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Dr. Carl Theodor von Inama-Sternegg.
der Preis eines Jahres höher ift, als der eines anderen, wie diefs durch die Anzahl
gleicher Raumunterfchiede der Scala, gemäfs der geometrifchen Progreffion ange
geben wird. Und zwar ift diefes einfache Ablefen des geometrifchen Verhaltmffes
nicht blofs für zwei unmittelbar auf einander folgende, fondern für die Beziehungen
zweier ganz beliebiger Punkte möglich, wobei man die Abfciffe von dem einen
der zu vergleichenden Punkte bis zur Grundordmate mifst und auf die Abfciffe
des zweiten Punktes überträgt, um dann an der dadurch getroffenen Ordinate
das Verhältnifs einfach abzulefen. . ,
Es gibt alfo die logarithmifche Theilung ein kennbareres und richtigeres Bild
der Preisbewegung und fie geftattet aufser den arithmetifchen Ablesungen der bisher
üblichen Weife auch das Ablefen aller percentualen Verhaltmffe, eine Erleichte
rung auch des rechnerifchen Verfahrens, wie fie in dem fogenannten Rechenftab
(Soho rule, sliding rule) für die Technik fchon lange bekannt ift ftir die gia-
phifche Statiftik und insbefonders für die Preisftatiftik aber unteres Wiffens bishei
noch keine Anwendung gefunden hat. . , .. , ,
Was fonft an graphifchen Darftellungen zur Gefchichte der Preife noch auf
der Ausheilung vorlag, war, foweit wir nicht aus anderen Gefichtspunkten noch
davon zu fprechen haben, entweder ganz unbedeutend oder wegen Mangels gleich
zeitig vorgelegter Tabellen mit dem begründenden und erklärenden Zahlenmateiial
vollkommen uncontrolirbar, wie das unter Anderem von den Tafeln der Wiener
Frucht- und Mehlbörfe, von Guftav Nobak’s Tafeln über die Gerften-, Hopfen
und Bierpreife in Baiern 1811 bis 1865, und von den Tafeln des ofterreichifchen
Vereines für chemifche und metallurgifche Produdion überPreisfchwankungen von
Chlorkalk, Soda, Glauberfalz, Schwefelfäure etc. von 1864/65 bis 1871/72 (nach
Monaten geordnet) gefagt werden mufs. n „„ Pr . iq
Die 42 araphifchen Tafeln endlich der grofsen B u d ape ft er Preis
gefchichte , um mit dem gröfsten Elaborate diefer Gruppe zu fchliefsen, fine
uns trotz ihrer gewandten Anordnung und meifterhaften typographifchen Ausftat-
tung doch immer mehr wie ein rechtes Ausftellungs-Schauftuck denn als ein
notwendiger Beftandtheil jenes fchon gewürdigten und wohl mit Recht gelobten
Riefenwerkes erfchienen. Jedenfalls fleht der wiffenfchaftliche Erfolg, weichet
damit erreicht wird, in keinem Verhältniffe zu dem gemachten Aufwande, denn
nicht nur ift durch die DarfteUung der wöchentlichen Preisbewegung eine ganz
unnöthige Maffe vonTheilungen und Eintragungen entftanden, welche bei Erfaffun
des Bilcles in feinen grofsen Zügen — und nur dazu hat die graphifche Statiftik
Beruf und Aufgabe — doch unberückfichtigt verloren gehen, fondern es ift auch
durch die Anordnung, dafs jeder einzelne Gegenftand auf mehreren einzelnen
Blättern gegeben werden mufste, eine einigermafsen eingehende Vergleichung ein
Studium diefer Tafeln, fo gut wie vollftändig ausgefchloffen. Ohne diefe Möglich
keit einer intenfiven Vergleichung aber ift die einzelne Tafel ungemein gedanken
arm und daher auch eine nur unvollkommene Bearbeitung des Ziffernmateriales
denn nur dadurch, dafs damit wirkliche ftatiftifche Ergebniffe, welche der Lefei
des Tabellenwerkes erft mühfam fich hätte gewinnen muffen, gleichfam fpielend
vorgeführt werden, erhebt fich die graphifche Statiftik über die Stufe blofser tech-
nifcher Fertigkeit zu einem eminent wiffenfchaftlichen Hilfsmittel.
Refultate der Preisgefchichte.
Abgefchloffene Unterfuchungen und fertige Ergebniffe der Preisgefchichte
traten bei der Aufteilung aus naheliegenden Gründen nur wenige hervor; denn
abgefehen davon, dafs ihre erfte Vorausfetzung, ein gefchloffenes Material, auf ein
heftliche Zahlenausdrücke gebracht, nur unter befonders begunftigenden Umftanden
überhaupt zu erreichen war, und dafs die knapp bemeffene Zeit für alle diejenigen,
welche erft durch die Ausftellungsprogramme zu derlei Arbeiten angeregt wurden,