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Full text : Das bürgerliche Wohnhaus (Gruppe XIX). Die nationale Hausindustrie (Gruppe XXI). Darstellung der Wirksamkeit der Museen für Kunstgewerbe (Gruppe XXII) - Officieller Ausstellungs-Bericht

DAS  BÜRGERLICHE  WOHNHAUS
MIT  SEINER
INNEREN  EINRICHTUNG  UND  AUSSCHMÜCKUNG.

(Gruppe  XIX.)

Bericht  von
D R  Carl  Th.  Richter,
k.  k.  o.  ö.  Profejßor  der  Staatsivijfenfchaften  an  der  Univerßtdt  zu  Prag.

„Diele  Gruppe  ift  beftimmt,  einen  Beitrag  zur  Löfung  einer  der  brennend
ften  focial-wiffenfehaftlichen  Fragen  zu  liefern.“  So  beginnt  das  officielle  Specialprogramm
  der  Generaldiredlion  für  die  Gruppe  XIX  der  Wiener  Weltausftellung,
und  es  mag  wohl  Recht  haben.
Durch  das  Haus  wie  durch  die  Wohnung  kann  man  nicht  nur  den  Menfchen,
  fondern  ganzen  gefellfchaftlichen  Claffen,  ja  Völkern  ins  Herz  fehen.  Das
Wohnhaus  wie  die  Wohnung  find  nicht  nur  der  Ausdruck  der  perfdnlichen  Ent
Wicklung  und  Selbftftändigkeit  desMenfchen  und  Bürgers  und  bringen  nicht  allein
Gewohnheiten  und  Charaktereigenthümlichkeiten  der  Völker  wie  der  einzelnen
Volkskreife  zum  Ausdrucke,,  fondern  fie  üben  rückwirkend  felbft  wieder  den
gröfsten  Einflufs  auf  das  Leben  des  Menfchen  und  insbefondere  der  Familie.
Wirthfchaftliche  Entwicklung,  wie  klimatifche  Verhältniffe  haben  dabei  vielfach
beftimmend  mitgewirkt.  Gewifs  ift,  dafs  den  germanifchen  Stämmen
das  Haus  und  mit  dem  Haufe  die  Häuslichkeit  ftets  einen  höheren  Werth  und
eine  gröfsere  Bedeutung  hatte  als  den  romanifchen  Stämmen  und  Völkern.
Es  liegt  daher  auch  dem  germanifchen  Leben  fehr  nahe,  im  Haufe  oder  der  Wohnung ­
  Alles,  was  dem  Leben  der  Familiengenolfen  nahe  lieht,  mit  demfelben  in
innigen  Einklang  zu  bringen;  die  Häuslichkeit  findet  allenthalben  bei  den  germanifchen ­
  Völkern  eine  Ergänzung  in  dem  Begriffe  der  Wohnlichkeit.  „Die
Wohnltube“  nimmt  daher  feit  gar  langer  Zeit,  ja  felbft  heute  noch,  wo  fich  die
focialen  Verhältniffe  fehr  verändert  haben,  eine  grofse  Bedeutung  in  dem  deutfchen
  und  englifchen  Wohnhaufe,  ja  felbft  in  der  blofsen  Wohnung  ein.  Hier
fand  und  findet  fich  die  Familie  zufammen,  hier  wird  im  engeren  Sinne  des  Wortes ­
  die  Häuslichkeit  zur  Liebe  und  Verehrung  für  das  Familienhaus.  Die  Wohn-Hube
  ziert  der  erfte  und  belle  Schmuck,  und  erft,  als  mit  den  Fortfehritten  der
Induflrie  die  Mittel  zur  Verfchönerung  fich  vermehren,  verallgemeinert  fich  im
Haufe  felbft  auch  der  Zierrath  und  die  Ausftattung,  und  künftlerifcher  Sinn  mufs
bald  die  einzelnen  Theile  der  Wohnung  nach  der  Ausftattung  in  Harmonie  brini*

            
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