Beiträge zur Gefchichte der Preife.
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Läfst man das Material in diefer Bearbeitung im grofsen Ganzen als richtig
gelten — abfolute Genauigkeit ift dabei freilich nicht erzielt — fo kann man
nicht ohne Intereffe den Nachweis verfolgen, dafs trotz Sinkens des Gerften- und
Hopfenpreifes und des Brennholz-Preifes bei gleichbleibendem Koh-lenpreife und
nur unerheblicher Zunahme der Verzehrungsfteuer doch ein Steigen des Bier-
preifes in zehn und fünfundzwanzigjährigen Perioden eintritt, was auf fehr ftarke
Zunahme der Nachfrage fchliefsen läfst.
Von fünfzig zu fünfzig Jahren macht fich diefelbe Steigerung der Preife auch
bei den übrigen Fadloren bereits in mehr oder weniger entfchiedenem Verhält-
niffe geltend. Freilich werden wir in Bezug auf die Annahme diefer Refultate
etwas ftutzig, wenn wir ihnen gegenüber die Berechnungen des Baron Steiger
über die Verfchiedenheit im Preisauffchlage einiger Artikel in Böhmen halten,
wonach das gegen 1670 heute etwa dreifach theurer gewordene Bier aus fünffach
theurer gewordenen Ingredienzien, mit zehnfach grösseren Brennmaterial-Koflen.
zehnfach beffer bezahlten Arbeitern und unter vierfach höherer Befteuerung
erzeugt werden mufs. Nach den Zahlen des Bufchtiehrader Elaborates felbft
aber ift das Bier zwifchen 1671 bis 1680 und 1861 bis 1870 geftiegen wie i: 2 81.
Gerfte wie 1:4 8, Hopfen wie 1: 6 52, Holz wie 1: 6-14 und die Verzehrungsfteuer
wie 1: 6*54, fo dafs die zuerfl hervorgehobene einfeitige Steigerung des Bier-
preifes doch nur ein vorübergehendes Mifsverhältnifs bedeuten kann, während im
Ganzen die Ergebniffe von Steiger und von Bufchtiehrad doch annähernd itber-
einftimmen, und die geringe Preiszunahme von Bier als Induftrieproducfl geradezu
frappant die Vervollkommnung der Brauereitechnik und Oekonomik darzulegen
vermag. Wie deutlich würde das auf einer graphifchen Tafel hervortreten,
welche mit logarithmifcher Theilung angelegt wäre. Auch die Vergleichung
der Steinkohlen mit der Holzökonomie ift fehr lehrreich und liefert in den Zahlen
des Steinkohlenpreifes und des Holzäquivalentes für einen Centner mittlerer
Würfelkohle nachfolgendes Ergebnifs:
1772 Steinkohle (ununterfchieden) 7*2 kr. Holzäquivalent 10 kr. oder 1:1*39
12 „ „ 1:167
1782
1792
1802
7'2 „
8.2 „
6'3 r
15-4 *
12-6 „
147 „
22'4 „
22*4 r
•3 •?
20 „ „ 1: 2 ’44
24 R R l:3'89
32 „ R l:206
24 R R
20 „ „ 1:1-36
32 „ „ i:i-43
65 R W 1:290
62 ,, „ I: I'94
62 „ „ I: i 55
n
1812 Würfelkohle
1822
1832
1842
1852
1862
1872
n
n
Endlich hat fich der Prager Colledtivausftellung, äufserlich wenigftens,
auch Profeffor Lafpeyres angefchloffen, deffen graphifche Tafeln wir, fo weit
ihre Technik dabei in Frage kam, fchon oben erwähnt haben. Die erfte Serie
über 310 Hamburger Export- und Importartikel von 1847 his 1870
führt auf 18 Blättern den Nachweis der enormen Steigerung, welche feit der Ent
deckung der californifch-auftralifchen Goldfehätze und durch diefelben faft alle
Waarenpreife erlebt haben. Der Verfaffer hatte dazu in der tabellarifchen Ueber
ficht über den hamburgifchen Handel ein reiches und zuverläffiges Material, wi e
es kaum in folcher Vollftändigkeit irgend wo ariders getroffen wird. Die Ham
burger Waaren-Preiscourante , das fei hier nur beiläufig nach Soetbeer bemerkt,
werden feit 1736 wöchentlich von der Commerzdeputation herausgegeben und
hat eine Unterbrechung nur während der Belagerung vom Jänner bis Juni 1814
ftattgefunden. Die Notirung der Preife gefchieht durch die für die verfchiedenen
Gefchäftszweige damit beauftragten Makler, welche jedes Jahr dazu ernannt
werden ; für die wichtigeren Artikel ift je zwei Maklern die Notirung übertragen.