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Volltext: Kirchliche Kunst (Gruppe XXIII), officieller Ausstellungs-Bericht

Kirchliche Kunft. 
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Concurrent in den frommen Schwellern zum Kinde Jefu in Döbling, welche vom 
Rhein her Stickereien und geübte Stickerinen acquirirt hatten. 
Während die Induftriell en Steuern zu zahlen haben, ihnen 
auch bedeutende Regieauslagen für Arbeitsfäle und Arbeits 
kräfte erwach f e n,. fallenfür die frommen, vom Erzbifchofbefon- 
ders protegirten Schwefbern diefe grofsen Auslagen weg und 
ihre Concurrenz i ft leicht erklärlich und um fo bedeutender, als 
die hohe kirchliche Protection ihnen fichere und gut honorirte 
Arbeiten z u f ü h r t. 
Diefe die fleifsige Induflrie fo bedrückenden, künftlich grofsgezogenen 
gewerblichen Werkflätten , welche aufserhalb der Staatsgefetze flehen , welche 
ganz mit Unrecht und ohne volkswirthfchaftlichen Werth Vermögen anfammeln, 
gegen Recht und Gefetz und auf Koften fchon beftimmter bürgerlicher Induflrien 
Gewerbe und Handel treiben, müffen früher oder fpäter entweder in die flaatliche 
Ordnung einbezogen oder durchgreifend reformirt werden. 
Wenn trotzdem Giani heute eine grofse Anzahl Stickerinen befchäftigt, 
fo ifl das ein Beweis feines unermüdlichen Strebens, und zeigt, dafs im Publicum 
diefer lang verfchollene Kunftzweig wieder gefchätzt und anerkannt wird. 
Neben der immerhin koflfpieligen Stickweife wurde fpäter auch die Appli 
cation eingeführt, nämlich jene Darftellung, wo Gemälde etc. aus wirklichen 
Stoffen nach der Zeichnung ausgefchnitten, dann aufgenäht und die entfprechende 
Schattirung darauf geflickt wird. 
Es laffen fich in diefer bei Weitem billigeren Darflellungsweife fchöne 
Wirkungen erzielen, wie mehrere Beifpiele, die Giani in der englifchen Kirche 
aufgeflellt hatte, bewiefen, und die gewifs in jeder Beziehung jenen in Oel 
gemalten Heiligenfiguren, die noch heute häufig verwendet werden, vorzuziehen 
lind. Man durfte ja nur, um diefs klar zu erkennen, die Arbeiten Giani’s z. B. 
mit jenen Oberbau er’s, wie fie in den ungarifchen Gallerien ausgeflellt waren, 
vergleichen. 
Carl Giani hatte fowohl in der englifchen Kirche, als auch in feiner 
Expofition bei den Seidenfloffen in der öflerreichifchen Abtheilung Original- 
mufler in romanifcher und gothifcher Weife reichhaltig ausgeflellt, aufserdem 
fchön geflickte kirchliche Gewänder, Infein in alter Form und edler Zeichnung, 
von denen befonders jene für den Abt Bubic beachtenswerth war, Traghimmel 
und Fahnen mit vorzüglich ausgeführten Figuren in Application, ein Tauftuch für 
proteflantifche Confeffion, von origineller Zeichnung, flreng fliliflifch im Ornament 
und harmonifch in der Farbenwirkung, auch einen Vorhang für ifraelitifche 
Cultuszwecke mit romanifchen Anklängen. 
Hermann U ff e n h e i m e r aus Innsbruck reiht fich, was Stickerei betrifft, 
anerkennenswerth dem Streben Giani’s an, und Hellte in der englifchen Kirche 
eine prachtvolle Colledlion von Kirchenornaten aus, reich geflickt, theils mittel 
alterlich, theils einer modernen Richtung angehörig mit Anklägen an die mittel 
alterliche Stilweife. Auch waren bemerkenswerth die vorzüglichen Tambouri- 
rungen von Weifszeug. Der Linzer Dombau-Verein flellte einen geflickten 
Ornat mit Chriflus und Maria im reichen Weinlaub-Ornament von derfelben 
Firma aus. 
Albert Kaflner aus Wien brachte für das Stift Admont ein Pluvial aus 
dem XVII. Jahrhundert, neu inflallirt, jedoch ohne richtiges Verfländnifs für ältere 
Stilweife, dann eine Cafula, reich in Relief-Goldflickerei, für den Fürfl Primas von 
Ungarn, einen modernen Ornat in Silberfloff mit reicher Goldflickerei, wobei nur 
zu bedauern ifl, dafs fo viel Arbeit und edles Materiale auf fo unverantwortliche 
Art mifsbraucht wurde. 
Ferner fanden fich dafelbfl recht hübfche Weifsflickereien von Therefia 
Lemik aus Wien und Elife Wurfl aus Inzersdorf ausgeflellt, jedoch fehlte das 
fliliflifche Element in der Zeichnung. 
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