Darftellung der Wirkfatnkeit der Mufeen für Kunftgewerbe.
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diefen Gefichtspunkten betrachtet, kein befriedigendes Bild. Und doch fleht
dem Deutfchen eine reiche Bildung, eine altberühmte Kunfl zur Seite, zeichnet
den Oeflerreicher glückliche Naturanlagen, lebhafter Formen- und Farbenfmn
und technifches Gefchick in reichem Mafse aus. Aber die Fortfehritte des
Jahrzehntes der Weltausflellungen waren hier trotz alldem verfchwindend.
Die Arbeit, die man fo lang verfäumt, mufste nun zum erflen Gefetze
werden. In den katholifchen Gebieten am Rhein, wo man von jeher Kunfl
und Kunflinduflrie zu pflegen verftand, und wo der Glanz der katholifchen
Kirche manches Gewerbe reichlich unterflützte, vertiefte man die Quellen
der Erkenntnifs und fuchte durch glücklich errungene kunflgewerbliche Sammlungen,
der reichen Begabung des Rheinländers frifche und kräftige Nahrung zu
geben. Im Süden Deutfchlands, wo die Künfllerwelt von Schwaben, von München
und Nürnberg, in mancherlei rege Beziehungen mit Gewerbe und Induflrie getreten
war, beförderte man mit aller Haft und äufserft glücklichem Erfolge die
Errichtung von Zeichenfchulen und gewerblichen Unterrichtsanftalten für alle
Stände und jeden Arbeitskreis, und gab dadurch dem auflebenden Kunftgewerbe
eine reiche Bildungsquelle. In Oefterreich, wo fchon früher von Aefthetikern und
Künftlern die Frage der äfthetifchen Erziehung discutirt worden war, ergriffen
nun die Staatsmänner felbft die Organifation jener Mittel, von denen eine gedeihliche
Pflege des Kunftgewerbes erwartet werden konnte. Am 7. März 1863
erflofs endlich das kaiferliche Handfehreiben Seiner Majeftät an Seine kaiferliche
Hoheit, Erzherzog Rainer, in welchem die Gründung eines „Mufeums für Kunfl
und Induflrie“ angeordnet wurde. Die Schätze der Hofmufeen, Hofanftalten und
Schlöffer wurden dem neuen Inftitute zur Verfügung geftellt. Diefe kaiferliche
Liberalität regte die Liberalität des Adels und der Kirchenfürften, der Klöfter
und des befitzenden Publicums an, und fchon am 31. Mai 1864 wurde in einem
proviforifchen Gebäude das neugegründete Mufeum dem Publicum eröffnet. Erzherzog
Rainer war durch Handfehreiben vom 31. März 1864 zum Protedlor,
Rudolf von Eitelberger zum Diredlor, Jacob Falke zum erflen Cuftos des Mufeums
ernannt worden.
Es ift bekannt, was das Inftitut im Laufe von wenigen Jahren leiftete. Die
Sammlungen wurden auch in den erbärmlichen Räumen ftets glücklich aufgeftellt.
eine permanente Ausflellung von Gegenftänden der modernen Kunflinduflrie
glücklich eingerichtet, eine Gypsgiefserei und ein photographifches Atelier zur
Vervielfältigung der bellen Vorbilder vom Anfänge an hergeftellt und die
Benützung der Sammlungen und Bibliothek mit gröfster Liberalität freigegeben.
Alle Jahre befuchten mehr als Hunderttaufende das Inftitut und bis zum Jahre
1870 683.896 Perfonen; endlich drang das Mufeum von Wien in die Kronländer,
eröffnete Filialausftellungen, um diefe in den Kreis der Kunftinduftriellen Wiens
einzuziehen und betheiligte fleh an den gewerblichen Ausftellungen der einzelnen
Städte und Länder. In fünf Jahren hat das Mufeum zwanzig folcher Ausftellungen
veranlafst. Gleichzeitig erkannte das Mufeum es als feine Aufgabe, die zweckmäfsigere
Einrichtung beftehender oder die Gründung neuer Fachfchulen in
Gegenden anzuregen, v/o irgend eine Kunflinduflrie gepflegt wurde, oder die
Bedingungen für eine folche vorhanden waren. So wurden die Zeichenfchulen in
Steinfchönau und Haida reorganiflrt, eine neue in Gablonz gegründet, ebenfo wie
eine Holzfchnitzfchule in Plallein und eine gleiche zu St. Ulrich im Grödener
Thale in Tirol. Diefe Thätigkeit fand einen Abfchlufs durch die mit dem Mufeum
in Verbindung flehende und 1871 eröffnete Kunft-Gewerbefchule in Wien. In
diefem Jahre wurde auch der Schlufsftein gelegt zu dem neuen Gebäude für das
Mufeum, das auf dem Parkring eine Zierde Wiens und ein neues herrliches Denkmal
feines Erbauers, Heinrich von Ferftel ift. Aus den engen und niedrigen
Räumen einer Holzbude des Ballhaufes zog das Inftitut in die herrlichen und
grofsen Räume des neuerbauten Kunfttempels ein, ohne von feiner Organifation
felbft diefen oder jenen Zweig zu opfern. Es ift nur Alles grofsartiger entfaltet
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