Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Leistungen der Statistik und allgemeine Bildungsmittel (Gruppe XXVI, Section 6: Bildungswesen im weitesten Sinne)

22

J.  Löwenthal.

Frankreich.
Frankreich,  welches  fonft  mit  feinen  Nachweifen  nicht  geizt,  hat  diefsmal  auf
dem  Gebiete  der  Statidik  weit  weniger  geleidet,  als  erwartet  werden  konnte.  Sein
über  3664  zur  Ausheilung  gelangte  Gegendände  fich  erftreckender  Katalog  ift
eine  reine  Nomenclatur  ohne  fonftige  Andeutungen,  wie  die  Specialkataloge  der
meiden  anderen  Staaten  fie  geboten  haben.  Seit  dem  letzten  Kriege  find  überhaupt
die  gewöhnlichen  amtlichen  Veröffentlichungen  über  die  commerciellen  und  indudriellen
  Verhältniffe  unterblieben.  Indefs  haben  die  Miniderien  des  Innern,  des
Handels,  des  Ackerbaues,  der  öffentlichen  Arbeiten,  der  Marine  und  derColonien,
eigens  für  die  Weltausdellung,  einige  „Studien“  und  „Notizen“  abfaffen  laffen,
denen  wir  folgende  Daten  verdanken,  die  jedoch  feiten  über  das  Jahr  1870  hinausreichen.— ­
  Der  vom  Miniderium  des  Ackerbaues  und  des  Handels  veröffentlichten
„Notice  sur  les  objets  exposes“  entnehmen  wir,  dafs  Frankreichs  Flächenraum,
welcher  nach  der  im  Jahre  1840  erfolgten  Meffung  54,305.100  Hektaren  umfafste,
fich  in  Folge  der  Gebietsabtretung  im  Jahre  1871  auf  52,857,700  Hektaren  vermindert ­
  hat.  Die  Landwirthfchaft  id  von  Jahr  zu  Jahr  vorgefchritten  und  vom  Jahre
1840  bis  1862  wurden  allein  4,201.612  Hektaren  in  urbaren  Zudand  gefetzt.  Die
landwirthfchaftlichen  Werkzeuge  haben  fich  fehr  vervollkommnet.  Im  Jahre  1862
zählte  man  81,  im  Jahre  1868:  2253  mitteld  Dampf  in  Bewegung  gefetzte  Drefchmafchinen.
  —  Die  Bevölkerung  verminderte  fich  von  38,065.064  Einwohnern  im
Jahre  1866  in  Folge  der  Gebietsverlude  im  Jahre  1871  auf  36,102.921,  von  denen
ungefähr  der  fünfte  Theil,  ohne  die  Frauen,  Kinder,  Pächter  und  Taglöhner,  fich
dem  Ackerbau  widmet.  Wie  der  Anbau  der  Cerealien  hat  auch  jener  der  indudriellen
  Pdanzen  als  :  Zuckerrübe,  Hanf,  Flachs,  Rübfaat,  Karden  u.  f.  w.  bedeutend
zugenommen,  und  ohne  die  Traubenkrankheit  während  der  Jahre  1850—185$.  und
die  jetzt  in  einigen  Landestheilen  vorherrfchende  Phylloxera  würde  derWeindöck
in  Frankreich  mindedens  2,500.000  Hektaren  datt  2,287,821  Heclaren  im  Jahre
1866  bedecken.  Die  Rindviehzucht  macht  ununterbrochen  Fortfehritte,  während  die
Zahl  der  Schafe  abnimmt.  Die  Wichtigkeit  der  Geflügelzucht  geht  fchon  daraus
hervor,  dafs  im  Jahre  1869:  29,093.802  Kilogramme  Eier,  im  Werthe  von  36,367.252
Francs  ausgeführt  werden  konnten.  Frankreich  felbd  verbraucht  jährlich  ungefähr
420.000  Ochfen,  1,130.000  Kühe,  3,350.000  Kälber,  5,640.000  Schöpfe,  1,290,000
Lämmer  und  4,290,000  Schweine.
Die  Rübenzucker-Produclion  hat  eine  fehr  grofse  Ausdehnung  erlangt.  Im
Jahre  1840  auf  26,939,857  Kilogramme  befchränkt,  erreichte  fie  im  Jahre  1871
336,249.624  Kilogramm  und  484  Fabriken  befchäftigten  fich  damals  mit  der
Erzeugung  des  Rübenzuckers.  Wie  fehr  die  Seidenprodudlion  durch  die  Raupenkrankheit ­
  gelitten  hat,  ergibt  fich  daraus,  dafs  diefelbe  datt  25,000.000  Kilogramme
im  Jahfe  1854  im  Jahre  1869  auf  8,000.000  Kilogramme  befchränkt  war.  —  Auch
durch  die  Viehfeuche,  die  befonders  im  Jahre  1870—1871  dark  wüthete,  hat  Frankreich ­
  fehr  gelitten,  indem  der  Werth  des  in  demfelben  Jahre  umgekommenen  Rindviehes ­
  27,333.787  Francs  betrug.
Man  hätte  glauben  können,  heifst  es  in  der  vom  franzöfifchen  Miniderium
für  die  Weltausdellung  veröffentlichten,  fehr  gründlichen  Studie,*;  dafs  die  Eifenbahnen
  den  anderen  Verbindungsdrafsen  ihre  Wichtigkeit  entziehen  würden;  es
zeigt  fich  jedoch,  dafs  der  Verkehr  auf  denfelben  eher  zugenommen  hat,  die
Regierung  wendet  daher  ihnen  wie  dem  Brückenbau  dets  die  gröfste  Aufmerkfamkeit
  zu.  Während  der  Jahre  1814—1870  wurden  für  den  Strafsen-  und  Brückenbau
1.931.642.000  Francs,  mithin  im  Durchfchnitte  jährlich  33,894.000  Francs  verausgabt. ­
  Die  Länge  der  bis  Ende  1870  dem  Betriebe  übergebenen  Eifenbahnen  wird

*)  Etüde  historique  et  statistique  sur  les  voies  de  communication  de  la  France,  par
M.  Felix  Lucas.  Paris,  imprimerie  nationale  1873.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.