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Full text: Ausstellung Einfacher Hausrat, November 1920 - Februar 1921, Katalog

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einei" wohnlichen Wohnstätte zu geben. Hier fehlt fast 
allen die wünschenswerte Orfentierong über die Wege, 
die einzwschlagen, die Quellen, die aofzusuchen sind, 
um Gutes und Dauerndes zu erhalten. Denn empfind 
licher noch als die Unzulänglichheit der Mittel und 
der Zwang, sich zu bescheiden, ist die Gefahr, diese 
knappen Mittel schlecht anzuwenden. Noch immer, und 
heute mehr denn je, wird schlechte Händlerware er 
worben, die einen,, wenn auch fadenscheinigen, Luxus 
vorspiegelt und deren scheinbare Wohlfeilheit die ärgste 
Bewucherung des Käufers verhüllt; und immer noch 
fehlt den meisten Menschen die Fähigkeit, auch aus 
dem schlichtesten, einfachsten Geräte lebensfrohe Behag 
lichkeit zu gestalten, und die Kraft, auf den Jammer 
und die Kulturlosigkeit der „guten'' Stube und der so 
genannten vornehmen Möbel zu verzichten. 
Der Tiefstand unserer Wohnkultur stammt nicht aus 
der durch den Krieg hervorgerufenen Verwüstung 
unseres wirtschaftlichen und sittlichen Lebens allein, 
er ist ein Erbe alter Sünden und datiert von jenen 
Zeiten her, in denen die Menschen, die sich darob sehr 
modern vorkamen, anfingen, falschen Schein der schlichten 
Wahrheit vorzuziehen, sich selbst zu betrügen über ihre 
Verhältnisse und kein eigenes Leben zu führen, das 
ihrer Zeit angemessen war, daher auch sich mit Dingen 
umgaben, welche weder notwendig noch erfreulich 
waren, sondern nur die Meinung erwecken sollten, als 
wäre man mehr und anders als man ist. Die furchtbare 
Not unserer Tage, die soviel W^ertvolles vernichtet, 
wird auch viel Wertloses unseres bisherigen Lebens
	        

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