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Dr. Emil Teirich.
hat ihren Sitz einerfeits in München, anderfeits in Thüringen, wo eine grofse
Zahl kleiner Meifter, oft nicht ohne viel Gefchick currente Porzellanmalereien
verfertigt, die wir auf den baierifchen Bierkrügen, auf Dofen, Hausaltärchen u. f. w.
dutzendweife allenthalben finden. Die Kunft vererbt fich, und das namentlich in
Thüringen, vom Vater auf den Sohn. Stets find es einige bekannte und fehl-
beliebte, theils genaue, theils ein für allemal variirte Copien nach den Bildern
altitalienifcher Meifter, dann aber auch andere Sujets, oft eigener Compofition.
• Die angewandten Farben find meift recht gut, wie denn überhaupt die Technik
bei folcher Maffenproducftion zu einer gewiffen Sicherheit gelangt ift, Die Induftrie
hat für das Land Bedeutung, fie wird gewiffermafsen meift als Hausinduftrie
getrieben.
Harras > Haa S. weniger Ens & Greine r in Laufchau (Sachfen-
Meiningen), die jedoch über ioo Perfonen mit Miniaturmalerei befchäftigen
verdienen Erwähnung. ö ’
F. X. Thallmayer in München hat unferen Erwartungen nicht ent-
fprochen. Als erftes Etabliffement diefer Art hätte er Befferes leiften follen. Ein
i m vMünchner" Renaiffanceftil decorirtes Service befriedigt gar nicht, es iit in
Zeichnung und Farbe verfehlt. Die Copien nach der Münchner Schönheitsgallerie
- bereits fehr bekannt — find hart im Colorit. Solche Vernachläffigung der
artiftifchen Seite diefer, fonit mit lobenswerthem Fleifse ausgeführten Arbeiten,
ift gerade in München weniger verzeihlich als an den thüringifchen.
C.A. Pfeil in Charlottenburg und Greiner, zwei der bekannteften
Emailfarbe-Fabrikanten, hatten eine recht vollftändige, aber nichts wefentlich
Neues bietende Suite ihrer Erzeugnifle ausgeftellt.
So wenige Anftrengung die deutfche Fayence-Induftrie in den letzten
Jahien gemacht hat, um ihre künftlerifche Aufgabe zu löfen, fo fteht diefelbe
fowohl in äfthetifcher Richtung als hinfichtlich der Vervollkommnung ihres tech-
nifchen Betriebes, wenn wir die Privatinduftrie allein ins Auge fallen, entfchieden
über der Porzellanmanufadlur, die in Oefterreich ganz unftreitig ein regeres
Leben führt. Ja, hier findet gewiffermafsen das Umgekehrte ftatt , denn unfere
heimifche Steingut-Erzeugung liegt arg danieder, und wir haben gefehen, wie
wenig Gutes uns die Ausftellung in diefer Richtung zu bringen vermochte.
Vor Allem war es wieder unfere böhmifche Porzellaninduftrie, welche, wenn
auch lange noch nicht vollftändig fo doch fehr gut repräfentirt war. Immer gröfsere
Bedeutung gewinnt dort die Porzellanfabrication, die, zufammengedrängt in einen
reich gefegneten Erdenwinkel, alles Rohmateriale für das Porzellan und den
billigften und brauchbarften Brennftoff vorfindet, und günftiger fituirt ift, als die
grofsartigften Thonwaaren-Diftridle Englands.
Die Privatinduftrie Oefterreichs hat diefsmal erfreuliche Leiftungen des
I ortfchrittes nachgewiefen, und war entfchieden in decorativer Hinficht beftrebt
gewefen, den Anforderungen zu genügen, die nach dem Auflaffen der kaiferlichen
ManufaCtur an fie geftellt werden mufsten.
Haas und Czizek in Schlaggenwald bereiteten fich für diefes Jahr theil-
weife mit ganz Neuem vor. Befonders find es die, nach Profeffor Haufers Ent
würfen ausgeführten zwei grofsen Vafen mit Schale, die im Grundton weifs, doch
mit buntem, in der Farbe etwas mattem, antikifirendem Renaiffance Ornament
gefchmückt find. Den Körper der Vafe umzieht ein Fries mit Darftellungen von
Nereiden, fehr bunt auf Goldgrund gemalt. Eine Suite von Porzellangefchirren,
diverfen Zwecken dienend, mit einem meift einfeitigen, japanefifchen Motiven
nachgebildetem Ornament, dann zwei Vafen mit bunter, pompejanifcher Decoration,
zahlen mit zu den beften Stücken der Porzellantechnik auf der Weltausftellung,
wenn auch die Malerei als folche theilweife etwas zu wenig verftanden und nicht
genug piäzife zu fein fcheint. In gleicher Weife heben wir eine gute, grofse blaue
Vafe im orientalifchen Stile mit Blumen decorirt hervor, und erwähnen zweier,
durchfchnittlich fehr gut ausgeführter Service, wovon das eine blau, das andere