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Full text: Michael Thonet - ein Gedenkblatt

Als mit dem zunehmenden Bedarfe und der Ver- 
grösserung des Geschäftes die Werkstätte im zweiten Stocke 
des Hauses Nr. 396 in der Gumpendorferstrasse zu klein 
geworden, miethete Michael Thonet im Frühjahre 1853 von 
dem Maler Amerling die nächst der Sechshauser Linie 
gelegene, zur ehemaligen Herrschaft Gumpendorf gehörige 
Mollardmühle, Gumpendorf, Mollardgasse Nr. 173, sammt 
Wohnhaus und Nebengebäuden, wo sich vorläufig Raum 
genug fand, der Fabrication eine grössere Ausdehnung zu 
geben. Nach Uebersiedlung in die Mollardmühle im Sommer 
1853 waren dort 42 Arbeiter beschäftigt, und zwar 
9 Tischler, 1 Drechsler, 8 Fournierschneider (Handbetrieb), 
2 Leimer, 8 Raspier, 2 Beizer, 10 Polierer und 2 Zusammen 
schrauber. Die Rohrgeflechte wurden ausser Hause besorgt. 
Während bis jetzt die Maschinen blos mit Handbetrieb 
gearbeitet hatten, wurde Ende 1853 zum Betriebe der 
selben eine kleine vierpferdige Dampfmaschine aufgestellt. 
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& 
Bezeichnend für die damaligen Verhältnisse war es, 
welche Hindernisse das Zunftwesen der Entwicklung - einer 
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neuen Industrie in den Weg leerte. 
Im Jahre 1853 bekam Michael Thonet den Auftrag, 
einen I heil des Ofener Schlosses mit feinen Parketten zu 
belegen. Seine Majestät Kaiser Franz Joseph hatte nämlich 
die Parketten im Palais Liechtenstein gesehen, welche 
seinerzeit in der Thonet’schen Werkstätte bei Leistier 
gearbeitet worden waren, und wünschte derartige Parketten 
für einen Theil der Ofener Burg. Michael Thonet bewarb 
sich um die Arbeiten und erhielt sie auch zur Ausführung. 
Die Concurrenz setzte jedoch alle Hebel in Bewegung, 
ihn an der Ausführung dieser Arbeiten zu verhindern. Es
	        
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