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zukommt. Wo aber die Figuren als Streumuster auftreten, da sind sie auch
dementsprechend stilisirt. Der durch ein solches Gesetz eröffnete Spielraum '
war ein ungemein grosser, und man hat ihn auch gründlich auszunützen
verstanden. Es kommen zwar mitunter sehr schematische Thier- und
Menschengestalten in unseren Wirkereien vor, doch ist dies in der Regel
nicht so sehr auf bewusste Absicht, als auf rohe und flüchtige Ausführung
zurückzuführen. Die Flächen grösserer quadratischer Einsätze erscheinen
durch runde Rankenverschlingungen in einzelne Medaillons aufgetheilt, in
die gewöhnlich Thiere und Jäger hineincomponirt sind. Auch an historischen
Darstellungen fehlt es nicht, doch ist auch hier die ornamentale Gesammt-
anordnung beibehalten. Dies äussert sich namentlich in der absoluten Symmetrie,
die die beiden Hälften einer Darstellung rechts und links von einer idealen
Mittellinie vollkommen gleich bildet: ein Ornamentationsprincip, das in der
Folgezeit nicht blos das leitende in der Seidenkunstweberei geworden ist,
sondern auch den Charakter der gesammten frühmittelalterlichen Kunst
beherrscht und bestimmt. Die absolute Symmetrie darf wohl auf orientalischen
Ursprung zurückgeführt werden; die classische Antike pflegte vorzugsweise
die relative Symmetrie, die die beiderseitigen Massenverhältnisse abwägt
und in der Mannigfaltigkeit zu compensiren sucht, ohne durch genaue Wieder
holung zu ermüden. Der mechanischen Weberei kam aber ein solches
absolutes Symmetrieverhältniss ausserordentlich zu Statten, und es ist mög
lich, dass dasselbe erst unter dem Einflüsse der Seidenweberei in die Wirkerei
Eingang gefunden hat ‘).
Unter den fast schrankenlosen Motiven, die unsere gewirkten Funde
dem animalischen Bereiche entnommen haben, sind besonders hervorzuheben:
menschliche Einzelfiguren, Männer und Frauen, meist unbekleidet, Genien
schwebend (Taf. IV unten), wie häufig an Sarkophagen oder knieend mit einem
Vogel in den Händen (Taf. IV oben)*), Kentauren und Victorien, Bacchanten,
Krieger und Jäger (Taf. XIII), Köpfe in Medaillons; von Thieren nament
lich Löwen, Hasen, Panther, Hirsche, Hunde, von Vögeln Enten 3 ) und
Pfauen *) (Taf. XII). Sehr häufig sind Darstellungen der Weinlese hinein-
*) Nr. 370, 416, 443, 445, letztere abgebildet bei Bücher, Gesch. d. techn. Künste, III. Bd., Text.
Kunst, Fig. 356.
2 ) Ein Knabe mit einer Ente in den Händen auf einem spätantiken Mosaik in Spanien, Laborde,
Descripcion de un pavimento de mosayco descubierto en las ruinas de Italica, Paris 1806, Taf. 14. Hieher
gehört wohl auch der Knabe mit der Gans, wovon bei Wilkinson-Birch II. 176, die Rede ist.
3 ) Im Dom zu Saloniki, Texier 31.
4 ) Vogue, Syrie centrale, Taf. 45.