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Dr. J. E. Polak.
erhalten wcrdem kann. 2. In den unglücklichen Pachtverhältniffen und der geringen
iheilnahme des Ackerbauers am wirklichen Bodenbelitz; vorzüglich aber in den
I ujul s, eine Inftitution, kraft welcher der Ertrag von Regierungseigenthum an
einzelne Beiamte ftatt des Gehaltes überlaffen wird, und es im Intereffe des Con-
ceffionars hegt, fo fchnell als möglich Geld herauszufchlagen. Dörfer diefer Art
gehen gewöhnlich nach einigen Jahren zu Grunde. 4. In der Bedrückung der
Gouverneure und ihrer Unterbeamten. 5. In der manchmal eintretenden beifpiel-
lolen Dürre während der Winterzeit, wodurch die Wafferleitungen im Sommer
verfiegen. 6. Im Infetftenfrafs, vorzüglich von Heufchrecken in den füdlichen Pro
vinzen. 7. In dem Mangel aller fahrbaren Strafsen und Unmöglichkeit gröfserer
iransporte. 8. In dem Kornwucher der Gouverneure und Machthaber, denen allein
Magazine anzulegen möglich ift und die auch bei Unmöglichkeit der Zufuhr die
Preife nach Willkür in die Höhe treiben. Unter folchen Verhältniffen ift es erklär
lich, dafs felbft der fleifsige Landmann nur fo viel baut, als er beiläufig für das
Jahr bedarf und fich mit keinem Vorrath verfieht.
Einer vorzüglichen Pflege erfreut fich dieObftzucht, welche durch die
veifchiedenen Elevationen und feltenen Frühlingsfröfte eine befondere Ergiebig
keit und Mannigfaltigkeit entfaltet, reichlich den Markt auch für die ärmfte Claffe
verfieht und auch einen hübfehen Ertrag durch Ausfuhr des getrockneten Obftes
liefert; zu letzterem gehören Mandeln, Pflaumen, Aprikofen, Rofinen und Korin-
then. Dm Rebe wird faft im ganzen Lande cultivirt, nur in den Urwäldern am
Cafpifee wächft f.e wild und rankt fich in fchwindelnder Höhe, um Licht zu
geumnen, von Baum zu Baum. Sie gedeiht bis zur Meereshöhe von 4500 Fufs.
Jede Gegend hat ihre verfchiedenen Sorten von Trauben, die auch verfchiedene
INamen fuhren. Die Verwendung der Trauben ift fehr mannigfaltig, fie dienen:
1. Zum Confum; 2. werden die unreifen Trauben geprefst und der Saft (vert jus)
theils zum koftlichen Sorbet verwendet, theils läfst man ihn gähren und bewahrt
im ür das ganze Jahr in Krügen auf; 3. werden fie in enormen Quantitäten
getiocuiet und als Rofinen und Sultaninen vielfach verwendet und nach Rufsland
ausgeführt, 4. wird der Saft bis zur Honigconfiftenz eingedickt und in Bock-
fchläuche gefüllt. Diefer Roob, Schire genannt, von köftlichem Gefchmack, vertritt
bei mittleren Claffen die Stelle des Honigs und des Zuckers. Sollte mit der Zeit
der Iiansport nach Europa billiger iverden, fo wird diefer vorzügliche Roob dazu
dienen, um in kalten Jahren die wenig füfsen Weine zu veredeln; 5. bei dem
grofsen Erträgnifs werden die minder guten Sorten, eben fo wie die Treber zur
Effig- und Branntwein-Erzeugung benützt; 6. werden die fogenannten Malaga
trauben für den Winter confervirt; 7. endlich dienen fie zur Weinbereitung, zu
letzter ebenfo wie zum durchfchnittlichen Confum meift die Trauben ohne Kern.
Das Verbot des Weingenuffes nach mufelmanifchem Gefetz wird auch zum grofsen
Schaden des Landes auf die Weinbereitung ausgedehnt, fie ift nur unter unend
lichen Reftri&ionen den Chriften und Juden geftattet, daher die Ausfuhr auch
fehr gering, zumal die Fabrication von Fäffern im Lande unbekannt ift. Sollte
doch mit der Zeit ein rationelleres Syftem eintreten, fo ift bei der Güte und
Mannigfaltigkeit der Trauben ein ungewöhnliches Einkommen zu erwarten, zumal
das Pafchalik Bagdad und Indien feinen Bedarf von dort decken könnten. Die
perfifchen Weine find nicht füfs, fondern ftark alkoholhaltig und darum fehr halt
bar. Berühmt find die Weine von Schiraz (Choller), von Isfahan, Hamadan (den
europäifchen am ähnlichften) und von Cafwin. Sie werden in ftarke kalabaffen-
artige Glasflafchen, Erzeugniffe des Landes, gefüllt, ftatt mit Kork mit Baumwolle
verfpundet und mit Harz verpicht. Diefem Baumwoll-Verfchlufs ift auch theil-
weife die grofse Haltbarkeit zuzufchreiben, da bekanntlich Baumwolle' den
Zutritt der in der Luft fchwebenden Pilze verhindert. Der Wein dient zumeift
zum inneren Confum, eine geringe Quantität geht nach Indien und Bagdad.
Der Effig des Landes ift wegen feiner edlen Herkunft von befonderer Lieb
lichkeit.