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Wirtschaftsleben eingreift wie die alte Kunst des Glasmachens,
wird dem Besucher der Ausstellung vor allem in der dem
Exportglase gewidmeten Abteilung klar vor Augen treten.
Die nordböhmische Glasindustrie ist nur zum kleinen Teile
eigentliche Kunstglasindustrie, zum größten Teile ist sie Ex.-
portglasindustrie. Wir haben Gewicht darauf gelegt, dies schon
in der Aufstellung und Anordnung der Gegenstände, die nicht
durch Hervorhebung des einzelnen, sondern durch die Masse
wirken soll, und durch die Beschreibung der Gruppen deutlich
zu machen. Nicht nur Belgien, England, Frankreich, Holland,
Portugal, Rußland, der skandinavische Norden, Spanien, son^
dem auch der nähere und fernere Orient bis nach Ostasien,
Nord^ und Südamerika und Nordafrika sind bisher wichtige
Absatzgebiete des böhmischen Glases gewesen. In dieser Ab--
teilung wird nicht so sehr der Kunstfreund als der Wirtschafts.-
Politiker und Kulturhistoriker sehr merkwürdige Erfahrungen
sammeln können und es wird einem jeden sofort klar sein,
daß es sich hier um große und ernste Fragen für die Zukunft
aller der vielen Tausende geschickter und arbeitsamer Menschen
handelt, die bisher auf diesem Gebiete tätig waren.
Die Ausstellung wird uns anregen, bei Gelegenheit einmal die
Entwicklung der österreichischen Exportglasindustrie im letzten
Jahrhundert zusammenhängend darzustellen. Schon zu Ende
des i8. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde aus Nord,-
böhmen, dessen Glasindustrie in jenen Zeiten der schwersten
Kriegsnot technisch und wirtschaftlich den größten Aufschwung
nahm, in dieselben Länder exportiert wie heute; damals aber
war der Unterschied zwischen Exportglas und Kunstglas kein
so großer als jetzt, in Form und Dekor nicht und nicht im Preise.
Daß das Exportglas der Gegenwart im Zeichen des wirtschafte
liehen Kampfes steht, der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahre
hunderts eine so tiefgehende Veränderung aller Verhältnisse
der Produktion und Technik und der Geschmackskultur here
vorgerufen hat, liegt klar zutage. Von hohem Interesse ist es
aber auch zu sehen, wie im Wege der Nachahmung, des Kom
promisses und der Beeinflussung durch die Absatzländer diese
Gegenstände zustande kommen, die nur zum Teile dem Ge--
brauche, zum größeren Teile dem Luxus dienen und bei