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Full text: Die Spinnereimaschinen (Gruppe XIII, Section 2,a) - Officieller Ausstellungs-Bericht

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Carl Kohn. 
Die erwähnte Vereinfachung der Mafchine ging dahin, dafs fie erftens für jedwedes 
Individuum handfam gemacht wurde, zweitens, dafs die arbeitenden Beftandtheile 
unverändert blieben und drittens, dafs die Preife derart geftellt wurden, dafs die 
Mafchinen auch dem Minderbemittelten zugänglich gemacht wurden. Das erreicht, 
war die Bafis der rafchen Nutzverwerthung der Nähmafchinen im Haufe und im 
Gewerbe. 
Die gröfste Nähmafchinen-Fabrik der Welt iftjene von Wheeler &Wil- 
fon in New-York, welche allein fchon über 900.000 Nähmafchinen in den Handel 
gebracht hat. Die Maffenfabrication in getheilter Arbeit mittelft Mafchinen ift 
derart eingerichtet, dafs jede einzelne im Handel vorkommende Nähmafchine als 
Ausftellungsobjedt benützt werden könnte. Die genannte Firma erzeugt heute 
fchon 600 adjuftirte Nähmafchinen per Tag, hat die Errichtung einer eigenen 
Näh-Garnfpinnerei für denVerbrauch ihrer Mafchinen ins Leben gerufen und über 
100 Nähfchulen errichtet, wo das Mafchinnähen unentgeltlich gelehrt wurde, nur 
um die Mafchinnäherei in allen Kneifen der Bevölkerung und in allen Ländern 
rafch zu verbreiten. 
Auch hat diefe Firma die Knopfloch-Nähapparate erfunden, die heute 
allgemeine Verwendung finden. 
Die neuefte Erfindung diefer Firma, welche die Wiener Weltausftellung 
bewundern konnte, befteht in der Nähmafchine Nr. 6, an welcher fchon feit fechs 
Jahren mit einem experimentellen Aufwand von 200.000 Dollars gearbeitet 
wurde. Diefe Univerfalmafchine näht nämlich die ftärkften Leder-Pferdegefchirre 
und die feinften Vapeurs mit einem kaum bemerkbaren Perlftich. 
Wheeler &Wilfon wurde bei allen Weltausftellungen mit den höchften 
Preifen betheilt und wurde auch in Wien ausgezeichnet. Generalagentien befinden 
fich in allen Hauptftädten Europas, ebenfo wie in allen Staaten von Amerika. 
Die amerikanifchen Firmen Howe, Singer, Secor und mehrere 
Andere liefern heute Mafchinen nach den beiden oben angeführten Syftemen, 
ebenfo wie heute englifche, franzöfifche und deutfche Mafchinenfabriken 
Nähmafchinen erzeugen. 
Die von der Firma Henrikfen in Kopenhagen exponirten Hand 
feh u h - N ä h m a fc h i n e n , ebenfo die Mafchinen von Nörholm, Bergmann 
und Hüttenmeier zeichnen fich durch befonders fleifsige Arbeit aus. 
Deutfchland, Frankreich und England haben ihre hervorragenden Leiftun- 
gen in dem Fach der Nähmafchinen - Induttrie exponirt, ohne jedoch, alle 
Schönheit und Tüchtigkeit der Leiflung wohl gewürdigt, etwas Neues gefchaffen zu 
haben. Deutfchland imponirte in Wien zumeift durch feine Maffenfabrication. 
In Oefterreich wurde die erfte Fabrik für Nähmafchinen nach Grover 
& Baker (Kettenftich-Mafchine) in den fünfziger Jahren von Louis B o 1 lm an n 
errichtet. Später gründete er eine neue Fabrik für Greifermafchinen, nach Whee 
ler & Wilfon eingerichtet, die eine Leiftungsfähigkeit von 60.000 Mafchinen 
per Jahr hat. 
Die Firma A n g e r in Hernals bei Wien producirt ausfchliefslich Schiffchen- 
mafchinen für fchwere Arbeiten, für Schuhwaaren und Kleider. 
Nachdem heute bereits alle Vorurtheile gegen die Nähmafchinen gefchwun- 
den und diefe fchon fich allerorts eingebürgert haben, ift es nicht fchwer, die Fort- 
fchritte in den einzelnen Kreifen der 1 extilinduftrie zu erkennen, die Sicherheit 
des Erwerbes für Frauen und Mädchen, die Befferung der Gefundheitsverhältniffe 
ganzer Arbeitskreife, die nicht mehr gezwungen find, für die Naht eines Hemdes 
ihre Gefundheit hinzugeben. 
Ein weiterer Verfuch, der gemacht wurde, den Frauen und Mädchen auch 
die Stricknadel aus den Händen zu nehmen und ihre Strickarbeiten ebenfalls mit 
telft S t ri ckm afc h i n e n verrichten zulaffen, hat namentlich in Amerika zu einigen
	        
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