Kirchliche Kund.
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war, wurde felbe durch das fleifsige Studium der mittelalterlichen Monumental
werke wieder wachgerufen. Vor Allem hatte das neue Aufblühen der gothifchen
Architektur diefen Schmuck, als Hauptbedingung eines kirchlichen Baues, in
feiner Wirkung betont, und fo entflanden wieder nach kleinen Anfängen und
mifsverflandenen Verfuchen einzelne Glasgemälde, bis fich allmälig eine Ent
wicklung zeigte, die Werke herftellte, welche mit den alten wetteifern konnten.
Hat man in München unter dem grofsen Kunflkönig Ludwig den falfchen
Weg eingefchlagen, auf einer Platte ganze Gemälde darzuftellen, und felben den
Charakter von durchfichtigen Oelgemälden zu geben verflicht, fo ifl man fpäter
auf den richtigen Weg gelangt, das Glasgemälde mufivifch zu behandeln, in der
Compofition Rückficht auf Fenflerconflrudlion zu nehmen und ein Glas bei-
zufchaffen , welches durch feine Stärke den äufseren Witterungsverhältniffen
widerfleht, das Tageslicht nur durchfchimmern läfst und doch intenfiv und reich
haltig in den Farbennuancen fein kann.
Die Generaldireclion hat diefem Zweige der Kunflinduflrie mit guter
Beachtung feines modernen Charakters eine eigene Gallerie in der Krieau bauen
laßen, und fo für Glasgemälde einen internationalen Sammelpunkt gefchaffen.
Leider haben bedeutende Anfbalten ihre Anmeldung zurückgezogen , wodurch
Lücken in der Gallerie entflanden find, die Hörend auf die Gefammtausflellung
wirkten.
Zwei grofse Glasgemälde von mehr als 40 Fufs Höhe find nun vor Allem
zu beachten.
Es find diefs das für Mödling beflimmte grofse Fenfler, welches J. Neu
hau fe r aus Innsbruck ausgeflellt hat, und jenes von F. X. Z e t tl e r aus München,
welches eigens für die Ausflellung angefertigt wurde.
Das Mödlinger Fenfler wirkt durch die einheitliche Compofition von Pro-
feffor K1 e i 11, während Zettler darauf bedacht war, das Fenfler auch im Noth-
falle theilen zu können, und fo auf die einheitliche Gefammtwirkung nicht das
ganze Gewicht legen konnte.
Während man im Mödlinger Fenfler die ausgeprägte Manier des Profeffors
Klein, der fich zumal am Rhein und in Holland die Anerkennung der dortigen
f achmänner erworben hat, fogleich erkennt, machen fich im Zettler’fchen Fenfler
die Studien nach Fiefole mit den einfachen, in langen Linien abfallenden
Gewandungen geltend.
Farbenprächtig find beide und Zettler hat mit Verfländnifs auch folche
Gläfer zu benützen gewufst, die fchon an und für fich eine fanfte Abtönung vom
lichten in den tieferen Ton haben.
In alten Glasgemälden, ich erinnere an die fchönen Fenfler in Viktring
aus dem vierzehnten Jahrhundert, ifl die Verwendung von abgetöntem Glas an
vielen Stellen erfichtlich, fo bei demFifch als Helmzier, der am Kopfe blafs, gegen
die Schwanzfpitze tiefroth nuancirt ifl.
Neuhaufe r hatte aufser dem Mödlinger Fenfler noch zwei kleinere
fchlanke Fenfler für St. Valentin, ein flreng romanifches für Grofsmartin in Cöln
und ein Renaiffancefenfter, fchön in der Compofition und Färbung, gebracht.
M e y e r’s Neffen aus Böhmen haben keine fachmännifche leitende Hand,
daher die Glasgemälde, welche fie ausflellten, den ernflen Anforderungen unferer
Zeit nicht genügen konnten; auch Heilig in Wien hat nicht die richtige Manier.
Die Bilder fallen zu porzellanartig aus. Das Glasgemälde aber hat in den meiften
Fällen von der Entfernung zu wirken.
G e i 1 i n g aus Wien hat im letzten Momente feine Anmeldung zurückgezogen,
was fehl* zu bedauern war. Uebrigens waren von ihm die grofsen halbkreis
förmigen Fenfler am Süd- und Nordportal, welche die bedeutende Stellung des
Künfllers in der Glasmalerei genugfam zeigten.
Die deutfchen Glasmaler haben kleinere Glasgemälde gebracht; die meiflen
Ktinftler aber haben ihre erfte Anmeldung fpäter zurückgezogen, wefshalb diefe