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Full text: Die ägyptischen Textilfunde im K. K. Österreich. Museum

->K VIII 
O/-. 
Vom. Standpunkte des Gebrauchszweckes Hegen uns in diesen 
Funden hauptsächlich Costümstücke vor. So viel sich aus der meist recht 
fragmentarischen Beschaffenheit ermitteln Hess, sind dieselben namentlich von 
zweierlei Art: i. kurze Aermeltuniken, etwa bis zu den Knien reichend, von 
Männern, 2. lange Aermelgewänder, bis zum Boden reichend, von Frauen, 
vielleicht auch von Priestern oder anderen männlichen Standespersonen. Die 
kurzen Tuniken sind meist aus drei Theilen zusammengenäht: einem oberen 
kreuzförmigen (wegen der Aermel), den man in der Linie der Halsöfifnung 
zusammenlegte und seitwärts vernähte, und zwei viereckigen, die man unten 
ansetzte, je einen vorne und rückwärts. Wo der obere Theil mit den 
unteren zusammenstiess, wurde die Naht durch eine um den Körper um 
laufende hohle Falte verborgen, deren Zweck vermuthlich mit der Gurtung 
zusammenhing. Diese Tuniken sind verziert 1. durch einen Halssaum (meist 
gewebte Posamenterie-Erzeugnisse); 2. zwei Spangen, die parallel zu einander 
über Brust, Schultern und Rücken laufen, beiderseits gewöhnlich in einen 
runden oder eiförmigen Abschluss endigen und selten über jene Gürtelfalte 
hinaus heruntergehen; 3. runde, quadratische oder blattförmige Einsätze: je 
einer auf jeder Achsel, sowie über’m unteren Saume der Tunica, beiderseits 
rechts und links, häufig auch je einer seitwärts von den Spangenenden unter 
der Brust, 4. einen Aermelbesatz an der Handwurzel (gewöhnlich die ver 
doppelte Spange), zu dem häufig am Ende des Aermels noch ein aufgenähtes 
gewebtes Börtchen hinzutritt. Die weiblichen Gewänder unterscheiden sich 
ausser durch ihre Länge hauptsächlich dadurch, dass ihre beiden Spangen 
beträchtlich breiter sind und nicht in der Gürtelgegend aufhören, sondern 
bis an den unteren Saum des Gewandes herabgehen, der mit einer breiten 
gewebten Borte besetzt ist. Wir begegnen zwar solchen langen (aber 
schmäleren) Spangen in pompejanischen Fresken ') auch an männlichen 
Tuniken, späterhin sehen wir sie aber in der Männertracht nur an Heiligen 
figuren (und Priestern), sonst durchwegs an Frauengewändern *). Die nicht 
gewebten Verzierungen sind in der Regel gewirkt. 
Ausser diesen beiden Arten von Gewändern finden sich noch befranste 
Langtücher mit Borten, wahrscheinlich Kopfbinden, und grosse Tücher mit 
Eckeinsätzen, wie wir sie an Vorhängen und Tischtüchern aus altchristlichen 
Fresken und Mosaiken 3 ) kennen; sie haben wahrscheinlich zur Umhüllung der 
*) Nicolini, Anfiteatro tav. 3. 
2 ) Vgl. Garrucci II. Taf. 73, 78, III. 198; im Ashburnham Pentateuch, Paleogr. Society, Taf. 235. 
s ) Garr. II. 250, 258, 266*, Ashburnham Pent., Pal. Soc. Taf. 235; am Mittelbogen des Theodorich- 
Palastes (Mosaik in S. Apollinare nuovo).
	        
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