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Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die Thonwaaren-Induftrie'. 
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Rand die beiden Gefäfse fich tangiren. Beim Brande fchmelzen diefe an den 
Berührungsflächen zufammen, bilden einen Körper, und ein reizender und über- 
rafchender Efifetf! ift mit diefem fogenannten travail reticule erzielt. 
Die zum Ausformen verwendeten Modellformen find nicht wie bei uns aus 
Gyps, fondern aus, an der Sonne getrocknetem, Thon gefertigt. Um fo wunderbarer ift 
uns die Präcifion und Schärfe, mit der die Profilirung oder das Relief erfcheint, 
da nur wenig fpäter retouchirt wird. 
Die Glafur und die Farben werden fafl ausnahmslos in einem einzigen 
Feuer eingebrannt. Die alten Farben beftanden faft lediglich aus gepulverten 
Mineralien, heutzutage arbeitet der fortgefchrittene chinefifche Porzellanmaler 
auch fchon mit chemifchen Präparaten, meift englifchen Importartikeln. 
Während einerfeits das Streben der Fabrikanten dahin gipfelt, eine mög 
lich!! gut verbundene, haarriffefreie Glafur zu erzielen, denkt fchon der andere feit 
Langem an die Erzeugung des Craquele, des künftlich mit mehr oder weniger 
dichten Riffen verfehei^en Glafurüberzuges, von dem namentlich einige fehl* gut 
gelungene, weil fehr regelmäfsig gelprungene Proben an grofsen Vafen ausgeftellt 
waren. 
Diefe ganz feine Sprenkelung der Oberfläche, welche an die Zeichnung 
der Haut der Forelle erinnert (darum truite genannt), war von jeher eine beliebte 
Curiofität und ein Gegenftad der europäifchen Imitationsfucht. Bekanntlich hat 
Sevres, Minton, Worcefter und Andere die Technik diefes Craquele längft 
aufgefunden und auf der Ausftellung in fchönen Muftern gezeigt. 
Aus Kivonkia fandte K o p fa, der Commiffär der Duane, neben eigenen 
alten und neuen Flausgeräthen, auch Vafen, worunter fchöne, grauliche Craqueles 
von befonderer Gröfse (4*4 Fufs Höhe) bemerkt zu werden verdienen. 
Durch Einreiben mit einer braunen, mehr oder minder dunkeln Farbmaffe 
und nachheriges Verglühen wird das Craquele, namentlich an einigen chinefifchen 
Stücken, fehr flark prononcirt. 
Auch von dem berühmten „ti'avail au grain de riz“ fah man Einiges unter 
den alten chinefifchen Arbeiten. Das Ornament, meift Blumen, wird vertieft in 
eine Porzellanplatte eingedrückt, lind mit einer weifsen oder farbigen Glafurmaffe 
überzogen, die fleh in den Vertiefungen verdichtet; eine Technik, die, wie wir 
fahen, bei Minton Hollins beifpielsweife zur Plattendecoration gebraucht wird. 
Ueberhaupt dürfte keine der modernen Decorationsweifen in der Porzellan- und 
Fayence-Induftrie Europas exiftiren, zu der nicht eine chinefifche Ausführung den 
elften Impuls gegeben hätte. An Pohing’s Gartenftühlen und grofsen Vafen 
finden wir den feladongrünen Grund, auf dem mit paftofem Auftrag ein weifses 
Ornament plaftifch, fall mit dem Pinfel modellirt erfcheint. Wir flehen vor den 
jenigen Arbeiten, die zur berührten Pate - sur - pate - Technik den erften Anlafs 
gaben. Pohing’s Ausftellung gib. ein inftructives Bild der modernen chinefifchen 
Porzellantechnik, wie fie für den europäifchen Markt arbeitet; runde, viereckige 
oder fechseckige Vafen, bunte Figuren, Gartenfitze und Kübel, Blumengefchirre 
und Service in buntefter Abwechslung finden wir in deffen Schaukaflen. 
Zum erften Male treffen wir hier auf einer chinefifchen Ausftellung über 
haupt auch die Namen einiger Fabrikanten. So brachte J i i t - c h i n g Vafen mit 
Cloifonuedecoration, gut in Farbe und befferem Gefchmack, und Hsii aus 
Hankow, modernes Gefchirr für den Hausgebrauch, darunter Taffen und 
Schüffeln mit Korallenfchmuck, kleinen und grofsen Vafen, Craquelewaare u. f. f. 
Sehr bemerkenswerth und von befonders fchöner Wirkung find die foge 
nannten Maroonvafen. Der weifse Körper derfelben ift über und über mit einer 
dicken, leicht flüffigen dunkel purpurrothen Glafurmaffe überzogen, in der fleh 
blaue Flimmer, ähnlich dem Aventurin ausgefchieden haben. Eine ähnliche Maffe, 
die wir unter den neueften Glaspaften der Verrerie imperiale de St. Petersbourg 
fanden, rührt von L. Bonafede, dem Direktor und Chemiker der kaiferlich 
rufflfehen Fabrik her. 
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