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Johann Zeman.
Bewegungsmechanismus vereinfachte D r o n s f i e 1 d’fche S c h 1 e i f f c h e i b e für
Kratzwalzen die Aufmerksamkeit der Spinner auf Sich gezogen.
So zeigt fich immer ernfter das Beftreben, die regelmäfsigfte Arbeit der
Krempeln zu Sichern und gewifsmit vollstem Recht, da grofse Ungleichheiten des
Vorgefpinnftes beim Spinnen Schwierig, wenn überhaupt noch befeitigt werden
können.
Wohl läfst Sich auf Mulemafchinen eine gewiffe Ausgleichung der Dichtig
keitsfehler im Vorgarn erreichen; Schlimm dagegen Stand es bisher mit den
Erfolgen auf feftftehenden Spinnmafchinen.
Trotz der anerkennenswerthen Bemühungen von Vimont und Sykes
konnten Sich die bekannten Streichgarn-Watermafchinen keine allgemeinere
Anwendung verfchaffen; denn die Heftigkeit der Erschütterung der Fäden durch
den Vibrationsapparat im Streckwerke beschränkt zu Sehr den Vorzug und felbft
die angeftrebte Ausgleichung des Vorgefpinnftes durch die abwechselnde Mode
ration des Röhrchendrahtes bleibt unvollkommen.
Mit Freude ift daher das neue St reck werk für Streichgarn zu
begrüfsen, welche der erfindungsreiche Conftrudteur C. Martin nach Vollen
dung feines Vorfpinnapparates ausgearbeitet hat und welches die Ausgleichung
der bei den Krempeln unvermeidlichen Dichtigkeitsfehler im Vorgefpinnft durch
eigene, für jeden Faden unabhängig wirkende und mit der gröfsten Schonung
für die lockeren Wollbändchen einfetzende Regulatoren in überrafchender Weife
erreicht.
Bemerkenswerth und vielverfprechend ift auch das von Amerika uns zuge
kommene Avery’fche Streckwerk für Streichgarn-Watermafchinen, weniger
durch den Einzugsapparat, welcher die Lieferungsweise einer Mule nachahmen
Soll, als durch eine ganz vortreffliche Anordnung der Röhrchen (tubes) und der
vorderen Streckcylinder.
Vergleicht man die ausgeftellten S e 1 f a c t o r s unter einander, So findet
man, dafs bei diefen die von einem deutschen Conftructeur zuerfl ausgeführte,
beffere Vertheilung der Spindeldrehungen beim Ausfahren und Nachdrehen allge
meine Nachahmung gefunden hat.
Richard Hart mann in Chemnitz trat bekanntlich anfangs der Sechziger
Jahre mit dem Syftem der dreifachen Spindelgefchwindigkeit für Streichgarn-
Selfadtors auf, um langfam anfpinnen, bei flatthabender Wagenftreckung etwas
rafcher weiterfpinnen, endlich in der Periode des Nachdrehens mit der gröfsten
Spindelgefchwindigkeit den Twift in die Fäden legen zu können.
Hiemit war allerdings eine complicirtere Bauart des Headftock verknüpft
und aus diefem, wohl auch aus anderen Gründen wurde diefes Syftem anfangs
vielfach bekämpft.
Nach allmäligen Verbefferungen ift der H a r tman n’fche Selfadtor wesent
lich vereinfacht, überfichtlich und leicht zugänglich geworden; die deutfchen
Maschinenbauer haben — nach Ablauf des Patentes — das Syftem der drei
Spindelgefchwindigkeiten, wenn auch mit abweichenden Dispositionen, acceptirt
und Selbft jenfeits des Canales verfchlofs man den Vortheilen der belferen
Gefchwindigkeitsvertheilung nicht länger die Augen und führte, unter Beibehaltung
der zwei Twiftfcheiben für einfache und doppelte Geschwindigkeit, eine dritte
Schwache Spindeldrehung nach rafchem Anfpinnen ein, durch eine mehr oder
weniger lösbare FrictionsVerbindung der Seilrolle auf der Spindel-Trommelwelle
im Wagenmittelftück.
Zum Zwirnen hat Sich die RingSpindel, ebenSo wie bei den feftftehenden
Spinnmafchinen, bisher noch am zweckmäfsigften bewährt. Statt mit Wechfelrädern
die Spindelgefchwindigkeit zu ändern, hat man die alten mehrspurigen Seilrollen
verbefSert als Stufenconuffe für Riemenbetrieb wieder eingeführt.
Mit der allgemeineren Einführung felbftthätiger Spinnmafchinen in der
Wollenbranche kommt auch der mechanifche H a f p e 1 ftärker in Anwendung,