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Full text: Beiträge zur Geschichte der Preise (Additionelle Ausstellung Nr. 5), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr. Carl Theodor von Inama-Sternegg. 
dienten hiefür als Grundlage und die Obrigkeiten hatten zugleich auf den einzelnen 
Faffionen felbft die Localpreife von Heu, Grummet, Wein und Holz nach neun 
jährigem Durchfchnitte anzufetzen. Bei Gemeinden, welche eine halbe Meile vom 
Markte entfernt waren, wurde bei Weizen und Korn % Kreuzer, bei Gerde und 
Hafer */, Kreuzer abzufchlagen verftattet, bei gröfseren Entfernungen l«/ a Kreuzer, 
beziehungsweife i Kreuzer. (Hofdecret vom 12. September 1785.) Diefe als Bafis 
der Grundfteuer-Bemeffung dienenden Durchfchnittspreife find in der vorliegenden 
Zufammenftellung von den fämmtlichen im Jofephinifchen Landeskatafter unter 
felbftftändigen Rubriken eingetragenen Herrfchaften, Gütern, Höfen und Städten 
im ganzen Lande Böhmen (circa 1400 Wirthfchaftskörper) in der Art nachgewiefen, 
dafs von den Gutskörpern, welche mehrere Gemeinden umfaffen, der höchfte und 
der niederfte Preis aller diefer Gemeinden zufammen und bei Gutskörpern, welche 
nur aus einer Gemeinde beftanden, fowie bei Städten der höchfte und niedrigfte 
Preis diefer einen Gemeinde und Stadt mit Rückficht auf den obigen durch die 
gröfsere oder geringere Entfernung vom nächften Marktorte bedingten Abfchlag 
als Kataftralpreis des Jahres 1788 angefetzt worden find. 
Neben diefen Arbeiten und den culturhiftorifch intereffanten Daten von 
Max Dormitzer verdienen die kleineren Mittheilungen genannt zu werden, welche 
der Prager Handelskammer von verfchiedenen Mitarbeitern an der Collediiv- 
ausftellung gemacht wurden und die fie im Verein mit den eigenen Arbeiten der 
Kammer gefammelt und ausgeftellt hatte. Sie enthielten unter vielem Anderen 
zerftreute Notizen über Geldwefen und Münzfufse von 124J bis 1504, fowie Preis 
notizen über Getreide und Löhnungen nebft Nachrichten über Fruchtbarkeit und 
Geldmenge 1308 bis 1508 aus Joh. Thom. Funk's handfchriftlicher Chronik von 
Eger (Ausfteller Dr. J. Volkelt), über Arbeitslöhne 1584 (Dr. V. Rufs), welche 
gleichfalls fchon über das Verhältnifs von Zeit- und Stücklohn intereffante Auf, 
fchlüffe gaben; über Wein 1715 (Dr. E. Schebek), fowie Preife auf dem Dominium 
Elbogen im Jahre 1623 unter Anfchlufs der Originalquelle (von demfelben), auf 
fallend wegen ihrer exorbitanten Höhe, befonders für Getreide, welch’ merkwür 
diger Umftand auch zu einem eigenen Excurfe über die Domäne (Schebek’fcher 
Katalog, Beilage F) Veranlaffung gegeben hat. 
Das Elaborat des Referenten endlich erftreckt fich über das ganze Gebiet 
von Deutfchtirol und bietet befonders für die beiden Jahrhunderte der 
grofsen Preisrevolutionen (XVI. undXIX. Jahrhundert) ziemlich reichhaltige Daten, 
unter denen die Preife für Getreide, Fleifch, Wein und die Arbeitslöhne am aus- 
fiihrlichften behandelt find, weil fie ja auch die entfcheidenften Momente für die 
Beurtheilung der wechfelnden Kaufkraft des Geldes, diefen Angelpunkt aller 
Preisgefchichte, find. 
Die ausgeftellten Specialarbeiten zur Gefchichte der Preife 
gliederten fich hauptfächlich in bau- und handelsgefchichtliche Beiträge. In erfter 
Richtung hatte befonders der fürftlich Lobkowitz’fche Bibliothekar Max Dvorak 
mit feiner gedruckten Gefchichte des Raudnitzer Schlofsbaues eine 
fehr umfaffende und, wie nicht zu leugnen, auch fehr verdienftvolle Arbeit 
gefchaffen, welche, wenn fie auch gerade an Preisdaten nicht reich ift, fo doch im 
Allgemeinen wegen des tiefen Einblickes von Werth ift, welchen der Lefer in die 
ganze Baugefchichte eines grofsartigen Schloffes und in alle dabei geführten Ver 
handlungen (welche in den Beilagen mitgetheilt find) erhält und überdiefs in einer 
hiftorifchen Einleitung die Schickfale von Raudnitz und feinen Befitzern mit dem 
Schlofsgebäude lebensvoll verbindend, in lebhaften und durch die Unmittelbarkeit 
einnehmenden Zügen uns ein nicht unbedeutendes Stück böhmifcher Gefchichte 
vorführt. In diefe Partie würde auch die im Kataloge aufgenommene, aber noch 
nicht vollendete Gefchichte des Prager Dombaues von 1372 bis 1378 (Dr. E. Sche- 
bek) gehören, wie denn auch die Beiträge der Prager Handelskammer aus den 
Rechnungen des königlichen Schlofsbau-Amtes in Prag über Bauten am könig 
lichen Schlöffe und bei den beiden Damenftiften in Prag hieher zählen. Auch fonft
	        
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