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Vom. Standpunkte des Gebrauchszweckes Hegen uns in diesen
Funden hauptsächlich Costümstücke vor. So viel sich aus der meist recht
fragmentarischen Beschaffenheit ermitteln Hess, sind dieselben namentlich von
zweierlei Art: i. kurze Aermeltuniken, etwa bis zu den Knien reichend, von
Männern, 2. lange Aermelgewänder, bis zum Boden reichend, von Frauen,
vielleicht auch von Priestern oder anderen männlichen Standespersonen. Die
kurzen Tuniken sind meist aus drei Theilen zusammengenäht: einem oberen
kreuzförmigen (wegen der Aermel), den man in der Linie der Halsöfifnung
zusammenlegte und seitwärts vernähte, und zwei viereckigen, die man unten
ansetzte, je einen vorne und rückwärts. Wo der obere Theil mit den
unteren zusammenstiess, wurde die Naht durch eine um den Körper um
laufende hohle Falte verborgen, deren Zweck vermuthlich mit der Gurtung
zusammenhing. Diese Tuniken sind verziert 1. durch einen Halssaum (meist
gewebte Posamenterie-Erzeugnisse); 2. zwei Spangen, die parallel zu einander
über Brust, Schultern und Rücken laufen, beiderseits gewöhnlich in einen
runden oder eiförmigen Abschluss endigen und selten über jene Gürtelfalte
hinaus heruntergehen; 3. runde, quadratische oder blattförmige Einsätze: je
einer auf jeder Achsel, sowie über’m unteren Saume der Tunica, beiderseits
rechts und links, häufig auch je einer seitwärts von den Spangenenden unter
der Brust, 4. einen Aermelbesatz an der Handwurzel (gewöhnlich die ver
doppelte Spange), zu dem häufig am Ende des Aermels noch ein aufgenähtes
gewebtes Börtchen hinzutritt. Die weiblichen Gewänder unterscheiden sich
ausser durch ihre Länge hauptsächlich dadurch, dass ihre beiden Spangen
beträchtlich breiter sind und nicht in der Gürtelgegend aufhören, sondern
bis an den unteren Saum des Gewandes herabgehen, der mit einer breiten
gewebten Borte besetzt ist. Wir begegnen zwar solchen langen (aber
schmäleren) Spangen in pompejanischen Fresken ') auch an männlichen
Tuniken, späterhin sehen wir sie aber in der Männertracht nur an Heiligen
figuren (und Priestern), sonst durchwegs an Frauengewändern *). Die nicht
gewebten Verzierungen sind in der Regel gewirkt.
Ausser diesen beiden Arten von Gewändern finden sich noch befranste
Langtücher mit Borten, wahrscheinlich Kopfbinden, und grosse Tücher mit
Eckeinsätzen, wie wir sie an Vorhängen und Tischtüchern aus altchristlichen
Fresken und Mosaiken 3 ) kennen; sie haben wahrscheinlich zur Umhüllung der
*) Nicolini, Anfiteatro tav. 3.
2 ) Vgl. Garrucci II. Taf. 73, 78, III. 198; im Ashburnham Pentateuch, Paleogr. Society, Taf. 235.
s ) Garr. II. 250, 258, 266*, Ashburnham Pent., Pal. Soc. Taf. 235; am Mittelbogen des Theodorich-
Palastes (Mosaik in S. Apollinare nuovo).