Die nationale Hausindufttie.
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Befondere den Farben, in Rom eine ganz felbftftändige Induftrie begründet. Neben
der reinften antiken Form werden die Formen der Renaiffance treu erhalten.
Torquato Caftellani hatte in Wien eine reiche und fchöne Sammlung diefer
Gefäfse, nach den beften Renaiffancemuftern gearbeitet, zur Aufteilung gebracht,
welche von Mufeen und Kunftliebhabern zehnfach ausverkauft worden ift.
Caftellani gebührt der grofse Ruhm, zuerft den Werth der Hausinduftrie erkannt
und in der glücklichften Weife muftergiltig gezeigt zu haben, wie die in den ein-
famen Thälern der Gebirge oder der füllen bäuerlichen Wirthfchaft aufbewahrten
Schätze der Kunft ausgenützt werden müffen. Wenn er in der italienifchen Ab
theilung, in den Gruppen VII und IX ausftellte und nicht in der Gruppe XXI,
fo mag diefs daher kommen, dafs feine Thätigkeit in der That fchon der Gefchichte
angehört, in welcher fie immer an erfter Stelle genannt werden wird.
Was nun die reichen Ausftellungen der übrigen Staaten anbelangt, fo
bleibt uns nur wenig an diefer Stelle zu bemerken übrig, da lieh die einzelnen
Herren Berichterftatter je in ihren Berichten es fich nicht haben entgehen laffen,
über die anregenden Objedle der nationalen Hausinduftrie des Weiteren zu
fprechen. Insbefondere gilt diefs von den nationalen Thonwaaren, die aufser von
Portugal in wunderfchönen reichen Sammlungen durch die Türkei, Egypten,
Tunis, China und Japan vertreten war, und welche bis ins weiteftgehende Detail
in dem Berichte von Dr. Emil Teirich, Gruppe IX, Sektion 2, ihre ausführliche
Darftellung gefunden hat. Dasfelbe gilt annähernd von den nationalen Geweben
und Nadelarbeiten , welche Dr. F. Stamm in feinem Berichte über Spitzen und
Stickereien, ebenfo wie Frau Baronin Roditzky in ihrem Berichte über Frauen
arbeiten, mancher eingehenden Betrachtung gewürdigt haben. In Betreff der
Schmuckarbeiten in Metall haben wir des Beften fchon gedacht und zeigten
annähernd nur noch die Coftume einiger ungarifcher Figuren, beachtenswerthe
Filigran- und andere Goldfchmiede-Arbeiten.
Deutfchland hat überhaupt, fowie Frankreich und England das
ganze Gebiet der nationalen Hausinduftrie fehr vernachläffigt, obgleich zumeift
in dem Filigranfehmucke, wie ihn die Bäuerinnen Schwabens und Altbaierns hin
und wieder noch tragen, ebenfo intereflante Ausftellungsobjedte gegeben wären,
wie in den zierlichen Ketten und Behängen, mit denen fich die Bauein der
Donauländer ebenfo gern fchmücken als der wilde Bewohner der fchwarzen
Berge und zahlreiche andere friedlichere Stämme.
Es bleibt uns danach eigentlich nur übrig, gewiffermafsen eine Statiftik
und ein Gefammtbiid der Gruppe XXI zu geben.
Mit vollem Verftändniffe für die gegebene Aufgabe der nationalen Haus
induftrie trat in erfter Richtung Portugal und zum* T. heil auch Spanien
hervor. Hier, wie insbefondere in den intereffanten Sammlungen von Joachim
Antonio Po rg es, Ant. Man. Guerrero'und Joachim Maria d a S i 1 v a, begeg
neten wir den fchönen, nach der reinften Antike gehaltenen Thongefäfsen, welche,
wie bereits erwähnt, in einzelnen kleinen Sammlungen fchon 1867 die Aufmerk-
famkeit der Kunftfreunde im höchften Grade erregte.
Frankreich hat nichts Befonderes gebracht, da es die ganze Aufgabe
diefer Gruppe als eine blofse Darftellung derjenigen Arbeiten anfah, welche
von Frauen und Mädchen im Haufe gearbeitet werden. Das Gleiche gilt von der
Schweiz, welche felbft das ganze Gebiet der Holzfchnitzerei aus der Darftellung
der Hausinduftrie ausgefchieden hatte. Nur in einem geftickten Kopfputze der
Frauen des Cantons Uri, keineswegs durch die häusliche Arbeit erzeugt, fondein
durch eine „Käpplimacherin“, welche nach dem Mufter nationalen Gefchmackes
gewerblich arbeitet, ausgeftellt, begegnete man einem kleinen Reftchen einer
Hausinduftrie , die durch die reiche Grofsinduftrie des Landes feit Jahrzehnten
auf ein fehr geringes Mafs eingeengt wurde. Man darf fich überhaupt darüber
keiner Täufchung hingeben. In den Ländern des grofsen Induftrie- und Handels-