Die Frauenarbeiten.
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Art der Arbeit der Müller und Gewebe in den entfernteren, felblt aufser Europa
liegenden Gegenden zu finden ift.
Im fchwedifchen Jagdpavillon war eine höchll intereffante Collection der
Hausinduflrie zufammengellellt. Die Zeichnungen der meift von Bäuerinen geweb
ten Teppiche zeichneten fich befonders durch gefchmackvolle Deffins aus. Mit
befonderer Pietät hängt man dort an den fogenannten altfchwedifchen Müllern,
die einzelnen Motive aus dem fo reichen nordifchen Sagenkreife darllellend.
Es wäre höchll wünfchenswerth, wenn diefe Deffins durch Muftervorlagen
gröfsere Verbreitung fänden. Die Reichhaltigkeit und Vielfeitigkeit der dort
betriebenen Hausinduflrie erklärt fich leicht durch die langen Winterabende, in
denen man aufser dem Haus keine Befchäftigung hat.
In der türkifchen Abtheilung fanden wir eine ganz befondere Art von
weiblicher Arbeit, die bei uns gar nicht bekannt ill und deren Nachahmung und
Verbreitung fehr zu empfehlen ill. Wir fprechen von den weifsen und buntfarbigen
Spitzen, von denen einige recht hübfche Exemplare ausgellellt waren,. aber häufig
noch viel fchöner verfertigt werden. *) Diefe Arbeit wird meill von Griechinen
gemacht, heifst türkifch: kine, griechifch: bibiles, auch rochania und wird von
offener Seide, welche man befonders dreht, durch den fogenannten Luftmafchen-
Stich mittelll Nähnadel verfertigt. Sie dienen hauptfächlich als Verzierung der Jop
pen und des Kopfputzes türkifcher, armenifcher und griechifcher Frauen. Die in
weifser Seide ausgeführten Kines find die werthvollllen, die fchönen Delfins geben
Zeugnifs von der Erfindungsgabe und Gefchicklichkeit der Verfertigerinen. Ein
Nachtheil ill, dafs diefe werthvolle, die Augen anllrengende Arbeit fo fchnell
fchmutzt und müffen diefe Spitzen wie die Bruffaer Seidenhemden durch Schwefel
dampf geputzt werden. Die zu diefen Spitzen erforderliche Seide bekömmt man
aber nur im Oriente, woher man fie kommen laffen müfste, wollte man bei uns
diefe Arbeiten einführen und nachmachen. Das follte jedoch nicht davon abfchrecken
laffen, diefe kunllvolle Arbeit zu verbreiten, die höchll dauerhaft ill und fich fehr
gut zur Verzierung auch unferer Kleider und Coiffuren eignen würde.
In Perfien, wo es bis jetzt noch keine Fabriken gibt, lieht die Haus-
induftrie nach allen Richtungen in grofster Blüthe. Wir fehen in der perfifchen
Abtheilung die herrlichllen Teppiche und der flüchtige Befchauer ahnt wohl nicht,
mit welcher Mühe und Anllrengung diefelben verfertigt werden. Die bunten eigen-
thümlichen Deffins find da nicht eingewebt, fondern eingellickt, dann erll mit
Seide darauf geflickt. Welche Geduld und Genauigkeit erfordert eine folche
Arbeit, an der die ganze Familie oft 2—3 Jahre befchäftigt ift und die um den
erllaunlich wohlfeilen Preis von 300—500 Francs zu erltehen ill'. Aber mit Be
dauern fleht man, dafs hie und da auch die Orientalen ihre eigenthümlichen Zeich
nungen, ihre charakteriftifchen Farben aufgeben, um nach europäifchen Müllern
zu arbeiten, wobei es häufig gefchieht, dafs fie überdiefs eine unglückliche Wahl
treffen. So fleht man in der perfifchen Abtheilung Schuhe — mit befonderer Be
friedigung vernahmen wir, dafs fie von einem Herrn gellickt feien — mit in Flacli-
llich ausgeführten Blumenbouquets, welche durch Zeichnung und Farbenzufammen-
llellung gar nicht in die perfifche Abtheilung zu paffen fcheinen. Ueberhaupt
gefchieht es fo leicht, dafs man im Beflreben, fich die Fortfehritte und geilligen
Errungenfchaften anderer Nationen anzueignen, die eigene Richtung ganz aufgibt
und flatt zu gewinnen nur eintaufcht, wenn nicht verliert, was folgerichtig zum Unter
gänge alles Charakteriftifchen in Zeichnung, Farbe und Gefchmack führen mufs.
Aus Tiflis waren auch einige fehr hiibfch ausgeführte Goldllickereien und
Teppiche in Tambourllich ausgellellt, defsgleichen fchöne Goldllickereien von
Griechenland.
Ganz eigenthümlicher Art find die indifchen Goldllickereien, die wie die
zarteilen Gewebe den eigentlichen Grundltoff ganz zu überziehen fcheinen. Man
* Siehe Ferdinand Stamm: Die Stickerei und die Spitzen
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