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Johann Zeman.
zur Aufnahme einer frifchen Probe bereit, fobald er durch Drehen des Lager
gehäufes wieder vor die Zuführftelle gebracht wird.
Es wird aus dem Gefagten fchon klar hervorgehen, dafs es nur von der
Curve der Führungsbahn, von dem Abftand der Abftofser und von dem fetten
Gewicht am Wagebalken abhängt, welche Titer auf einer Mafchine und in welchen
Intervallen die Nummern der Seidenproben angegeben werden.
Die Ausftellungsmafchine hatte io Wagebalken, 22 Abftofsplatten im
Führungscylinder und rings herum gegenüber jedem Abftofser einen Auffangftab.
Der erfte Stab erhielt alle Proben entfprechend 18 Deniers, der zweite
Stab Proben von 18 bis 20, der dritte Stab von 20 bis 22 und fo fort bis 64 Deniers.
Es wurden alfo die Titer der Seidenproben nur in geraden Ziffern angegeben
und alle Zwifchennummern fielen ftets dem nächftfolgenden geraden Titer zu.
Ein dreiundzwanzigfter Stab erhielt zuletzt alle über 64 Gran wiegenden Gebinde,
welche entweder auf eine andere ftärkere Mafchine gelangen müffen oder, wenn
man fie mit nur halber Probelänge von 200 Stab auflegte, auch auf de'rfelben
Mafchine mit Sprüngen von 4 zu 4 Nummern abgewogen werden konnten.
Im normalen Zuftand wird die Titrirmafchine mittelft eines Riemens von
einer Transmiffionswelle aus in Gang gefetzt und das Lagergehäufe der Wage
balken fünf Mal pro Minute umgedreht, was in der Minute 50 Abwägungen
ergeben würde.
Der Arbeiter hat nur für eine regelmäfsige Verforgung des Zuführapparates
mit abgehafpelten Probegebinden zu forgen, da das Abfchieben und Auflegen der
einzelnen Proben auf die vorbeigehenden Wagebalken vollkommen felbftthätig
bewerkftelligt wird. Behufs Auflegung von frifchen Probegebinden in denZufiihr-
apparat mufs die Mafchine von Zeit zu Zeit abgeftellt werden, wefshalb die ange
gebene Leiftung etwas herabzumindern ift.
Nach beendeter Abwägung nimmt man die Proben von den einzelnen
Stäben ab, bezeichnet fie mit den entfprechenden Nummern und rechnet aus dem
Durchfchnitt aller, den Titer der in Unterfuchung flehenden Partie Seide.
Eine Seidenzwirn-Mafchine hatte A. Frey in Küttigen bei Aarau
(Schweiz) allerdings in wenig empfehlenswerther Ausführung ausgeftellt
Die Mafchine ift doppelfeitig und nimmt, in Folge der Vertheilung der
Spindeln in drei Etagen, fehr wenig Platz ein. Die Spindelconftrudtion ift fehr
primitiv: auf feilen fenkrechten Spindeln laufen mittelft Riementrieb eiferne
Spulenröhrchen, an deren oberem Ende der Drahtflügel lofe aufgefetzt ift. Das
Abtreibzeug für die Spulen der doublirten Seidenfäden liegt oberhalb jeder
Spindelreihe.
Um den Antrieb der Spindelfpulen jeder Etage durch einen endlofen Rie
men zu ermöglichen, find die Spindeln nicht in einer geraden Linie angeordnet,
fondern in einer Kreislinie aufgeftellt, deren convexe Seite gegen den Riemen
zugekekrt ift. Die Spulen haben dort, wo der Riemen anliegt, einen etwas gröfseren
Durchmeffer. —
Der eigenthümlichen felbftthätigen Abftellvorrichtung wegen erwähnen wir
hier die Doublirmafchine von Jofef Rohner in Wien; endlich noch wegen
der Tauberen und zweckmäfsigen Ausführung die Goldfpinn-Mafch ine von
G. Hutter in Wien, eine Mafchine, um Seidenfäden mit feinem Gold- oder auch
Silberdraht zu überfpinnen.
So gelangen wir endlich zur Befprechung der letzten Gruppe hierher gehö
riger Ausftellungsmafchinen, nämlich folcher zur Zubereitung von Seiden
abfällen für die Florettfpinnerei.
Hiefiir werden zweierlei Arten von Abfällen verwendet: i. Strufi und
2. durch biffene, befchädigte und Doppel-Cocons. Mit Strufi bezeich
net man die beim Sammeln und Abhafpeln der Cocons fich ergebenden Abgänge
von wirren Fäden und die nach dem Abfpinnen der Cocons zurückbleibenden
inneren Häutchen derfelben.