Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen.
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Durch die geräumige Stellung der Zwiefeln, die gerundete Seitenform des
Sitzleders, die mäfsige Polfterung zu beiden Seiten des Mitteltheiles der Satte -
Sitzdecke, deren aus dem Kerne eines im Glanz geftofsenen Terzenleders von
vorzüglicher Qualität gefchnittenen Tafchen und ihren Kniepaufchen fleht dieier
Sattel, abgefehen von einem leicht zu erzielenden gleichmafsigen Sitze, an Be
quemlichkeit dem englifchen Pritfchfattel wenig nach. _
Als Unterlage dient eine im Quadrat 5b Zoll meffende, vierfach zufammen-
zulegende weifse Wolldecke und, um den Sattel in feiner ihm angewiefenen Lage
zu erhalten, je ein an den Seitenblättern befeftigtes, doch zum Herabnehmen
eingerichtetes, V”. Zoll ftarkes Filzblatt. . .
Die Ober- und Untergurte, das Vorderzeug, die Steigbügel- und Packriemen
der Kochgefchin-Tragriemen und der Stallhalfter-Anhängnemen find gleich dem
Zaum aus fchwarzemBlankleder erzeugt und die Eifentheile der ganzen Pferderuftung
verzinnt, wodurch die Reinigung eine einfache, wenig Zeit in Anfpruch nehmende ift.
So verfchiedenartig die Bekleidung und Ausrüftung der Heere, fo mannig
fach ift die Art der Befchaffung ihrer Bedürfniffe. , r
Während z. B. Preufsen nur die Einlieferung von Tuchmaterial.en der
dir affe und Kochgefchirre an die Bemontirungsdepots unter direcfter Beauffichti-
gung der Kriegsverwaltung für opportun hält und alles Uenige t eil nippen
paufchalirt; Rufsland, England und Italien ihre Bedürfniffe theils durch Erzeugung
in eigenen Werkftätten, theils durch die Privatinduftrie decken: hat die ofter-
reichifche Kriegsverwaltung ihr Gefammterfordernifs an Bemontirungs- and Aus-
rüftungsgegenftänden in die Hände einer, über bedeutende Capitalien und diefen
entfprechende Arbeitskräfte verfügende Gefellfchaft gelegt.
Die von diefer Gefellfchaft erlegte Caution befteht in einer grofsen, den
Werth von 3 Millionen Gulden repräfentirenden Anzahl fertiger Sorten, welche
bei den Montur-Verwaltungsanftalten d.eponirt find und der Heeresverwaltung als
Kriegsreferve-Vorrath zur Verfügung ftehen.
Ihre mit Mafchinen neuefter Conftruaion ausgeftatteten Tuch-, Wollftoff
und Calicotfabriken find im Stande, ungleich mehr Material zu erzeugen als der
normale Tahresbedarf erheifcht, fowie deren gut eingerichtete, mechanifche
Werkftätte zu Wien ihrer Aufgabe nicht nur ftets rechtzeitig entfprochen hat, fondern
oft in die Lage verfetzt war, einen grofsen Theil ihres Perfonales wegen Mangels
an Arbeit zeitlich zu entladen. „ „ . , ,
Durch die von fachkundigen Militärorganen ausgeubte Contiole der zur
Verarbeitung gelangenden Rohmateriale, fowie der Infpicirung der Fabriken
und unausgefetzten Ueberwachung der Confedionsanftalten wird die endgil ige
Uebernahme der fertigen Sorten wefentlich erleichtert und befchleunigt, un
zugleich der Kriegsverwaltung hiedurch eine genügende Garantie gegen Ueber-
' ° Uhe Sclüiefslich erwähnen wir der öfterreichifchen Armee-Orgamfation, infoweit
' diefe die fchnellere Bekleidung und Ausrüftung berührt.
Die Truppen find, mit Ausnahme der aus allen Theilen der Monaichie
fich recrutirenden Artillerie und der Specialwaffen, fowie jener Regimenter,
welche die Garnifonen gröfserer Städte und Plätze bilden grundfatzlich in ihren
Ergänzungsbezirken mit den die Augmentationsvorrathe aufbewahrenden Refeive-
commanden und Depotkörpern entweder unmittelbar vereint, oder in ihrer
Nähe untergebracht, wodurch die Aufftellung der Augmentationen binnen wenigen
Tagen bewerkftelligt fein kann. . . c , . , 11Tir i
Die Augmentationsvorräthe der Artillerie, der Specialwaffen und de
Trainwefens erliegen bei deren Stammkörpern, fowie jene der Heeresanftalten
bei diefen felbft aufbewahrt werden. ■■ WAUansftellumr
Zum Schluffe fei die Anmerkung geftattet, dafs eine nachfte Weltausftellung
1 die vorliegende Krage nicht unterfchätzen möge. Das gefammte Heereswefen bildet
einen bedeutenden Faflor für die ganze wirthfchaftliche Prodt.aion.