßt sich die 
Opferung aus Tonköpfen als 
phallischer Kult erklären. 
 
LUBERECK, EINST SOMMERSITZ KAISER 
FRANZ LSuVON KARL VON BERTELE-WIEN 
Y  M linken Donauufer, gegenüber der auf steilem 
i ' i Felsen thronenden mächtigen Benediktinerabtei 
Melk, im Rücken fast an einer niederen Bergwand 
lehnend, liegt, von vier symmetrisch gruppierten 
ebenerdigen Nebengebäuden umgeben, das kaiser- 
liche Schlößchen Lubereck. Sein hohes „im hol- 
ländischen Geschmack" angelegtes, weit ausla- 
dendes Dach war einst mit roter Farbe gestrichen. 
Im Verein mit den weißen Mauern und den grünen 
Auen des Vordergrundes ein Bild breiter, ein- 
ladender Behaglichkeit, in dem sich „alles in festliche Anmut umgesetzt hat" 
(Abb. I). An den giebelgekrönten einstöckigen Mittelbau mit seinen fünf 
dunkelumrahmten Fenstern schließen beiderseits ebenerdige Trakte mit je 
vier Fenstern an. Zu dem in der Mittelachse angeordneten zweiüügeligen Tor, 
über dem ein kleiner, von gut geformten Atlanten getragener Balkon ausladet, 
führen drei sanft abgerundete Stufen hinan (Abb. 2). Die Mitte des ein 
wenig geschwungenen Türsturzes ist durch eine bekränzte weibliche
	        

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