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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

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Burleigh House. London, by Edwin Brett. Sampson Law, Marston 
and Comp. London 1893. 
Vor uns liegt ein starker Band in Imperial-Quart mit einem überraschenden Auf" 
wande typographischer und künstlerischer Mittel ausgestattet. Er enthält am Anfange 
einen geschichtlichen Ueberblick der Entwicklung des Waßenwesens, der von vorne- 
herein das tüchtige Studium des Verfassers erkennen lasst. Eine folgende Zusammen- 
stellung von historischen Belegen zumeist aus der englischen Geschichte lasst uns durch 
ihre Reichhaltigkeit den ungemeinen Fleiß bewundern, den der Verfasser durch das 
mühevolle Zusammentragen der Daten zu Tage treten ließ. Den großten und wohl den 
Haupttheil des Pracbtwerkes aber bildet die Beschreibung und bildliche Vorführung der 
Waifensammlung eines reichen Mannes, der an den Erzeugnissen alter WaEenschmiede- 
kunst seine Lebensfreude gefunden und auch die Mittel dazu gehabt hat, sich solche zu 
sammeln. Und in der That, der Eigenthümer Sir Edwin Brett hat es, von richtigem 
Verstandniss und Empfinden für das Schöne geleitet und mit Beharrlichkeit ausgestattet. 
verstanden, eine Sammlung zu gestalten, die durch ihre Reichhaltigkeit und den fach- 
lichen und künstlerischen Werth ihres Inhaltes selbst demjenigen Bewunderung abnothigt, 
der durch die Kenntniss unserer grollten und kostbarsten WaGensammlungen etwas ver- 
Wöhnt ist. 
Die in drei Besitzungen ihres Eigenthümers vertheilte Sammlung ist vorzugsweise 
aus Gegenständen gebildet, welche ehemals in der Collection des Lord Landesborough, 
in jener des Sir Samuel Rush Meyrick in Goodrich-Court, in der Sammlung Visconti 
in Mailand und in jener des Grafen Gayeski zu Mgowo in Preußisch-Polen bewahrt 
wurden, doch enthält die über iooo Nummern zahlende Sammlung auch viele Einzel- 
erwerbungen. 
Durch den Entschluss, gleich Sir Llelewin Meyrick, seinen kostbaren Besitz auch 
dem gebildeten Publikum bekannt zu machen, überrascht uns Sir Edwin Brett 
auf das Höchste; er erscheint uns da unter den heutigen Sammlern par excellence, 
die in der Regel ihre Schätze vor den Augen Anderer ängstlich verbergen wie ein 
weißer Rabe. 
Welcher Gedanke ihn bei seiner Sammelthatigkeit geleitet hatte, das schildert 
er uns in einem elegant geschriebenen Vorworte. Er erweist sich darin von klarem 
Denken und immer zielbewusstem Wollen. Dass er als Privatsammler von romantischen 
Alluren nicht frei ist, darüber dürfen wir mit ihm nicht rechten, dass er seine Sammlung 
nicht von allen Richtungen betrachtet. diese Eigenthümlichkeit theilt er mit nahezu allen 
seinen Sammlercollegen. Das ist in seiner Eigenschaft als Sammler keine Einseitigkeit, 
denn auch sein Standpunkt in der Betrachtung hat, wie jeder andere, für sich seine 
Berechtigung. 
Die beigegebenen I3; Bildtafeln, viele anscheinend nach Photographien angefertigt. 
sind klar, aber für den Zweck zu skizzenhaft gezeichnet; hie und da hat der Zeichner 
sein Vorbild missverstanden. lm Texte sind die Gegenstände nach ihrem Alter mit aus- 
gezeichneter Sicherheit bestimmt, und der Autor erweist sich nach der watfenwissenscbaft- 
lichen Seite hin trefflich versirt. Die Beschreibungen sind mit dem Bilde daneben fast 
zu sehr in's Detail gehend. Einzelne fachlich und chronologisch unrichtige Gruppirungen 
kommen leider auch hier noch vor Augen, so sieht man u. A. einen italienischen 
Fausthammer, der nur auf Ritten über Land gebraucht wurde, mit einem deutschen 
Stechharnisch, einen gemeinen Fußknechtspieß mit einem Reiterharnisch in Verbindung 
gebracht. Das sind eben Wahrnehmungen, deren Ursache in romantischen Anwandlungen 
zu suchen sind, 
Aber bei aller Anerkennung der Verdienste Sir Edwin Brett's können wir doch 
ein Bedauern nicht unterdrücken, dass derselbe auch als Autor seine Aufgabe so enge 
umschrieben hat, wodurch er seiner Arbeit, vielleicht ohne es zu beabsichtigen, eine 
antiquine Physiognomie gegeben hat. 
Die historische Waifenwissenechaft steht heute nicht mehr auf dem Standpunkte 
der Antiquität und des rein fachlichen Gebrauches ihres Materiales; sie hat sich aus- 
geweitet auf das historische, das cultur-._ und kunstgeschichtliche, das lsthetiache Gebiet. 
Wir haben seit den Tagen des Altmeisters dieser Wissenschaft, Sir Llelewin Meyrick, 
Fortschritte gemacht, zu denen ja der verehrte Gelehrte uns noch selbst die ersten Finger- 
zeige gegeben hat. 
Was wir in der an sich ja correcten Arbeit vermissen, ist das Bestreben, dem 
Gegenstand nachzugehen in Bezug auf seine Herkunft, seine Meister, seinen Eigen- 
thümer und seine Schicksale. Der Verfasser bringt am Schluss: eine Anzahl von Meister- 
marken, die nur leider nicht fascimiletreu wiedergegeben sind, aber er baut auf diese 
Forachungsfundamente nichts auf, er bestimmt keines der zahlreichen Wappen, ja er 
bezeichnet einmal den deutschen Reichsadler mit nAustrian Armsl. Es würe unseres Er- 
achtens nach vortheilhafter gewesen, wenn der Verfasser. statt der ermüdenden Beschrei-
	            		
139 bungen das historische, ltunsthistorische und stilistische Forschungsgebiet betreten hatte; er wäre dann gewiss zur vollen Ueberzeugung gekommen, welch' immenser Schatz in seinen alten Waffen noch steckt. Er mag uns die Bemerkung zu gute halten, wenn wir erklaren, dass die kostbare Sammlung nun zwar beschrieben, bekannt gemacht, aber durch- aus nicht nach ihrem wahren Werthe gewürdigt ist. Dem Kunstforscher fehlen in dem Werke noch viele Handhaben zur vollen Schätzung derselben. und es ist ein Zufall, dass aus gewissen Details in der Zeichnung sich mit vieler Sicherheit der Künstler des herr- lichen Rundschildes auf Tafel XLVll entnehmen lasst. Es ist der Venezianer Waffen- schmied Damianus de Neron. Bei allen übrigen Tafeln sind für eine Bestimmung des Meisters die Darstellungen zu sltizzenhaft. Mit diesem allerdings empfindlichen Entgange wollen wir aber den Werth des uns in dem Werke nach anderen Richtungen hin thatslchlich Gebotenen nicht im geringsten schmälern. Das, wie erwahnt, überaus schon ausgestattete Werk kostet fünf Guineen. Wendelin Boeheim. i Vaticanische Miniaturen. Herausg. u. erläutert von Stephan Beissel, S. J. Mit 30 Taf. in Lichtdruck. Freiburg i. B., Herder, 1893. Fol. M. 20 Die Miniaturen in den alten Handschriften (und für die erste Renaissance auch in den Prachtauagaben) sind für die Geschichte der Malerei nicht allein überhaupt Quellen ersten Ranges, sondern auch für manche Zeiträume fast die einzigen Erzeugnisse dieser Kunst, die in einem oft gar wundervoll guten Zustande sich bis in unsere Tage erhalten haben. Wenn nun P. Beissel, secundirt von der immer tüchtiger werdenden photogra- phischen und photorypischen Anstalt Danesi in Rom, unter Mitwirkung der Verlagshand- lung l-lcrder eine Auswahl besonders schöner oder wichtiger Miniaturen aus der Vati- canischen Bibliothek als i-Quellen zur Geschichte der Malereiu uns bietet, und zwar zu einem nicht zu hohen Preise, so verdienen diese Männer die Anerkennung von Seite der Fachkreise. P. Beissel gruppirt die Bilder im Ganzen chronologisch: er beginnt mit den Miniaturen aus classischer Zeit (darunter sind auch Miniaturen späteren Ursprungs, welche aber sicher als Abbilder antiker Vorlagen zu betrachten sind), dann geht er zu den westlandischen Miniaturen vorn 7. bis zum tt., vom u. bis t4., vom tg. und t6. Jahrhundert, und mitten hinein schiebt er eine Abtheilung griechischer Miniaturen vom to., tt., tz. Jahrhundert. Freilich eignete sich mancher Codex. wegen wenig günstiger Erhaltung, nicht zur Herstellung guter Abbilder. Unter diesen Umstlnden wird es schwer, bei den alteren und wichtigeren Handschriften dem Herausgeber gegenüber Wünsche auszusprechen, vielmehr muss Ref. die Auswahl als eine gelungene bezeichnen. lnstructive Einleitungen, gute Beschreibungen der Bilder (auch deren Farben werden genau be- zeichnet), Aufzählungen der sonsligen Bilder, welche die von Beissel verwendeten Codices enthalten, und brauchbare Indices machen das Werk zu dem, was es sein will, zu einem Nachschlage- und Quellenwerlte, nützlich insbesondere durch die Liste der vaticanischen Miniaturen-Handschriften, S. 53. Dass die schon vorhandenen Abbildungswerke, über- haupt die einschlägige Litteratur mit sorgsamem Fleiße verwertbet und in den Noten angeführt ist, "versteht sich bei einem i-Quellenwerke- von selbst. Daher nimmt es den Ref. wunder, dass i-Frantz, Geschichte der christlichen Malerei l., Freiburg, Herden, auch dort, wo dieser abweichende Anschauungen hat. wie z. B. beim Vergil-Codex, Vat. Cat. 3867 (Frantz, l, 5. 18t), gar nicht erwähnt wird. Auch die berühmten Wiener Miniaturen des classischen Stiles und der karolingischen Zeit hatten, da es doch nur eine ganz beschränkte Anzahl dieser Miniaturen gibt, angeführt werden sollen. Es ware ge- nügend gewesen, dieselben eben nur anzuführen, um eine Beschreibung handelte es sich bei ihnen nicht. - Auch über die Datirung von ein paar Handschriften wollen wir uns hier mit P. Beissel nicht auseinandersetzen, sondern nur ihm den Dank aussprechen für die Arbeit und die gediegene Ausstattung des Werkes durch die Herdefsche Verlags- handlung rühmend anerkennen. N-an. i -- nPortale von Wiener Profanbauten des I7. und tß. Jahrhunderts: ist der Titel eines Sammelwerke: aus derr. Verlage von Ant. Schroll tSt Co. in Wien, dessen erste Serie zu so Tafeln soeben erschienen ist. Dasselbe soll in circa 60 Auf- nahmen künstlerisch durchgeführte Thormotive wiedergeben, beginnend mit dem ersten Auftreten des Barockstils unter Kaiser Ferdinand lll., dann den Stilwandlungen unter Leopold l., Karl Vl. u. s. w. folgend bis zum Abschlüsse dieser Epoche mit dem Auf- treten der classicistischen Richtung. Die Schönheit der Conception, wodurch die meisten dieser Portale sich auszeichnen, macht dieselben nicht allein zu geeigneten Vorbildern für unsere Architekten, die stets weiter um sich greifende Umgestaltung Wiens bringt
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