Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kirchliche Kunst (Gruppe XXIII), officieller Ausstellungs-Bericht

Kirchliche  Kunft.

9

Zeichnung,  fleifsig  und  fauber  gearbeitet,  fowohl  in  den  Gefimsgliedern,  als  auch
in  der  Ornamentik  reich  und  tüchtig  ausgeführt.  Die  drei  Felder,  welche  mit
gemalten  Bildern  auf  Goldgrund  ausgefüllt  waren,  dürften  bei  einer  definitiven
\  erwendung  durch  polychromirte  Reliefs  erfetzt  werden  müffen,  was  dem  Stile
entfprechender  wäre  als  die  gemalten  Darftellungen.
In  nächfler  Nähe  diefer  Arbeit  Hand  ein  ziemlich  grofses  Modell  eines
reich  detaillirten  Altars  aus  Sandflein  von  Neuwirth  aus  Meidling  bei  Wien.
Obgleich  manche  Fehler  in  Bezug  auf  die  Gliederung  vorhanden  waren,  fo
wai  die  grofse  Arbeit  doch  für  einen  einfachen  Arbeiter  ein  verdienflvolles  Werk,
und  zeugte  von  anerkennungswerthem  Kunflfbreben.
Dei  in  Gypsmarmor  ausgeführte  mufivifche  Tabernakelaltar,  welchen  Ignaz
Fleinze  aus  Wien  in  der  englifchen  Kirche  ausgeflellt  hatte,  und  deffen  Auffatz
mit  emaillirten  Platten  gefchmückt  war,  kann  nicht  zur  Nachahmung  empfohlen
werden,  denn  die  kirchliche  Kunft  foll  im  Material  vor  Allem  echt  fein.  Sind  die
Koften  für  Marmor  zu  hoch,  fo  nehme  man  Sandflein  oder  Holz,  felbft  weiches,
wenn  polychromirt,  ifl  ricntiger  in-der  Anwendung  als  diefer  nachgeahmte  Marmoi,
  welcher  doch  immer  auf  den  erften  Blick  als  unecht  zu  erkennen  ifl.
Friedrich  Pichler  aus  Wien  flellte  dafelbfl  einen  Renaiffance-Altar  mit
polychiomii  ten  Figuren  aus.  Hier  wurde  das  in  der  Renaiffance-und  Zopfperiode
allgemein  angewendete  Mittel,  Holz  durch  Anftrich  in  Marmor  zu  verwandeln,
beibehalten.  Der  ganze  Bau,  fowie  die  Figuren  waren  aber  recht  mittelmäfsig  und
können  keine  weitere  Würdigung  für  fich  in  Anfpruch  nehmen.
\  iel  belfer  und  von  ruhiger  Wirkung  war  der  fpätgothifche  Altar  von
J.  Munter  aus  Karnad  in  Tirol.  Hier  war  das  Holzwerk  reich  vergoldet  und
durch  verfländige  Polychromie  gehoben.
In  der  Rotunde  war  ebenfalls  ein  fpätgothifcher  Altar  von  Gregor  Zavadil
  aus  Znaim  aufgeflellt,  welcher  in  ganz  richtiger  Polychromirung  und  Vergoldung ­
  eine  ganz  treffliche,  einheitliche  Wirkung  machte.
Ein  grofser  Renaiffance-Altar  von  11  d  e  n  y  i  Käroly  aus  Pefl  lehnte  an  einem
Pfeiler  der  Rotunde.
Es  war  geradezu  jammervoll  anzufehen,  wie  das  weiche  Holzwerk  durch
#  e * nen  S anz  miferabel  ausgeführten  Anftrich  das  Anfehen  von  Marmor  und  Malachit
erhalten  follte.  Die  grofsen  Figuren  flraiilten  ganz  in  Vergoldung  und  fchienen
als  Beifpiel  aufgeflellt  worden  zu  fein,  wie  man  es  nicht  machen  foll,  denn  der
ziemlich  gute  Entwurf  war  durch  den  Anftrich  total  um  feine  Wirkung  gebracht
worden.
Auch  aus  München  war  ein  wenig  wirkungsvoller  Renaiffance-Altar  von
Hans  \  ordermayer  in  der  Abtheilung  des  deutfchen  Reiches  aufgeflellt.
Die  bekannte  May  e  r’fche  Kunflanflalt  hatte  fehr  bedeutend  ausgeftellt,  und
wai  von  vornherein  zu  erwarten,  dafs  eine  fo  renommirte  Anflalt  Bedeutendes
leiflen  werde.
Grofsartig  angelegt  und  reich  durchgeführt,  machte  ein  durch  Vergoldung
und  Polychromie  gehobener  romanifcher  Altar  eine  bedeutende  Wirkung,  doch  war
das  Ganze  zu  hoch  aufgebaut  gewefen,  was  bei  Altären  romanifchen  Stils  nicht
paffend  und  nicht  richtig  ilt;  der  romanifche  Stil  will  mehr  die  Breite  als  Höhe
betont  wißen  und  unterfcheidet  fich  dadurch  von  den  aufflrebenden  gothifchen
Altar-Bauwerken.
Auf  die  zahlreichen  anderen  Arbeiten  diefer  Anflalt  kommen  wir  im  Verlaufe
unferer  Befprechung  am  paffenden  Orte  noch  zurück.
Muflergiltig  aufgelöfl  dagegen  war  ein  romanifcher  Altar  aus  Bronce  von
P  o  u  ffi  1  q  u  e  Rufand  aus  Paris.
Freilich  ifl  hier  edles  Material  mit  reicher  feiner  Ornamentirung,  die  eben
in  Bronce  fchön  ausgeführt  werden  kann,  verwendet;  hiezu  kommen  noch  die
fchönen  Emails  und  die  gefchmackvolle  Adjuflirung  mit  den  ebenfo  reich  durchgeführten
  Leuchtern.  Die  feine  Vergoldung  und  Zifelirung,  Alles  wirkte  zufammen,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.