Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Fertige Kleider (Gruppe 5, Section 7), officieller Ausstellungs-Bericht

Jofef  Migotti.  Cravaten  und  Halsbinden.

23

Taggini  aus  Mailand  gab  in  einer  zahlreichen  Sammlung  von  Binden  und
Halstüchern  ein  übe  rechtliches  Bild  der  in  Italien  üblichen  Halsbekleidungen,
welche,  der  Temperatur  entfprechend,  dort  meift  offen  und  locker  getragen  werden.
In  Deutfchland  fcheint  man  der  Cravate  eine  geringere  Bedeutung  beizulegen,
  da  fie  in  unferer  Ausheilung  nur  felir  fpärlich  vertreten  war,  und  oftmals
durch  Binden,  Schleifen,  und  wollene  oder  gewirkte  Tücher  erfetzt  wurde.  Das
Haus  Hakenberg  aus  Neufs  zeigte  indefs  fchöne  fchwarze  Saloncravaten,
welche  durch  Form  und  Ausftattung  fich  befonderes  Verdient!  erwarben.
Auch  aus  Rufsland  fahen  wir  in  den  von  Reichel  in  Warfchau  ausgeflellten
Halsbekleidungsftücken  anerkennenswerthe  Fortfehritte  feit  dem  Jahre  1867  und
bedeutende  Verfeinerung  der'Fabrication.
In  der  öfterreichifchen  Abtheilung  fanden  wir  diefe  Induftrie  auf  der
höchften  Stufe  der  Vervollkommnung.  Die  Collectivausfbellung  der  Wiener  Pfaidlei,
Cravatenmacher  und  Stickergenoffenfchaft  brachte  von  der  üblichen  fchwarzen
Halsbinde  bis  zu  den  feinften  Phantaliefliicken  alle  Gattungen  in  vielfältiger  Weife
zur  Schau.  Diefe  Ausheilung  gab  in  jeder  Hinficht  Zeugnifs  von  den  enormen
Fortfehritten,  welche  Wien  in  den  letzten  Jahren  in  diefem  Fache  machte,  und
von  der  hohen  Ausbildung  diefer  Induhrie;  die  Wiener  Fabricate  übertrafen  die
englifchen  und  franzöfifchen  Erzeugniffe  bei  Weitem  an  Gediegenheit  und  Eleganz,
an  Schönheit  der  Formen  und  Frifche  der  Farben;  jeder  Vergleich  mufste  zu
Gunhen  Oeherreichs  entfehieden  werden.
Unter  den  erhen  Induhriellen  diefes  Faches  mufs  Ignaz  Honig  benannt
werden  (welcher  das  Ehrenamt  eines  Jurors  bekleidend  aufser  Preisbewerbung
hand).  Seine  Cravaten  und  Plalsbinden-Fabricate  waren  meih  nach  feinen  eigenen
Zeichnungen  angefertigt;  mehrere  neue  Knotenfchlingungen  waren  dabei  in  Anwendung ­
  gebracht,  und  zur  Befehigung  jener  Binden,  welche  ohne  Halstheile
find,  dienten  zweierlei  Neuigkeiten  von  Cravatenhältern;  bei  der  Einen  war  die
Cravate  mittelh  Federkraft  an  den  Halskragen  gefchloffen,  während  die  andere
(Mignon  genannt)  fich  im  Kragenknopf  einhängte  und  ihre  beiden  h  liigel  untei
den  Halskragen  hützte.  Die  gefammten  Fabricate  waren  gediegen  und  vollkommen,
und  trugen  den  Stempel  der  Einfachheit  und  Solidität.
Die  Firma  Friedmann  ftellte  ebenfalls  in  hervorragender  Weife  aus,
ihre  Erzeugniffe  theils  aus  franzöfifcher  und  Crefelder,  theils  aus  Wiener  Waare,
müffen  namentlich  wegen  des  befonderen  Schnittes  der  Schleifencravate  und  der
aufserordentlich  feinen  Näharbeit  erwähnt  werden,  wodurch  fie  fich  Beifall  und
Prämiirung  errangen.
Brüder  Matura  brachten  ihre  belobten  Erzeugniffe,  welche  hauptsächlich
in  den  öfterreichifchen  Provinzen  und  durch  den  Export  Abfatz  finden,  fie  zeichneten
fich  durch  befondere  Billigkeit  und  praktifche,  leicht  anlegbare  Formen  aus.
Einen  grofsen  Antheil  an  dem  Auffchwung  diefes  Erwerbszweiges  in
Oefterreich  hat  auch  das  weibliche  Gefchlecht;  viele  früher  unbeschäftigte  Hände
wandten  fich  diefem  leichten  und  dankbaren  Erwerbe  zu,  und  bewirkten  einBefferund
  Billigerwerden  diefer  Erzeugniffe.  Befonders  die  Frauenvereine,  diefe  Pflanzftätten
  der  Zukunft  der  weiblichen  Berufsentwicklung,  gaben  durch  ihre  fchönen
Ausftellungen  auffallende  Beifpiele  des  Nutzens  der  Affociation,  und  erfreuliche
Beweife  ihrer  philanthropifchen  Thätigkeit;  fie  forgen  nicht  nur  für  den  Unterricht ­
  und  entfprechende  Befchäftigung  der  heranwachfenden  weiblichen  Jugend,
fondern  fliehen  auch  durch  vorteilhafte  Verwertung  der  meift  in  Wäfchwaaren
und  Putzfachen,  Halstüchern  und  Cravaten  beftehenden  Handarbeiten  ihren  Mitgliedern ­
  und  Pflegebefohlenen  dauernden  Erwerb  und  Lebensunterhalt  zu  veifchaffen,
  und  fie  dadurch  zu  weiterem  Arbeitsbetriebe  aufzumuntern.
Auch  von  der  inländifchen  Stofffabrication  wurde  die  Halsbekleidungs-Induftrie
  auf  das  Kräftigfte  und  Erfolgreichfte  unterftützt,  während  franzöfifche
und  englifche  Seiden-  und  Halb-Seidenwaare  fich  als  fchwer  und  fpröde  zu  genanntem ­
  Zwecke  erweifen,  fich  auch  imPreife  derart  ftellen,  dafs  die  Concurrenz  des
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.