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Full text: Kirchliche Kunst (Gruppe XXIII), officieller Ausstellungs-Bericht

G 
Hans Petfchnig. 
Ei ne Empore läuft im Innern herum und die Decke ift gewölbartig gefchalt.. 
Kleine Kleeblatt-Fenfter mit Butzenfcheiben erhellen fpärlich den Raum. 
, en " < ]I le [ er Ba "’ Wle er ira Ausftellungsraume zu fehen war, vollftändig 
kirchlich mftallirt worden wäre, fo hätte die Inneneinrichtung auch Gelegenheit 
5 u e ° rigIne A lle , n Arbeiten - wie Ach in ihrer traditionellen Einfachheit 
h i abe ni ZU /i, An ^ Ch r a r nS ZU bringen ' und fo einen Vergleich zu geftatten, 
wie das kunftlerifche Gefühl für ideale Zwecke auch mit befchränkten Mitteln 
Dütes und Schönes an verfchiedenen Orten zu leiften vermag. 
Ein kleiner Tempel in der externen japanefifchen Abtheilung aus Zeclern- 
lz zeigte uns dagegen wieder eine ganz eigentümliche Stilifirung der Aus- 
rorm UC f h ng <ifrr bei B att u' erk ’ Vögel etC ' ’ Bron celöwen, welche ftark an die 
lomanifche Stilifirung mahnen, als Aufsenfchmuck dienten. 
, t I " duftnepal a fte fel bft fahen wir zwei Modelle des Tempels Naiku, wo 
Amaterafu Ohomirkami, die Ahnfrau des kaiferlichen Haufes, verehrt wurde, und 
welcher vor 2025 Jahren erbaut worden fein foll; ferner Gekwu, beftimmt zur 
Anbetung von Kumrotokachino Mikoto, unferes Schöpfers, vor 139b Tahren erbaut. 
Die beiden Tempel find ohne allen Schmuck aus Zedernholz hergeftellt 
mit einem Stroh- oder Rohrdach verfehen, und liegen in einem eingefriedeten 
Raume der noch mehrere andere kleinere Bauten einfchliefst. Der erfte heifst 
auch der innere, der zweite der äufsere Tempel. Das hohe Alter befitzen jedoch 
diefe Holzbauten nur dem Principe nach, da felbe alle 21 Jahre ganz neu. edoch 
vollkommen identifch mit den alten, wieder erbaut werden. 
Auch China brachte mehrere Modelle von Pagoden und heiligen Stätten 
aus Marmor angefertigt. ® 
Intereffant war die aufgeftellte Betmafchine. An einem einfachen Geftelle 
welches durch zwei Querleiften verbunden ift, fleht fenkrecht eineAchfe, um diefe 
dieht fich ein Tambour, roth lackirt, mit ornamentirten, vergoldeten Rändern. An 
cheiei Trommel ift das Gebet mit grofsen, in Relief gehaltenen, vergoldeten 
Buchftaben in chmefifcher Schrift angebracht. So oft nun die Trommel umgedreht 
wird, ilt das Gebet als gefprochen zu betrachten. Bei einiger Uebung kann man 
lafch mit der nothigen Anzahl von Gebeten fertig werden. Es ift diefs der höchfte 
Ausdruck des Formalismus, der leider in den meiften Religionen das Geiftige 
Überwuchert und fo zum Indifferentismus führen mufs 
1 rrr “ m “ lttelbarer Nähe diefer den Europäern fremden Welt trat uns die 
claffifche Welt der alten Griechen entgegen. Abgüffe, fowohl von Götterbildern, 
fieihch in meift yerftünimeltem Zuftande, ferner Bauformen antiker Tempel, und 
za 1I1 eiche höchfl intereffante Photographien, unter denen jene vom Erechteon und 
Akropolis hervorvorragten, fchmückten die Ausflellung. 
Auch Photographien fpäterer griechifch-byzantinifcher Kirchen-Bauwerke 
zeigten uns die Umwandlung kirchlicher Architektur auf jener Stätte durch die Ein 
führung der chriftlichen Religion. 
Mit Bedauern fah der Kunflforfcher diefe Rette der hochtten idealen 
Kunttblüthe zerbröckelt und inStaub verfunken; doch der Geift, der fo Edles und 
Schönes gefchaffen, er lebt fort und befruchtet noch fortwährend das Kunttbeftreben 
der nachlebenden Generationen. 
Angrenzend bot Rufsland einige Photographien ruffifcher Kirchen, in 
jener, man kann fagen, barbarifch-pittorefk ausgeftatteten byzantinifchen Kunft, in 
welche fpäter tartarifche Formen einbezogen worden find. 
Hervorragend und immer tonangebend für diefe Bauten itt die Kathedrale 
\ afili Blagenoi zu Moskau. Trotz der fpäteren Einführung des abendländifchen 
Stiles unter Peter dem Grofsen wurde der alte ruffifch-byzantinifche Stil für 
Kiichen und kirchliche Gebäude ebenfo für ihre Ausftattung beihalten und wird 
noch heute cultivirt, wie es das preisgekrönte Concursprojettt der Kathedrale von
	        
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