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MAK

Full text : Robert Keil

„Gebilde'  steht  ihm  höher  als  das  .Abbild".  Er  heilt  seine
Farben  auf  zu  gläserner  Leuchtkraft,  läßt  dem  Zeichner  in
ihm  wieder  freiere  Hand,  verzichtet  weitgehend  auf  die  Schönheit ­
  des  malerischen  Handwerks  und  schafft  eine  Reihe  großformatiger, ­
  abstrakter  Kompositionen  aus  Farbflächen  und
kühnen  Liniengebilden,  die  aber  doch  niemals  leeres  Formenspiel ­
  sind,  denn  auch  sie  sind  gewonnen  aus  Anschauung  und
Erleben,  die  freilich  so  weitgehend  verarbeitet  sind,  daß  der
Betrachter  sie  nur  mehr  fühlt,  aber  kaum  benennen  kann.
Auch  diese  Phase,  so  vollwertig  ihre  Bilder  sind,  ist  für  den
Künstlernur  ein  Durchgang.  Sie  hat  ihn  um  einneuesVokabular
von  Formen  bereichert,  hat  ihm  tiefe  Einsicht  in  das  lebendige ­
  Gefüge  seiner  ,,Sprache"  verschafft,  aber  der  Fluß  der
Rede  war  vielleicht  zu  frei,  zu  ungehemmt,  war  noch,  um  im
Bilde  zu  bleiben,  Prosa  und  nicht  der  gehämmerte  Vers,  an
dem  nicht  ein  Wort  geändert  oder  versetjt  werden  kann.
Wieder  greift  der  Maler  zu  dem  ihm  gemässen  Mittel  der
Reise,  um  seinen  neuen  Standpunkt  zu  finden,-  er  geht  1956
nach  Deutschland  und  Holland,  sein  Hauptziel  aber  ist
Frankreich  mit  Paris.  Dieses  Jahr  ist  der  Beginn  einer  neuen,
bisher  lebten  Entwicklungsstufe,  die  mit  einer  Spanienreise
1957  Bereicherung,  aber  keine  Abänderung  erfährt.
Es  ist  eine  Stufe  der  Synthese,  die  nun  erreicht  ist.  Kein
Bruch  ist  eingetreten,  nichts  von  dem  durchschrittenen  Weg
war  überflüssig.  Die  magisch  erhöhte  Realität  der  ersten
Phase  tritt  wieder  mehr  in  ihre  Rechte,  aber  das  Mittel  zu
ihrer  V  erwandlung  ins  Bild  ist  nun  die  Formenwelt  der  zweiten
Phase.  Synthese  ist  diese  Stufe  aber  nicht  nur  entwicklungsmässig,
  sondern  auch  insofern,  als  ein  harmonisches  Gleichgewicht ­
  der  Gegensätje  erreicht  ist:  der  Reichtum  graphischer
Formen  vereinigt  sich  mit  einer  wieder  satter  und  differenziertergewordenen ­
  Farbigkeit,  kraftvolle  Dynamik  mitstrenggefügtera
  Aufbau,  räumliche  Vielschichtigkeit  mit  Bewahrung
der  Bildfläche,  Bedeutsamkeit  der  Aussage  mit  Wohlklang
der  Erscheinung.  Jedes  der  aus  großem  inneren  Reichtum  geschaffenen ­
  Bilder  ist  nun  ein  .Gebilde"  von  stärkster  Individualität, ­
  aber  die  errungene  Sicherheit  des  formalen  Ausdrucks ­
  ist  so  überzeugend,  daß  alle  doch  wieder  das  Gepräge ­
  einer  fest  umrissenen  Persönlichkeit  tragen.
Robert  Keil,  der  Wahlösterreicher,  der  nun  seil  dreißig  Jahren
in  Wien  lebt,  ist  als  Künstler  der  Öffentlichkeit  unbekannt;
nur  ein  kleiner  Kreis  von  Freunden  kennt  sein  Werk.  Wer
            
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