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Full text : Kirchliche Kunst (Gruppe XXIII), officieller Ausstellungs-Bericht

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Hans  Petfchnig.

Richtung  der  deutfchen  Kirchenkunft  nicht  fo  ganz  gut  vertreten  war  als  man  nach
den  Anmeldungen  hätte  glauben  können.  Meid  der  fpätgothifchen  Richtung
angehörig,  find  befonders  die  Umrahmungen  der  deutfchen  Bilder  ftark  verzopft
die  Figuren  find  zu  ftark  ausgefleifselt.  Kellner  aus  Ulm  hat  ein  altes  Glasgemälde
  fo  gut  imitirt,  dafs  man  es  in  der  That  für  ein  altes  halten  konnte.
Einzelnes  der  deutfchen  Glasmaler  war  übrigens  ganz  anerkennungsvverth.
H -  Dobbeltaire  aus  Brügge  hat  den  Stammbaum  Chrifti  in  romanifcher
Weife  hergeftellt,  und  hier  durch  Retouchirung  der  Scheiben  dem  Alter  nachgeholfen. ­
  Allein  wenn  man  die  Delicateffe  der  alten  romanifchen  Ornamente
wie  z.  B.  die  von  N.  Kreutz  bei  Baden  kennt,  fo  fah  man  hier,  dafs  dem
Ornamente  die  Zartheit  und  feine  Detaillirung  fehlt,  welche  die  alten  Kunftwerke
fo  fehl-auszeichnet.  Die  Figuren  waren  aber  gut  ftilifirt,  nur  die  Madonna  mit
dem  Chriitiiskinde  ftand  nicht  ganz  im  Einklänge  mit  den  übrigen  Figuren.
Walravens  aus  Brüifel  war  nicht  bedeutend.
Obwohl  Frankreich  mehrere  grofseBilder  erft  im  letztenMomente  abgemeldet
hatte,  war  es  doch  gut  vertreten,  aber  zeigte  weniger  Einheit  als  Deutfchland  und
Oelterreich  und  vertrat  alle  möglichen  und  unmöglichen  Richtungen.
A.  L  u  ff  o  n  &  Leon  Lefevre  aus  Paris  ftellten  ein  romanifches  Fenfter
aus  vorherrfchend  in  Blau,  brillant  in  den  Farben,  emailartig  wirkend  in
Zeichnung,  Ornament  und  Raumeintheilung  ftreng  ftiliftifch  durchgeführt.
Ein  kirchliches  Renaiffancefenfter,  die  Magdalena  und  die  drei  Frauen
beim  Grab  Chrifti,  war  zwar  äufserft  brillant  in  der  Farbenwirkung  und  delicat  in
dei  Ausführung,  allein  es  überfchritt  vollftändig  die  Grenzen  der  Glasmalerei
und  war  ein  durchfichtiges  Oelbild.  Die  Darftellungen,  Iandfchaftliches  Beiwerk
und  architektonifche  Umrahmung,  waren  ganz  naturaliftifch  aufgefafst;  der  Effect
war  es,  der  hier  erftrebt  fein  wollte.
In  einem  glücklichen  Gegenfatze  zu  diefen  Glasgemälden  ftand  jenes  von
Attin  aus  Chartres..  Es  war  eine  vorzüglich  gelungene  Imitation  eines  Glas
fenfters  aus  St.  Quentin,  dem  XVI.  Jahrhundert  angehörig,  und  ftellte  die  Enthauptung ­
  der  heiligen  Barbara  vor,  mit  gleichzeitiger  Darftellung  von  auseinander ­
  liegenden  Epifoden.  Hier  wurde,  um  das  Alter  täufchend  nachzuahmen,
auch  retouchirt,  eine  Manier,  welche  die  Franzofen  gerne  bei  neuen  Glasgemälden
ausführen.  So  find.die  Fenfter  der  neu  erbauten  Kirche  von  St.  Denis  bei  Paris
durchweg  alt  gemacht.  In  Deutfchland  und  Oefterreich  fcheut  man  fich  vor
folchen  Xunftgriffen  und  überläfst  die  Patina  der  Zeit.

Lorin  hatte  ein  Bild  im  romanifirenden  und  eines  im  Renaiffanceftü
gebracht.  Die  Gemälde  waren  gut,  aber  ftanden  nicht  in  erfter  Linie.
Didron  aus  Paris  hingegen  hatte  im  „Schiff  Petri“  ein  ganz  vorzügliches
Werk  geliefert,  nur  waren  die  Figuren  etwas  zu  gedrängt  und  zu  grofs  für  das  Format.
Prächtig  und  charakteriftifch  find  die  Köpfe,  reich  und  in  vorzüglicher
Farbenwirkung  die  Gewandungen  gewefen.  Das  Schiff'  ift  mit  „Cie“  gezeichnet
und  durch  kleine  Thürmchen  decorirt.  Die  farbigen  ornamentalen  Fenfter,
welche  Didron  ausftellte,  waren  von  fehr  brillanter  und  doch  harmonifcher  Farbenwirkung ­
  und  gut  ftilifirt.

Eine  unmögliche  oder  wenigftens  nicht  zu  billigende  Richtung  für  Glasgemälde ­
  vertrat  das  grofse  Senfationsbild  von  Charles  des  Cranges  zu  Clermont
  h  errand,  „der  letzte  Curaffier“  aus  der  Schlacht  von  Reichshofen,  auf
einem  Schimmel,  nahezu.in  Naturgröfse  und  fo  naturaliftifch  als  möglich  gemacht.
Die  fenfationelle  Abficht  drängte  fich  in  diefem  Vorwurfe  auf  den  erften
Blick  auf;  und  man  mufs  Mühe  und  Arbeit  bedauern,  die  auf  eine  fo  verfehlte
Aibeit  angewendet  worden  find.  Solche  Gefchichten  find  fo  wenig  geeignet  für
Glasfenfter,  als  der  Egyptograph  im  fchwarzen  Frack  mit  Notizbuch^und  Griffel
unter  egyptifchen  Alterthümern,  welchen  Befnard  aus  Lyon  ausgeftellt  hat.
Ebenfo  gehört  das  Glücksrad  mit  den  fünf  nackten  Frauengeftalten  der  Zeichnung
nach  in  das  „Journal  amufant“.
            
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